Begegnungen mit dem Nagual – Gespräche mit Carlos Castaneda

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Rezension von: Ragan Tanger | Rezensionsdatum:

Armando Torres: Begegnungen mit dem Nagual – Gespräche mit Carlos

Der besondere Nagual

Ein Buch voller Kraft mit den Erklärungen eines Nagual, des Schülers, der nun selbst zum Lehrenden geworden ist. „Aber Carlos war alles andere als ein guter Lehrer“, schreibt sein literarischer Ziehsohn Armando Torres in dem just auf Deutsch erschienen Buch aus dem Hause . Die Begegnungen mit dem Nagual, Gespräche mit Carlos Castaneda, sind genau das, was sie vorgeben zu sein. Eine nahezu wortgetreue Abschrift vieler Treffen und Vorträge in Eingeweihtenkreisen.

Carlos hat nicht gefragt, ob Torres Protokoll schreibt, sondern hat ihn mittels eines Zeichens dafür auserwählt, den  vielen Interessierten in der wirklichen Welt das Ende seiner Lehren, zumindest aber eine plausible und abrundende Erklärung zu vermachen, die daraufhin ja auch schon seit mehreren Jahren warteten.

Natürlich gab es in der Zeit schon so manchen brühwarmen Aufguss von Castanedas Leben und seinen Lehren; doch der war meistens halbgar und floppt weg wie ne Sternschnuppe am Sommerhimmel. Felix Wolf erst 2012 erschienenes Der Magie des Lebens folgen ist so ein Schnüppchen. Der gute Wolf erzählt mächtig viel Abenteuerliches aus seinem Leben, von Tigern, Schlangen und Kobolden und natürlich auch von Los Angeles und Carlos selbst, aber was bleibt übrig? Lauwarme Milch. Die stand übrigens in der Studentenküche von Roman Warszewski, den Carlos Castaneda – warum auch immer – vor einem Auftritt in Deutschland einst besuchte. Dessen Berichte über zwei Tage lang Frühstücken mit dem Nagual sind in etwa so erleuchtend wie die Geissens oder die Bohlens.

Wer auf Nummer sicher gehen will, greift zum Nietsch-Verlag, der momentan einzigen Adresse für empfehlenswerte Castaneda-Literatur. Seine beiden langjährigen Gefährtinnen Taisha Abelar und Florinda Donner-Grau sind ebenso hier zu Hause wie der deutsche Kenner Norbert Claaßen, dessen Bücher das Nonplusultra in Sachen Sekundärliteratur darstellen. Glücklicherweise hat er nun auch die federführenden Argusaugen am Lektorat des Buches von Torres gehabt, dessen englische Version schon seit gut acht Jahren erhältlich ist und deren Härte und Strenge einen an die Wand nageln kann.

Genau das ist mit dem Eingangszitat gemeint. Statt lauschigen, ruhig auch mal gruseligen Zauberergeschichten aus dem bergigen Mexiko mit Beschreibungen der Umgebung, dem Essen und jedem kleinen Furz, was sich dann literarisch in großer Essenz in die Lehren Don Juans ergießt, sind Torres Beschreibungen (nun ist Carlos Castaneda der lehrende Schamane) ein reiner Steno-Bericht, der zu 90 Prozent direkte Rede zitiert. Carlos überwältigt dabei mit einer Sturzflut von Worten, von Wissensmacht und Erkenntnissen, dass es entweder nur in Dosen genossen oder aber als direkten, zumeist dann aber nicht integrierten, Zusammenbruch der Realität enden wird.

Wer allerdings die persönliche Kraft aufbringt, behutsam und aufmerksam die einzelnen, schön kurzen und übersichtlichen Kapitel durchzufahren, der erlebt einen Orgasmus spiritueller Entwicklung. Das Unbeschreibliche tatsächlich mit Worten näher zu bringen – das ist die vielleicht die größte Leistung, die Carlos von allen anderen Meistern ihres Fachs abhebt.

Und natürlich die pragmatische Ausrichtung und das Sehen von Energie, wie sie im Universum fließt. Allein die letzten beiden Punkte müssten jedem, der leben will, so lange eingetrichtert werden, bis es ihm and en Ohren rauskommt. Aber wer will schon leben? Die Meisten wollen ja noch nicht einmal sterben.

Highlight für alle Castaneda-Freaks ist natürlich der letzte große Abschnitt, in dem Torres die Regel des dreizackigen Naguals sowie das öffentliche Erbe der Lehren der Zauberer des alten Mexikos dem Stenographen in den Block diktiert. So manches wird klar und der Kreis schließt sich nicht endgültig, aber man kann mit einem Gefühl mächtiger Klarheit aus dem Kino gehen.

Fazit:

Das Universum ist nicht vernünftig und wer die alten Beschreibungen logischen Denkens hinter sich lassen will, der hat mit der Castaneda-Literatur die besten Voraussetzungen tief in die Welt der wabernden Energie und seiner Strukturen einzutauchen. Torres Bericht ist die strikte, klare, peitschende Kompletteinführung, viel schneller und durchdringender als ein Trommelwirbel John Bonhams. Und dass der alte Don Juan in seinen Träumen nach Schätzen suchte, um Tabakplantagen anzubauen, macht diesen sowieso schon so sympathischen Meister noch liebenswerter.

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