All die traurigen jungen Dichter

Autorenwertung
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All die traurigen jungen Dichter

Stephan Kleiner (Übersetzer). DuMont Buchverlag GmbH & Co. KG 2009, Gebundene Ausgabe, 288 Seiten, € 19,95

Rezension von: istillreadbooks | Rezensionsdatum:

All die traurigen jungen Dichter von

Inhalt
„All die traurigen jungen Dichter“ erzählt die Geschichte von drei Männern zwischen 20 und 30, dessen Leben umhertreiben, die sich verlieben und mit wenig lukrativen Nebenjobs über Wasser halten und dabei ihre ganz eigene Philosophie vom Leben, von der Politik und vom Gesamtzustand der Welt entwickeln. Da ist zum einen Mark, der zwar schon geschieden ist, aber immer noch studiert und über seiner Doktorarbeit sitzt und nicht recht vorankommt, zum anderen ist da noch Sam, der schon seit Jahren versucht, den einen, den großen, den phänomenalen „zionistischen Roman“ zu schreiben, sich dabei jedoch immer wieder nur um sich selbst dreht und dabei von einer verkorksten Beziehung direkt zur nächsten von vornherein zum Scheitern verdammten Liebe taumelt.

Und zu guter Letzt spielt auch noch Keith in „All die traurigen jungen Dichter“ eine gewichtige Rolle – der Alter Ego des Autors Keith Gessen ist als Sohn russischer Einwanderer trotz Harvard-Studium und gutem Ruf in der akademischen Welt nicht recht sicher, wo er hingehört, und anstatt im Leben und bei seiner Karriere wirklich bedeutend voranzukommen, verliert er sich in Überlegungen und Philosophien zur Russischen Revolution und bezieht die Vergangenheit der Bolschewiki und Menschewiki und die Ära kurz vor Gründung der Weimarer Republik allzu oft auf  sein eigenes Leben.

Ein außergewöhnlicher, tragikomischer Roman, bei dem die Charaktere so lebendig wirken, dass sie förmlich aus den Seiten herausspringen
Der Autor Keith Gessen behandelt in „All die traurigen jungen Dichter“ einen Themenkomplex, der so in der Literatur sicher nicht besonders neu oder innovativ ist. Die Selbstfindungsprobleme junger Menschen, die sich im Zwiespalt zwischen Karrierestreben und Selbstverwirklichung befinden und dabei immer wieder auch über die Irrungen und Wirrungen der Liebe stolpern, ist in der Welt der Literatur ein bekanntermaßen immer wieder behandeltes Thema. Doch „All die traurigen jungen Dichter“ ist viel mehr als nur ein amüsanter Roman, welches dem Leser die mitunter nichtigen Probleme junger Erwachsener näherbringt, denn trivial oder anspruchslos wirkt der Roman zu keiner Zeit.

Keith Gessen wechselt gekonnt die Schauplätze und Perspektiven, lässt die Protagonisten zu Wort kommen, ohne dabei auf einen auktorialen Beobachter und Erzähler zu verzichten, welcher das Geschehen immer wieder auf skurrile, teils zynische und bitterböse, jedoch niemals herablassende Weise kommentiert. Ein weiterer Aspekt, der den Roman so besonders macht, ist die gekonnte Schilderung der sozialen Milieus und vor allem der „akademischen Schicht“, in der sich die drei Hauptprotagonisten Sam, Keith und Mark samt den Nebenfiguren aufhalten und bewegen.

Neben dem gekonnten Perspektivenwechsel versteht Gessen es auch, seine Protagonisten stets als Reisende darzustellen, die sich nicht nur auf rein physischer Ebene immer auf der Reise irgendwohin befinden (freilich ohne jemals wirklich auch an einem bestimmten Ort tatsächlich „anzukommen“), sondern die auch in ihrem Inneren nirgendwo wirklich heimisch sind und auf der Suche nach dem eigenen Ich nach einem neuerlichen Rückschlag immer wieder aufstehen, um den selben Fehler, teils unabsichtlich, teils aus voller Überzeugung, erneut zu machen.

Fazit
Die Protagonisten in „All die traurigen jungen Dichter“ stellen sich unbequemen Wahrheiten und sorgen damit dafür, auch den Leser immer wieder zur Reflexion über das eigene Leben anzuregen – teilweise mit einer gewissen Portion Melancholie, jedoch niemals depressiv, sondern immer gekonnt balancierend zwischen Zynismus und Traurigkeit auf der einen Seite und der Fähigkeit, auch über sich selbst lachen zu können auf der anderen Seite. Kurzum: „All die traurigen jungen Dichter“ ist der absolut gelungene Debütroman eines außerordentlich talentierten jungen Autors, mit dem auch in Zukunft zu rechnen sein wird.

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