Arcandors Absturz

Autorenwertung
  • Lesbarkeit
    ein Buchein Buchein Buchein Buchhalbes Buch
  • Informationen
    ein Buchein Buchein Buchein Buchein Buch
  • Nutzen
    ein Buchein Buchein Buchein Buchhalbes Buch
  • Spannung
    ein Buchein Buchein Buchein Buchhalbes Buch
  • Recherche
    ein Buchein Buchein Buchein Buchein Buch
  • Gesamt
    4.5 Sterne4.5 Sterne4.5 Sterne4.5 Sterne4.5 Sterne

Arcandors Absturz

Hagen Seidel. Campus Verlag 2010, Gebundene Ausgabe, 300 Seiten, € 7,99

Rezension von: Wolfi | Rezensionsdatum:

 : . Wie man einen Milliardenkonzern ruiniert: Madeleine Schickedanz, Thomas Middelhoff, Sal. Oppenheim und KarstadtQuelle.
Die Finanzkrise ist in aller Munde. Doch wirklich bedrohlich wird sie erst, wenn deutlich wird, dass es sich nicht nur um ein Phänomen anonymer Finanzmärkte handelt. Wenn das Kaufhaus nebenan dichtmacht, die Innenstadt verödet und Verkäuferinnen arbeitslos werden, dann hat die Krise ihr eigentliches Gesicht gezeigt. Das Wanken des Riesen Karstadt, Teil des Arcandor-Konzerns, war so ein Moment. Ein anderer als das scheinbar unangreifbare Versandhaus Quelle plötzlich in die Insolvenz ging.

Hagen Seidel zeigt in seinem sehr gründlich recherchierten Buch auf, dass die Misere nicht aus heiterem Himmel kam. Eine jahrelang dauernde Melange aus Missmanagement, bewusstem Ausplündern des Konzerns und einfachem Wegsehens führte zum beschriebenen Absturz.

Aus der Krise nichts gelernt ?
Gelernt hat wohl niemand. Seidel stellt ernüchtert fest: „Doch auch im Jahr nach der Insolvenz ist den wenigsten Verantwortlichen eine tiefere Reflexion oder eine ehrliche Aufarbeitung des eigenen Anteils am Geschehenen anzumerken.“ Seidel beleuchtet auch die Situation der Beschäftigten. Die erweisen sich als das schwächste Glied der Kette und werden von den Problemen überrascht. Eine Mitarbeiterin erzählt: „Die ersten Kunden kamen und sagten: Ihr macht zu ? Dabei wussten wir das offiziell noch gar nicht. So was wünscht man seinem  schlimmsten Feind nicht.“ Der einzelne Beschäftigte wird zum Spielball von größeren Finanzinteresse. Das erzeugt Ohnmacht, und die beschreibt Seidel sehr eindringlich und für jeden nachvollziehbar.

10 Lehren aus der Finanzkrise
Seidel setzt während seiner Recherche durchweg auf Quellen, die er selber einschätzen kann oder selber aufspürt. Eine der wichtigsten Informationsquellen ist für ihn das persönliche Gespräch mit Verantwortlichen – und Betroffenen. Er hinterlässt den Leser mit einer klaren Orientierung. 10 Lehren schreibt er auf, die es aus dem Arcandor-Debakel zu ziehen gilt. Die letzte ist: „Auch ein Handelsunternehmen ist kein Selbstbedienungsladen für die Entscheidungsträger.“  Hagen Seidel zeigt auf: Die Finanzkrise ist kein schicksalhaftes Ereignis, die Probleme waren vielfach hausgemacht. Man kann zukünftig Ähnliches vermeiden, wenn man nur will. Doch, und das macht Seidel mehr als deutlich, noch wurde zu wenig getan. Die nächste Finanzkrise kann schon vor der Tür stehen. Und wieder wird es bedeutende Unternehmen treffen und sicher geglaubte Arbeitsplätze gehen verloren.

Fazit
Der renommierte Wirtschaftsjournalist Hagen Seidel legt eine schonungslose Recherche über den tiefen Fall des Handelsriesen Arcandor vor. Seine sachliche, faktenorientierte Darstellung ist dabei nicht nur informativ, sondern auch fesselnd, wie es bei Wirtschaftsthemen sonst nur selten der Fall ist. Ein Highlight aus dem Campus-Verlag, der jedem Leser ans Herz zu legen ist.

Wie bewerten Sie dieses Produkt?

Ihre Bewertung
1 Stern2 Sterne3 Sterne4 Sterne5 Sterne
Loading...

Schreiben Sie einen Kommentar