Das Ballettmädchen

Autorenwertung
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Das Ballettmädchen

Ogai Mori. edition q im be.bra verlag 2010, Gebundene Ausgabe, 112 Seiten, € 9,95

Rezension von: Kokoro | Rezensionsdatum:

Das Ballettmädchen: Eine Berliner Novelle von

Das Buch
Das hier vorliegende Buch (übrigens mit einem sehr schönen und aufwändigen Hardcoverband) beinhaltet nicht nur Mori Ogais Novelle „Das Ballettmädchen“, sondern auch Auszüge seines Deutschlandtagebuches, ein Nachwort und eine Bibliographie sowie Fotos von Berlin aus den Jahren in denen Ogai und auch der Hauptakteur des Buches diese Stadt gesehen haben.

Inhalt
Der junge Japaner Ota Toyotaro aus gutem Hause erhält ein Stipendium für ein Medizinstudium in Deutschland und lernt während seines Aufenthaltes in Berlin die junge Tänzerin Elis kennen. Es entwickelt sich eine Romanze, die jedoch aus den verschiedensten Gründen (Herkunft, 2 Kulturen/Länder) nicht sein darf. Elis wird auch schwanger, verliert das Kind jedoch, und Toyotaro muß sich entscheiden zwischen seiner Pflicht gegenüber dem Vaterland und der jungen Liebe, die er gefunden hat. Ogai schildert in bewegenden Worten, was dem jungen Japaner in der Fremde mit seinen Herzensqualen durch den Kopf geht.  Toyotaro schildert gleichzeitig das Berlin, das er kennenlernt – „Unter den Linden“ usw.

Mori Ogai und sein Deutschlandaufenthalt
Mori Ogai ist ein sehr bekannter japanischer Schriftsteller und Arzt des 19. Jahrhunderts, der von 1884-1888 mittels eines Stipendiums in Berlin Medizin studiert hat – der hier vorliegende Roman trägt also sehr starke autobiographische Züge. Von sehr vornehmer Herkunft, war Ogai von Haus aus auch Literaturliebhaber und übersetzte im Laufe seines Lebens aufgrund seiner hervorragenden Deutschkenntnisse unter anderem Goethes Faust, Werke von Lessing, Schiller und vielen anderen Größen der Weltliteratur ins Japanische. Ogais eigenes literarisches Werk lehnt sich daher auch sehr stark an die deutsche Literaturtradition an und verarbeitet seine Deutschlanderfahrungen in seinen Werken, weswegen er auch in Zeitungen als „Japanischer Werther“ bezeichnet wird.

Man muss sich einmal vor Augen halten, dass eine Reise von Japan nach Deutschland vor 120 Jahren ein großes Unterfangen war – es gab keine Flugzeuge oder das Internet, die einen hätten vorbereiten können auf das, was man in einem völlig fremden Kulturkreis vorfindet. Wenn man weiterhin bedenkt, dass Ogai als ausländischer Wissenschaftler, der in Berlin vor allem das Hygienewesen studieren soll, große deutsche Wissenschaftler wie Robert Koch oder Virchow kennenlernt, dann bekommt man als Leser einen kleinen Eindruck nicht nur von dem Hintergrund des – medizinischen und schriftstellerischen – Wirken Ogais, sondern durch seine Novelle und die vom Verlag hinzugefügten Dokumentationen auch einen wunderbaren Eindruck vom Berlin des 19. Jahrhunderts!

Fazit
Für den normalen deutschen Leser ist japanische Literatur – auch in einer hervorragenden deutschen Übersetzung – sicherlich gewöhnungsbedürftig, zumal die hier vorliegende Novelle auch schon 120 Jahre alt ist. Genauso dürfte es jedoch diesen Lesern ergehen, wenn er Goethes Werke (die nur unwesentlich älter sind) liest. Dies sollte man also bei einer Beurteilung des Textes beachten. Es handelt sich daher naturgemäß nicht um einen reißenden Thriller, Krimi oder eine moderne Liebesgeschichte, sondern um eine Erzählung eines Japaners, der eine – zur damaligen Zeit – herzergreifende und unerfüllbare Romanze in einem fremden Land erlebt.

Es ist das große Verdienst des bekannten Übersetzers Jürgen Berndt, daß sich diese Erzählung auch heute noch in seiner deutschen Übersetzung gut, ja fast leicht, liest. Seine Worte sind nicht nur mit großer Präzision, sondern mit einer unglaublichen Treffsicherheit gewählt, daß trotz des modernen Stils und Satzbau der japanische Hintergrund und die Epoche, in der das Werk entstanden ist, nicht verloren gehen. Wenn man 6 oder mehr Punkte für Übersetzung vergeben könnte, dieses Buch hat es sicherlich verdient!

Auch die übrige Ausstattung des schönen Hardcoverbandes ist außergewöhnlich gut gelungen. Der Einband ist von sehr guter Qualität und der Verlag hat zu der Erzählung von Ogai einige sehr interessante Originaltagebucheinträge von Ogai aus seiner Deutschlandzeit hinzugefügt, Bilder aus dem Berlin, das Ogai kennengelernt hat, abgedruckt und mit dem Nachwort und der Bibliograpie weitere Elemente dem Buch hinzugefügt, so daß auch einem heutigen deutschen Leser die Besonderheit der Novelle und des Schriftstellers sehr schön nahegebracht wird. Gleichzeitig ist es wunderbar, als Leser das „alte“ Berlin in den Augen eines japanischen Schriftstellers nahegebracht zu bekommen. Das Buch ist eine wundervolle Lektüre an sich und die beiden Elemente Japan und Berlin machen es sicherlich für viele interessierte Lesebegeisterte zu einer großartigen Ergänzung des Buchbestandes! Absolut empfehlenswert! Es ist toll, daß ein Verlag sich heutzutage noch solche Mühe macht!

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