Ausnahmezustand

Autorenwertung
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  • Anspruch
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  • Verstrickungen
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  • Authentizität
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  • Gesamt
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Ausnahmezustand

Hannelore Bauhaus-Lötzke (Übersetzer). Draupadi 2006, Taschenbuch, 160 Seiten, € 14,80

Rezension von: Ratte | Rezensionsdatum:

Nirmal Verma: Ausnahmezustand

Inhalt:

Ausnahmezustand beschreibt das Indien von 1975, als Indira Gandhi eben diesen Ausnahmezustand, die Emergency, ausgerufen hatte und zahlreiche kritische Intellektuelle mit willkürlichen Verhaftungen rechnen mussten. Die Hauptfigur des schmalen Romanes, der Journalist Rishi, gerät in einen Teufelskreis aus Angst, Verfolgungswahn und Selbstzweifel. Ausgelöst hat diese Existenzkrise ein plötzlich auftauchender Mannn, der ihn eindringlich vor dem Geheimdienst warnt, der ihn schon ganz genau im Visier habe. Rishi gelingt es nicht, mit irgendjemandem wirklich über seinen Ängste zu sprechen. Weder mit seiner alten Mutter, die bei ihm lebt, noch mit seiner Frau, die schon seit Monaten in einer psychatrischen Klinik ist.

Seine Frau will sich aus der gescheiterten Ehe mit Rishi befreien, seine Sorgen interessieren sie nicht, von ihr kann er keine Hilfe erwarten. Die könnte er zwar bei Bindu, seiner Geliebten, finden, er ist aber verwirrt und nicht mehr in der Lage, Vertrauen und Nähe zuzulassen. Auch das Angebot seines Chefs, für eine fingierte Reportage die Stadt zu verlassen und sich so dem unmittelbaren Zugriff des Geheimdienstes entziehen zu können, lehnt er ab. So wie sein Land, Indien, lebt auch er in einem „Ausnahmezustand“, beobachtet, sieht, was eine solche Extremsituationen aus Menschen machen kann und reflektiert über sich, seine Arbeit und seine ganze zerrissene, orientierungslose Existenz. Etwas tun kann er nicht mehr, er ist in der Angst gefangen. Die Geschichte um ein Leben in einer Diktatur – auch wenn sie, wie in diesem Fall, zeitlich begrenzt ist – kommt ohne das aus, was unter typisch indisch im Westen verstanden wird. Keine Folklore, nichts Buntes, keine Exotik verstellt den Blick auf das Existentielle der Geschichte.

Der Autor:

Nirmal Verma (1929 – 2005) gehörte zu den bedeutendsten zeitgenössischen Schriftstellern Indiens. Er schrieb Romane, Kurzgeschichten, Erzählungen, Theaterstücke und Lyrik und gehörte hochrangigen Jurys an, so z.B. auch der für den prestigeträchtigen Ulysses Award der Zeitschrift Lettre International. Auch als Übersetzer hat er sich einen Namen gemacht, er wurde mit einer ganzen Reihe von Literaturpreisen ausgezeichnet und seine Werke gehören zum Literaturkanon in- und ausländischer Universitäten.

Trotz seiner Bedeutung für die indische Literatur, ist er in Deutschland noch weitestgehend unbekannt. Der Initiative des Draupadi-Verlages in Heidelberg ist es zu verdanken, dass die Romane Vermas jetzt in Deutsch erscheinen können.

Fazit:

Nirmal Verma beschreibt diese so „unindische“ Geschichte um Angst und Einsamkeit des modernen Menschen in einer nuancenreichen, genau formulierten, zuweilen an Kafka erinnernden Sprache, die mit sehr viel wörtlicher Rede durchsetzt ist. Auch  für Nirmal Verma war die Zeit des Ausnahmezustandes persönlich eine entscheidende Zeit, sie habe ihm, so schrieb er, den Glauben an die Ideale der indischen Freiheitsbewegung genommen – und Indien an den Rand einer Diktatur gebracht. Reporter der Nacht, wie der Originaltitel lautet, wurde bereits 1989 geschrieben, der Autor Nirmal Verma verstarb 2005 im Alter von 76 Jahren, 2006 erschien der Roman endlich auf Deutsch.

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