Aus der Welt

Autorenwertung
  • Spannung
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  • Charaktere
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  • Atmosphäre
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  • Gesamt
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Aus der Welt (detebe)

Renate Orth-Guttmann (Übersetzer). Diogenes 2008, Taschenbuch, 464 Seiten, € 12,90

Rezension von: Evi | Rezensionsdatum:

Aus der Welt von

Die junge Schwedin Kerstin ist ausgebildete Krankenschwester und lebt zusammen mit ihrem Freund in Essex. Hier bekommt sie eine Anstellung auf dem ehrwürdigen Anwesen Lyndstep Old Hall, dem Familiensitz der reichen Cosways.

Als Hauptaufgabe wird ihr genannt, den 39-jährigen Sohn John zu betreuen – denn John leidet offenbar unter Schizophrenie, zieht sich stark zurück und braucht eine professionelle Kraft, die sich um ihn kümmert.

Das Leben auf dem Herrenhaus ist allerdings alles andere als leicht für Kerstin. Das Oberhaupt der Familie ist die alte, verwitwete Mrs. Cosway, die noch sehr altmodische Vorstellungen vom Leben hat.

Im Haus leben zudem noch die drei unverheirateten Töchter, während die vierte Tochter Zoey bereits verwitwet ist und Abstand zu ihrer Familie gesucht hat.

Kerstin hat kaum Aufgaben, ihr Alltag besteht im Wesentlichen darin, mit John spazieren zu gehen. Je näher sie den Familiensitz und seine Bewohner kennen lernt, desto mehr Ungereimtheiten entdeckt sie.

Warum sind so viele Räume im Haus ständig abgesperrt und dürfen nicht betreten werden?

Warum ist vor allem die Bibliothek tabu?

Warum stellt Mrs. Cosway John immer wieder mit starken Medikamenten ruhig?

Nach und nach wird die junge Frau in den Sog düsterer Geheimnisse hineingezogen …

Sie leben in ihrer eigenen Welt

Barbara Vine ist vor allem unter ihrem richtigen Namen Ruth Rendell bekannt. Unter dem Pseudonym Barbara Vine hat sie einige raffinierte Psychothriller wie diesen hier verfasst, die durch eine sehr subtile Spannung bestechen.

Der Leser wird hier mit einer faszinierenden und zugleich beklemmenden Atmosphäre konfrontiert. Gemeinsam mit der Ich-Erzählerin Kerstin taucht man ein in die abgeschottete und geheimnisvolle Welt der Cosways, die in mancherlei Hinsicht noch an das 19. Jahrhundert erinnert.

Mrs. Cosway wird von ihren längst erwachsenen Töchtern gefürchtet, die sie ständig wie unmündige Kinder behandelt. Auch die Dienstboten leben in Respekt und Furcht vor der strengen Frau.

Mrs. Cosway duldet vor allem keinen Widerspruch, wenn es um Johns Behandlung geht – Kerstin zweifelt immer mehr daran, dass die starken Medikamente überhaupt notwendig sind. Sie erkennt, dass er unter der schweigsamen Fassade höchst intelligent und vermutlich hochbegabt ist.

Zu gerne würde sie diesen jungen Mann einem Spezialisten vorstellen, doch seine Mutter duldet keinen anderen als den alten Hausarzt, seit vielen Jahren ein Freund der Familie, in Johns Nähe.

Für den Leser ist schon bald offensichtlich, dass sich die Konflikte im Hause Cosway immer weiter zuspitzen. Die Töchter rebellieren, zwei von ihnen verfallenen einem charismatischen Künstler, der in den Ort zieht.

Kerstin dringt nach und nach immer tiefer in die düstere Welt dieser Familie ein und entdeckt erstaunliche Geheimnisse. Die Charaktere sind faszinierend, da sehr vielschichtig und lange Zeit undurchschaubar.

Es ist ein langsames Buch, das vor allem durch seine dichte Atmosphäre lebt. Wer wie bei anderen Thrillern üblich hier gleich zu Beginn Morde und eine Hetzjagd nach dem Täter erwartet, wird enttäuscht werden. Wer sich auf diese langsame Entwicklung aber einlässt, wird mit höchstem Lesegenuss belohnt.

Fazit

Sehr reizvoller Roman mit dichter Atmosphäre und gelungenen Charakteren, der noch lange nach dem Lesen im Gedächtnis bleibt.

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