Anni und Alois. Arm sind wir nicht

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Rezension von: Ratte | Rezensionsdatum:

Julia Seidl/ Stefan Rosenboom: Anni und Alois. Arm sind wir nicht. Ein Bauernleben

Inhalt

Julia Seidl ist Fernsehjounalistin beim Bayerischen Rundfunk, ihr Thema sind besondere Lebensläufe, Portraits ungewöhnlicher Menschen. Drei Filme hat sie im Laufe der Jahre über das Ehepaar Sigl aus Hilgenreith gedreht, ein Bauernpaar auf einem Einödhof im Bayerischen Wald. Aber dieses so ganz aus der Zeit gefallene Paar ließ die Journalistin auch später nicht los und so entstand in Zusammenarbeit mit dem bekannten Fotografen Stefan Rosenboom das Buch Anni und Alois.

Anni und Alois sind beide in den 70ern, seit über 50 Jahren verheiratet und seit ihrer Eheschließung leben sie auf dem ererbten Hof in der Einöde: Ohne Heizung, ohne Bad, ohne Auto, ohne Urlaub – aber in Einklang mit der Natur, den Jahreszeiten und frei von jeglichem Konsumzwang. Wenn Anni im Dorf einkauft, dann kauft sie nur genau das, was sie braucht, Seife, Essig, Salz … und mehr nicht. Nichts verlockt sie. Annis Leidenschaft sind Geflügelzucht und Apfelanbau und für ihre Produkte ist sie bekannt, sogar Pomologen von weither suchen sie auf, um von ihren Kenntnissen zu profitieren. Kaum jemand ist so versiert im Veredeln. Einer ihrer Apfelbäumeträgt 14 verschienen Äpfel, ein Meisterwerk der Veredelungskunst. 120 Apfelsorten können Besucher bestaunen. Auch ihre Hühner sind begehrt und Anni ist völlig frei von Sentimentalitäten, die Küken pflegt sie in der Ofenschublade und ernährt sie mit besonders zusammengestelltem natürlichemFutter, aber geschlachtet werden sie trotzdem.

Anni ist immer beschäftigt, kümmert sich um die Obstbäume, die Tiere, macht Himbeeren ein oder baut sogar für ihren Alois eigenen Taback an. Still sitzen kann sie schlecht. Alois ist anders. Er ist der Ruhigere von beiden,lässt auch seiner Frau das letzte Wort. Aber arbeiten müssen beide. Bauernleben ist immerwährende harte Arbeit, zumal als Selbstversorger. Das Ehepaar ist zufrieden mit seinem leben, andererseits hätten sie auch kaum eine Alternative, denn von ihrer rente bleiben nach Abzug der fixen Kosten pro Monat gerade noch 50 Euro. So aber reicht das und Annis Vorrat in der Speisekammer erlaubt es ihr, nur alle 4 Wochen zum Einkaufen fahren zu müssen und wenn sie eingeschneit sind, dann wird es noch seltener. Da stehen Äpfel und kartoffeln,Kohl und sogar drei große Töpfe mit gepökeltem Schweinefleisch – nicht zu reden von Annis Gefriertruhen mit den Erträgen von Garten und Geflügelzucht. Nur der viele Schnee und das Schneeschippen, das fällt doch manchmal schwer, zumal der Rücken Anni nun doch Probleme bereitet. Aber solange es geht, wollen sie auf dem Hof bleiben, das Leben führen, das sie gewählt haben.

Fazit

Im Jahreslauf, vom Januar bis Weihnachten, beschreibt Julia Seidl das Leben des alten Ehepaares, lässt auch die beiden selbst zu Wort kommen und erzählt auch deren Jugend. Bäuerliche Armut erscheint uns heute so fremd, wie aus grauer Vorzeit, und ist doch noch gar nicht so lange her. Alois und Anni leben noch und können davon erzählen. Gut zu lesen, wenn man gerade wieder in der Konsumfalle steckt und glaubt, noch so viel zu benötigen, was man doch eigentlich gar nicht braucht.

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