Anleitung zum Unschuldigsein

Autorenwertung
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Rezension von: istillreadbooks | Rezensionsdatum:

Anleitung zum Unschuldigsein von

Inhalt
Ein schlechtes Gewissen hat der durchschnittliche Deutsche schnell, und an einem einzigen Tag können manchmal ganz schön viele Gewissensbisse gemeinsam an der angeknacksten Psyche nagen. Man könnte förmlich jede Sekunde des Lebens genießen, wenn, ja wenn da nicht dauernd dieses schlechte Gewissen wäre – immer dann, wenn man sich für eine Strecke von 1000 Metern ein Taxi genommen hat, wenn man bei der Trennung des Hausmülls wieder einmal kläglich versagt hat und alles heimlich in die blaue Tonne geworfen hat, wenn man zum fettigen Burger greift, statt selber zu kochen, oder auch, weil man einfach das Pech hatte, in Deutschland geboren zu sein und sich deshalb ständig mit der eigenen Geschichte auseinandersetzen muss.

In „Anleitung zum Unschuldigsein“ werden alle diese Mechanismen zur Bildung des schlechten Gewissens in einer sehr humorvollen und komischen Art und Weise beschrieben und anschließend mithilfe verschiedener Kommentare und satirischer Anklänge gründlich durch den Kakao gezogen.


Amüsante Kurzgeschichten mit bitterbösen Parodien am Ende eines (fast) jeden Kapitels

Florian Illies „Übungsbuch“ für das schlechte Gewissen beschreibt Ereignisse und Situationen, die jeder wohl so ähnlich schon einmal erlebt hat. Mit schonungsloser Offenheit beschreibt er die Gedanken und Gefühle, die einem unwillkürlich durch den Kopf schießen, wenn man gerade etwas tut, was man als „böse“ oder „schlecht“ eingeschärft bekommen hat. In einer Welt, in der Normen und Werte eine immer individuellere Angelegenheit werden, und in der es nur noch wenig verbindliche Regeln und Richtlinien für das tägliche Leben gibt, hat Illies das schlechte Gewissen als den „neuen Orientierungskompass“ der Menschen ausgemacht – es meldet sich genau dann, wenn man vor kleineren moralisch-ethischen Problemen steht, die nach einer sofortigen Lösung verlangen, etwa dann, wenn man überlegt, ob man dem armen pakistanischen Rosenverkäufer im Restaurant nun eine Rose abkaufen soll oder nicht, oder ob man nun wirklich bei Rot über die Ampel gehen soll oder eben nicht.

Illies Buch besteht aus insgesamt 23 Kapiteln, von denen aber einige wenige nur aus einer Überschrift bestehen. Dies macht sich aber durchaus positiv bemerkbar, denn die kurzen Überschriften sind hierbei meist so eindeutig, dass mit einem Satz alles Wichtige gesagt ist. Diese „Kurzkapitel“ lockern also das Buch etwas auf, für den Fall, dass der Leser es „in einem Rutsch“ verschlingt. Am Ende der meisten Kapitel findet sich eine kurze Übung. Diese Übungen sind so bitterböse und zynisch, dass wohl kein Leser es ernsthaft in Erwägung ziehen wird, sie tatsächlich auszuprobieren – sie stellen eher ein kurzes Fazit des vorangegangen Kapitels dar, und dieses Fazit ist immer absolut exzellent geschrieben und darüber hinaus sehr treffend.

Fazit
Nach „Generation Golf“ ist „Anleitung zum Unschuldigsein“ Florian Illies zweites Werk. Wie auch schon in „Generation Golf“, entwirft er ein kritisches Bild verschiedener Konventionen und Phänomene, welche sich im Fall von „Anleitung zum Unschuldigsein“ jedoch nicht explizit nur auf eine bestimmte Generation beschränken, sondern eher gesamtgesellschaftlich verankert sind. Denn unschwer ist zu erkennen, dass das schlechte Gewissen in jeder Generation verbreitet ist, wenn auch mit unterschiedlichen Ursachen. Für alle Freunde des schwarzen Humors und der gelungenen Alltagssatire ist „Anleitung zum Unschuldigsein“ ein wahres Lesevergnügen.

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