Blutiges Erwachen

Autorenwertung
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  • Gesamt
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Blutiges Erwachen

Jürgen Bürger (Übersetzer). Tropen 2010, Gebundene Ausgabe, 355 Seiten, € 12,95

Rezension von: Ratte | Rezensionsdatum:

Blutiges Erwachen von

Inhalt
„Kap der Finsternis“, der erste Thriller von Roger Smith, der ins Deutsche übersetzt wurde, wurde von Lesern und Kritikern fast ausschließlich überschwänglich gelobt – und mit „Blutiges Erwachen“ ist es dem südafrikanischen Autoren nun tatsächlich gelungen, dieses Buch noch einmal zu toppen. Die Hölle, die Smith in „Blutiges Erwachen“ beschreibt, ist düster, ausweglos und ohne jegliche Gnade. Einer ihrer schlimmsten Abgesandten ist Piper. Piper sitzt in Pollsmoor ein, dort fühlt er sich wohl, hat seinen Platz und wird respektiert. In diesem Knast in Kapstadt ist er General der 28er. Doch sogar jemand wie Piper, der nebenbei und ohne jede Hemmung mordet, der das Ausweiden liebt, das Aufschlitzen seiner Opfer vom Schambein bis zu den Rippen, sogar so ein psychopathisches Monster hat eine schwache Stelle.

Piper liebt seine „Frau“, den außergewöhnlich schönen Kleinkriminellen Disco, den er regelmäßig vergewaltigt, den er mithilfe von zahlreichen Tattoos als sein Eigentum „markiert“ hat. Den Traum, irgendwann einmal als Model Geld verdienen zu können, hat Disco deshalb schon lange ausgeträumt. Als er entlassen wird, hat Piper Liebeskummer. Und Disco kommt nicht zurück, wie er es versprochen hatte, also muss Piper raus aus Pollsmoor und seine „Frau“ suchen – und dafür sorgen, dass sie beide niemals mehr entlassen werden können. Aber nicht nur Piper ist hinter Disco her. Disco hat, auf eigene Rechnung, mit einem Freund ein reiches Paar überfallen und deren Benz geklaut.

Roxy, einem amerikanischem Ex-Model, ist nichts geschehen und ihr Mann Joe, Waffenschieber und ein wirkliches „Arschloch“, hat nur einen Schuss ins Bein abbekommen. Die Waffe haben die beiden völlig mit Drogen zugedröhnten Kleinkriminellen an Ort und Stelle fallen gelassen. Die Chance zur Abrechnung. Roxy hebt die Waffe auf und erschießt ihren Mann. Zwei Junkies aus dem Slum wird man wohl nie finden, das denkt zumindest Roxy. Aber Roxy hat Pech. Manson, der es nicht mag, wenn seine „Subjekte“ auf eigene Rechnung klauen, ist hinter Disco her. Aber die Polizei erwischt Disco und Roxys Verhalten setzt einen ehrgeizigen Polizisten auf ihre Spur. Und dann gibt es noch Billy Afrika, Ex-Polizist und ehemaliger Söldner, der Roxy hilft und der die Witwe und die Kinder seines von Piper ermordeten Ex-Kollegen vor Manson schützen will. Auch er hat mit Piper noch eine Rechnung offen.

Fazit
Der Showdown von „Blutiges Erwachen“ ist zwar wie in jedem Thriller unausweichlich, aber was Smith dabei alles einfällt, macht es dem Leser einfach unmöglich, das Buch wieder aus der Hand zu legen. Allerdings braucht man als Leser einen ausgezeichneten Magen und gute Nerven. Manches ist kaum auszuhalten. Discos Mutter würgt ihren Sohn und stopft ihn in einen Müllsack, weil ihr Liebhaber verlangt, sie solle sich zwischen ihm und dem Kind entscheiden. Disco, noch im Vorschulalter, ist aber nicht tot, er befreit sich aus dem Müllsack und läuft von der Mülldeponie zurück nach Hause, da seine Mutter ihn doch lieben muss – und beschwört damit eine erneute Katastrophe herauf.

Morde an blonden jungen Mädchen erschüttern Kapstadt, alle wissen, dass die Köpfe der kopflos aufgefundenen Leichen verkauft werden oder gleich Auftragsarbeit sind, kann es denn ein besseres Zaubermittel, einen besseren Talisman geben, als die abgeschnittenen Körperteile einer schönen, blonden, weißen Frau? Die Polizei spricht von den „Barbiepuppenmorden.“ Was Armut, Hoffnungslosigkeit und exzessiver Drogenkonsum aus Menschen macht, zeigt Roger Smith äußerst drastisch, dass er damit aber nicht sehr weit von der Wirklichkeit entfernt ist,  kann man schnell feststellen, wenn man sich einmal Ross Kemps Dokumentation über das Gefängnis Pollsmoor ansieht. Niemand bleibt hier verschont, jeder trägt Wunden mit sich herum und sorgt dafür, dass es auch der nächsten Generation nicht anders ergehen wird. Insgesamt ist „Blutiges Erwachen“ zwar sehr harter Lesestoff, aber es ist harter Lesestoff der Extraklasse!

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