Besuch in Kala oder Wie ich eine Braut einfing

Autorenwertung
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  • Unterhaltung
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  • Liebe
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  • Gesamt
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Rezension von: Ratte | Rezensionsdatum:

: Besuch in Kala oder Wie ich eine Braut einfing
Ein afrikanischer Schelmenroman, der noch während der Kolonialzeit in Kamerun spielt.

Inhalt
Gar nicht glücklich sitzt der junge Jean-Marie Medza im Bus auf dem Weg nach Hause: Er ist durch die Abiturprüfung gerasselt und kann sich lebhaft ausmalen, wie sein cholerischer Vater darauf reagieren wird. Zum Glück ist der aber bei seiner Ankunft gerade in Geschäften unterwegs. Aber Freiheit und Ruhe kann er auch nicht genießen, Jean-Marie wird vom Dorfrat mit einer heiklen Mission beauftragt. Einem seiner vielen Vettern, einem Nichtsnutz, ist die Frau davongelaufen. Jean-Marie soll sie zurückholen. Die Reise geht nach Kala, in den „unzivilisierten“ Busch.

Ausgestattet mit dem neuen Fahrrad des Dorfvorstehers macht sich der junge Mann auf den Weg – und betritt in Kala eine neue Welt. Die Fortgelaufene ist nicht da, unterwegs, also bleibt Jean-Marie im Dorf und wartet auf sie. Für ihn ist das eine Bewährungsprobe. Der „city boy“ hat so gar keine Ahnung von den Normen, Werten und Gesetzmäßigkeiten im Dorf und muss sich ganz auf die aus zweifelhaften Gründen dargebotene Hilfe seines Onkels und die freundschaftliche Unterstützung eines Triumvirates junger Männer um seinen Cousin Sambo verlassen.

Auskunftsbüro der Kolonialmacht
Die Dörfler behandeln den jungen Mann als eine Art Auskunftei für alle Belange der Kolonialmacht, er muss die Weißen und ihre Welt erklären und wird wie eine Trophäe von Haus zu Haus, von Trinkgelage zu Trinkgelage weitergereicht. Die Alten laden ihn ein und schicken dem Onkel dafür Schafe als Gastgeschenke – dessen Herde wächst – und die Frauen verschlingen ihn mit den Augen. Ein gebildeter Junge, der obendrein in der Stadt wohnt! Sambo organisiert erotische Treffen für seinen jungen Freund, der als Städter sicher sehr erfahren und wählerisch sei – und der sich größte Mühe gibt, seine totale Unerfahrenheit zu verbergen. Ehe er sich versieht, hat er nicht nur das Trinken gelernt, sich das erste Mal verliebt und seine Jungfräulichkeit verloren, schwupps ist er auch verheiratet!

Die Ungetreue taucht auf, die Gnadenfrist ist verstrichen, erneut muss er heimkehren zu seinem hartherzigen Vater, diesmal mit noch mehr zu beichten als einer nicht bestandenen Prüfung! Aber dann stellt er fest, dass er ein anderer geworden ist, plötzlich trägt er den Keim zum Widerstand in sich. Auch Sambo erweist sich als treuer Freund und zusammen brechen sie auf in ein eigenes Leben.

Der Autor
Kaum zu glauben, aber diese humorvolle Geschichte ist bereits fast ein halbes Jahrhundert alt! Mongo Beti, der eigentlich Alexandre Biyidi hieß, schrieb diesen Roman 1957 in Frankreich. In gewissem Sinne ist Jean-Marie Betis alter Ego, auch er wurde von den Weißen erzogen, ist dem Leben im Dorf entfremdet. Beti wurde 1932 in Kamerun geboren, 19jährig reiste er zum Studium nach Frankreich, wo er – mit Unterbrechungen – 32 Jahre lang lebte. 1954 erschien sein erster Roman „Ville cruelle“,  1992 kehrte er nach Kamerun zurück und eröffnete in Yaounde eine ambitionierte Buchhandlung. Im Oktober 2001 verstarb Mongo Beti im Krankenhaus in Yaounde an Hepatitis und Nierenversagen.

Fazit
Mongo Beti hat hier einen leichtfüßig daherkommenden, liebenswerten Roman voller Witz, Poesie und sogar Slapstick geschrieben, ironisch zuweilen, zuweilen gewollt naiv. Ein absolutes Lesevergnügen.

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