Bonhoeffer

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Bonhoeffer

Moritz Stetter. Gütersloher Verlagshaus 2010, Gebundene Ausgabe, 112 Seiten,

Rezension von: Wolfi | Rezensionsdatum:

Bonhoeffer: Graphic Novel
In einer Zeit, in der das Internet das Leben von Jugendlichen bestimmt, ist auch soviel Information über den Nationalsozialismus abrufbar wie noch nie zuvor. Und doch scheinen für viele Schüler diese  Jahre weit zurückzuliegen,  demokratische Freiheit ist für sie fast wie selbstverständlich geworden. Doch die Geschichte bestimmt uns auch heute noch, und Geschichte macht sich an Personen fest. Sie wird erlebbar, wenn bedeutende Menschen durch ihr Handeln über die Jahre hinaus faszinieren und beeindrucken können. Ein solcher Mensch ist Dietrich Bonhoeffer.

Der Comic als neues Medium, um Geschichte plastisch werden zu lassen
Ein Comic zeichnet nun das Leben dieses engagierten Theologen und Streiter der Bekennenden Kirche nach. Mit diesem neuen Konzept wird etwas gewagt. Die kompakte Bildersprache ist eine Herausforderung, ermöglicht es aber auch durch seltene Eindringlichkeit die damalige Lebenssituation für den Leser plastisch zu machen. Plötzlich ist man mittendrin. Und man fragt sich: Wie hättest Du gehandelt ? Und: Wenn Bonhoeffer einer Diktatur ohne Kompromisse entgegentrat, um wieviel mehr ist es uns selbst im Alltag möglich, Mut und Zivilcourage zu zeigen ?

Dieser Comic spart nichts aus, er verschont den Leser nicht. In einem Prolog sieht man den letzten Tag eines anonymen Mitgefangenen, kurz vor dessen Hinrichtung. Bonhoeffer –in einer anderen Zelle sitzend- ist in jedem Gedanken bei ihm. Sein Verließ ist dunkel und bedrohlich, doch der Zeichner setzt dieser dunklen Hoffnungslosigkeit das Gebet Bonhoeffers entgegen. Man sieht dessen gefalteten Hände und nun wird klar: Nichts ist stärker als der Glaube. Nicht Klage oder Anklage hört man von Bonhoeffer hier, sondern die Aufforderung: „Bruder, wenn mir die Sonne verblich, lebe Du für mich!“

Der frühe Wendepunkt im Leben Bonhoeffers und seine Entscheidung für die Religion
Es folgt die einfühlsame Erzählung der Lebensgeschichte Bonhoeffers. Von der unbeschwerten Kindheit bis zum frühen Wendepunkt: Der Bruder Walter stirbt im 1. Weltkrieg. Bonhoeffers Fragen führen ihn zum Glauben. Und der Comic zeigt diesen in ausdrucksstarken Szenen:  Bonhoeffer, wie er als Dozent an der Friedrich-Wilhelms-Universität Berlin Studenten mitreißt, was ihm fast unangenehm ist: „Ihre Begeisterung, sie schmeichelt mir und macht mir zuweilen Angst.“ Bonhoeffers legendäre Rede im Rundfunk, die aufgrund seiner heftigen, aber genau ins Schwarze treffenden Kritik an den Nazis sofort abgebrochen wird. Der junge Zeichner Moritz Stretter setzt sie über viele Seiten als Gegenpol zur Gleichschaltungspolitik der Nazis. Er lässt keinen Zweifel daran, auf Bonhoeffers Seite zu sein,  und daran, dass dessen Haltung die einzig legitime war.

Glaube als aktives Handeln – Bonhoeffer im Widerstand
Bonhoeffer engagiert sich im Widerstand. Als er ein Auslandspfarramt in New York wahrnimmt, erkennt er: „Ich bin am falschen Ort.“ Er kehrt zurück. Selbst in der Haft schlägt er eine mögliche Fluchtmöglichkeit aus: „Mein Platz ist hier.“ Für ihn bedeutet dies das sichere Todesurteil. Er muss es gewusst haben. Seine bewusste Entscheidung mit allen Konsequenzen, Verantwortung zu zeigen, während andere mitlaufen wollten, war geradlinig und ohne falschen Kompromiss. Bonhoeffers Glaube war verbunden mit aktivem Handeln, ein reiner Rückzug ins Geistige konnte angesichts der anhaltenden Verbrechen der Nazis keine Lösung sein.  Am 7. April 1945 wird Bonhoeffer hingerichtet. Ein Monat vor Kriegsende. Seine letzten überlieferten Worte waren: „Dies ist das Ende. Für mich der Beginn des Lebens.“

Fazit
Ein beeindruckendes Konzept, das das schwierige Thema des deutschen Widerstandes ganz neu bearbeitet. Der Comic lebt natürlich von der Persönlichkeit Bonhoeffers selbst. Der Zeichner tut gut daran, sich sehr nahe am historischen Vorbild zu orientieren. Insgesamt empfehlenswert !

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