An Großvaters Hand

Autorenwertung
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  • Aufmachung
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  • Authentizität
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  • Gesamt
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An Großvaters Hand

Tobias Scheffel (Übersetzer). Moritz Verlag 2010, Gebundene Ausgabe, 80 Seiten, € 24,17

Rezension von: Ratte | Rezensionsdatum:

An Großvaters Hand von

Inhalt
„Meine Kindheit in China“ lautet der Untertitel dieses Bilderbuchs, welches eher an ein Graphic Novel als an ein „klassisches Kinderbuch“ erinnert. So erklärt der Untertitel zwar, worum es geht, lässt den Leser aber weiterhin im Unklaren darüber, ob er jetzt ein Bilderbuch in den Händen hält oder doch eher ein Graphic Novel für Erwachsene. Um diese Frage vorab zu beantworten: Sowohl Kinder als auch Erwachsene können dieses Buch lesen, es wird zweifelsohne jeder Altersgruppe gerecht.

Die Geschichte beginnt im Jahr 1966 im Norden Chinas. Die Familie des Autors, Vater, Mutter, zwei Schwestern, der Erzähler und die Großeltern, leben in ärmlichen Verhältnissen. Die Eltern arbeiten, die drei Kinder werden von den Großeltern betreut. Trotz der Armut (fast nie reicht es für neue Kleidung oder für neue Schuhe für den kleinen Jungen) lässt sich das Leben der Familie fast als idyllisch bezeichnen. Der Zusammenhalt innerhalb der Familie ist eng, die Kinder lieben ihre fürsorglichen Großeltern und diese kümmern sich aufopferungsvoll um die Familie.

Die Großmutter zieht Küken auf, um das Familieneinkommen zu verbessern und schafft es auch immer wieder, aus fast nichts ein schmackhaftes Essen zu kochen. Besonders gern geht der kleine Junge mit seinem Großvater in den Park, wo sich die alten Männer treffen. Die ältere Schwester geht schon zur Schule, da sie taub ist, besucht sie eine Gehörlosenschule. Von ihr lernt der Junge die Gebärdensprache. Am liebsten aber zeichnet er.

Da sich die Familie keine Zeichenmaterialien leisten kann, zeichnet der kleine Junge meist auf dem Fußboden. Gefährdet wird die Idylle dann aber durch den Beginn der Kulturrevolution. Freunde werden öffentlich gedemütigt, manche verschwinden ganz, Angst greift um sich und für die kleine Familie kommt es besonders schlimm, als der Vater zur Umerziehung aufs Land verschickt wird. Der Junge kommt zur Schule, was ihm zuerst gut gefällt, zumal er als Rotgardist „Chefredakteur“ der Wandzeitung wird und endlich wieder zeichnen kann.

Dann stirbt der über alles geliebte Großvater und die Großmutter versinkt in Trauer. 1976, im Jahr als Mao stirbt, kehrt auch der zwangsverschickte Vater zurück, erschöpft und gealtert. Dass der Junge zur Oberschule kommt, bildende Kunst studiert und letztendlich ins Ausland geht, wird nur noch kurz auf den letzten beiden Seiten abgehandelt – die Kindheit ist vorbei.

Fazit
Chen Jianghong hat bereits eine ganze Reihe Bilderbücher gezeichnet und geschrieben. Wer ihn auf einer Lesung oder bei einem Workshop erleben durfte, weiß um sein ganz außergewöhnliches Zeichentalent, welches klassische chinesische Zeichenkunst – einige Bilder sind auf Reispapier getuscht – und moderne Bildersprache miteinander verbindet. Bücher signiert er nicht, er zeichnet mit flinkem Pinsel ein Bild hinein. In „An Großvaters Hand“ erzählt er zum ersten Mal von seiner eigenen Geschichte. Seine Kindheit und Jugend ist so ganz anders als all das, was wir kennen.

Besonders die Zeit der Kulturrevolution ist oft das Thema einer Reihe von Büchern chinesischer Autoren. Chen Jianghong lässt keinen Zweifel an der Grausamkeit der Kommunisten in dieser Zeit, aber er klagt weder an, noch jammert er. Er stellt nur dar, beschreibt eine Kindheit voll materieller Not, aber menschlichem Reichtum. Auch wenn niemand gerne kleiner revolutionärer Rotgardist sein möchte, so einen Großvater und so eine Großmutter hätte sicher jeder gern gehabt. Die Beschreibung dieser chinesischen Kindheit in wenigen Sätzen, aber aussagekräftigen, großformatigen Bildern ist ein Augenschmaus für Erwachsene und eine liebevoll erzählte Geschichte für Kinder. Etwas ganz Besonderes – und auch schon mehrfach ausgezeichnet.

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