Bilanz mit Blutflecken

Autorenwertung
  • Humor
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  • Geschichte
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  • Dialoge
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  • Lesbarkeit
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  • Satire
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  • Gesamt
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Bilanz mit Blutflecken

Hansjörg Martin. Droemer Knaur 1995, Broschiert, 176 Seiten, € 0,53

Rezension von: Kokoro | Rezensionsdatum:

Bilanz mit Blutflecken von

Inhalt
Lorenz Blum, der bis vor rund 2 Jahren noch Werbetexter war, arbeitet mittlerweile in einer Detektivkanzlei und beschattet für seinen Arbeitgeber vor allem untreue Ehemänner bei ihren Ausflügen mit der Geliebten. Eines Tages ruft ihn sein Chef zu einem neuen potentiellen Kunden (Bollwitt) herein, der finanzielle Unregelmäßigkeiten in seinem Unternehmen vermutet. Um unauffällig die verdächtigen Mitarbeiter (vor allem den leitenden Buchhalter Funke) beobachten zu können, soll er sich in der firmeneigenen Werbeabteilung bewerben und dann tatsächlich mitarbeiten. Gesagt, getan. Vor seinem ersten „Arbeitstag“ bei dem Lebensmittelhersteller ALO muss er jedoch nochmals eine nächtliche Observierung durchführen.

Zufälligerweise sieht er in dem Restaurant, in das das beschatte Pärchen geht, auch Bollwitt wieder, geht diesem jedoch bewusst aus dem Weg. Schon am ersten Arbeitstag überlegt er sich mögliche Ansatzpunkte, wie es theoretisch möglich wäre, Geld aus dem Unternehmen zu ziehen und besucht daher auch die üblicherweise beauftragte Druckerei. Der zuständige Mitarbeiter stellt sich dabei als der ehebrecherische Herr Laumann von seinem gestrigen Überwachungsauftrag heraus; seine Geliebte (Frau Kranz) arbeitet in der Buchhaltung des gleichen Unternehmens. Er fängt die Frau abends beim Verlassen der Firma ab und will sie zur Rede stellen. Die beiden verabreden sich für später in ihrer Wohnung. Als Blum jedoch doch ankommt, liegt Frau Kranz tot in der Wohnung. Blum verlässt die Wohnung wieder und macht sich auf die Suche – nun nicht mehr nur nach der Person und den Umständen der Unterschlagung in der Firma, sondern auch nach einem Mörder…

Biographischer Hintergrund
Das Buch ist in hervorragendem Deutsch geschrieben – kein Wunder: Autor ist Hansjörg Martin, 1920 in Leipzig geboren und 1999 auf Mallorca verstorben. Er gilt als der Königs des deutschen Kriminalromans. Martin studierte zunächst Kunst und Grafik und schlug sich nach dem Krieg mit diversen „freien“ Berufen durch – als Maler, Zirkusclown, Dekorateur usw. Seit 1963 war er schriftstellerisch tätig und hat in seinem Leben über 30 Krimis, zahlreiche Jugendbücher und unzählige Hörspiele veröffentlicht. Auch für einige „Tatort“-Filme hat er die Drehbücher geliefert.

Anachronismus und Futurismus gleichzeitig
In dem hier vorliegenden Buch steht zu den bibliographischen Angaben das Copyright mit der Jahresangabe 1995. Also ging der Rezensent davon aus, dass dies auch – da es keine Angabe zu einer erneuten Auflage gab – das Jahr sei, in dem das Buch veröffentlicht und geschrieben worden war. Beim Lesen jedoch  wundert man sich immer wieder über die sehr geschliffene Ausdrucksweise („aber dann obsiegte mein preußisches Erbteil“) und die vielen anachronistischen Sachverhalte: So schreibt der Autor von „Halbdeutschland“ und von Schreibmaschinen und Diktaten – Dinge, die es auch in den 90er Jahren schon nicht mehr gegeben hat und was einem Schriftsteller, auch wenn er etwas älter ist, natürlich bekannt sein müsste.

Da sich der Roman jedoch sehr gut liest, erfährt man durch Hintergrundrecherche den Grund für diese Irritierung:  „Bilanz mit Blutflecken“ wurde bereits 1968 vom Autor geschrieben! Folglich kehrte sich der Eindruck genau ins Gegenteil. Natürlich gab es damals noch keine Computer und es wunderte auch nicht mehr, warum er eine Sekretärin im Aussehen mit „Farah Diba“ vergleicht (die wunderschöne Frau des damaligen Kaisers von Persien, dem Land, das heute Iran heißt). Im Gegenteil. Martins Sprache wird nun erstaunlich modern, denn die typische Marketingsprechweise, mit der er während eines Meetings eine der Personen ausstattet („Wir müssen die Food-Ads mit female Touch aufpeppen, damit sie Family-Appeal kriegen – wenn der Eye-Catcher ein Flop ist, geht der Goodwill baden…:“), könnte aus der heutigen Zeit stammen.

Fazit
Die Handlung des Romans ist sicherlich nicht so aufregend wie heutige amerikanische Thriller, aber die Beschreibung der Charaktere, die feine Wortwahl, die Martin benutzt und die tollen Milieustudien aus dem Deutschland der 60er Jahre sind wirklich ganz hervorragend getroffen: es macht Spaß, die Erzählung in schönem Deutsch zu lesen, einige lange nicht gehörte Redewendungen (z.B. „Himmel, Arsch und Zwirn“) wiederzufinden und der Geschichte zu folgen. Martin wird meiner Meinung nach zu Recht als deutscher Krimikönig bezeichnet und die Geschichte macht viel Lust darauf, mehr von ihm zu lesen!

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