Callgirls

Autorenwertung
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Callgirls

Jochen Stremmel (Übersetzer). Goldmann 2007, Taschenbuch, 320 Seiten, € 0,60

Rezension von: istillreadbooks | Rezensionsdatum:

Callgirls von

Inhalt
In Detroit verbringen die beiden Edel-Callgirls Kelly und Chloe einen Abend beim schwerreichen 85jährigen Anwalt Tony Paradiso, der sich mittlerweile zur Ruhe gesetzt hat. Chloe verdingt sich schon länger als Paradisos Freundin und erhält von diesem 5000 Dollar pro Woche. Kelly möchte  eigentlich nicht zusammen mit Chloe bei „Mr. Paradise“, wie Tony Paradiso in seinem Umfeld genannt wird, auftreten, lässt sich schlussends aber doch überreden.

Am Ende des Abends liegt Paradiso gemeinsam mit einem der Callgirls tot im Wohnzimmer – erschossen. Paradisos rechte Hand, Montez Taylor, versucht Detective Frank Delsa davon zu überzeugen, dass die Tote Kelly ist, doch der Detective hält die Aussage des zwielichtigen Montez Taylor für nicht ganz glaubwürdig. Er beginnt, eigene Nachforschungen anzustellen und stößt dabei nicht nur auf zahlreiche zwielichtige Gestalten, sondern auch auf eine überaus attraktive Zeugin…

Eine amüsante kriminalistische Reise in die Industriemetropole Detroit
Der mittlerweile 83jährige Elmore Leonard legt mit seinem Spätwerk „Callgirls“ noch einmal ein beeindruckendes Werk vor. Auch in seinem 2004 erschienenen Roman „Callgirls“ tritt die Aufklärung der Kriminalgeschichte und des Mordfalls wieder relativ schnell in den Hintergrund. Und genau das ist es, was jeden einzelnen von Leonards Kriminalromanen so lesenswert macht. Er verfällt nicht in genretypische, blutrünstige Schilderungen von Tatorten, um den Leser zu schocken, sondern setzt auf eine Erzählsprache, die selten ein Blatt vor den Mund nimmt, dabei aber vor allem die Umstände und Motive des Verbrechens auf den Punkt genau beschreibt. Auch in „Callgirls“ schildert Leonard verschiedene gesellschaftliche Milieus und beschreibt die Personen, die sich innerhalb dieser Milieus bewegen.

Hiervon lebt die Handlung. Figuren aus verschiedenen, voneinander segregierten sozialen Gruppen prallen in Leonards Geschichten aufeinander, was Konflikte auslöst, nicht selten jedoch auch zu unerwarteten Verbrüderungen führen kann. Auch in Callgirls gibt es verschiedene Berührungspunkte unterschiedlicher sozialer Milieus. So verliebt sich der Protagonist Frank Delsa, ein Cop Ende 30 in die 10 Jahre jüngere Zeugin Kelly, die doch so völlig anders ist als er selber. Obwohl sie absolut unterschiedliche Lebenswirklichkeiten und -perspektiven haben, können sie nicht voneinander lassen.

Da die Auflösung des Verbrechens auch in diesem Krimi nicht im Vordergrund steht, sind es vor allem die Schilderungen der langsamen Annäherung zwischen Kelly und Delsa und die sorgfältigen Beschreibungen der unterschiedlichen Gruppen innerhalb der amerikanischen Gesellschaft, die die Spannung in diesem Roman aufrechterhalten. Auf eine allzu spektakuläre Auflösung des Falles verzichtet Leonard bewusst, was dem Handlungsverlauf sehr zuträglich ist.

Fazit
Bereits im zarten Alter von 10 Jahren begann Elmore Leonard mit dem Schreiben eigener Geschichten. So verfasste er beispielsweise schon früh ein auf Remarques Werk „Im Westen nichts Neues“ basierendes Theaterstück. Seit 1961 arbeitet Leonard als freier Schriftsteller und veröffentlichte seit 1953 bereits über 40 Romane und Erzählungen, die meisten davon sind Western- und Kriminalgeschichten. In seinem Krimi Callgirls zeichnet der Autor ein spannendes und gleichzeitig humorvolles Bild der Automobil-Metropole Detroit und der Menschen die dort leben. „Callgirls“ lebt deshalb vor allem von der Darstellung der einzelnen Figuren, dessen Charaktere sorgfältig und stets glaubwürdig angelegt sind. Freunden von Krimis der „leiseren“ aber anspruchsvollen Gangart bietet dieses späte Werk von Elmore Leonard ein ungemein kurzweiliges Lesevergnügen.

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