Das Engelsgesicht

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Rezension von: Buzzanca | Rezensionsdatum:

Das Engelsgesicht- Die Geschichte eines Mafia-Killers aus Deutschland


Inhalt

Als wahres Engelsgesicht mit teuflischen Abgründen erweist sich Giorgio Basile und dessen von niedergeschriebene Lebensgeschichte, die tatsächlich genau dort endet, wo das Leben des Ex-Ndrangheta-Killers und Schwerverbrechers neu beginnt –  nämlich bei seiner Verhaftung in Deutschland, seiner Entscheidung als Kronzeuge auszusagen und seinem Untertauchen in Italien im Rahmen des dort geltenden Zeugenschutzprogramms.

Von Mülheim zur Mafia

Der Journalist Andreas Ulrich stößt bei einer für den Spiegel verfassten Reportage über die kalabrische Ndrangheta  – das faktische Festland-Pendant zur sizilianischen Mafia – auf Giorgio Basile, da dieser als beispielhafter Verbrecher im Sinne der bereits seit langer Zeit nach Deutschland ausgestreckten Tentakel der mafiösen Organisation gelten kann. Schließlich wächst der spätere Mörder, Drogenhändler und Erpresser Anfang der sechziger Jahre als Kind süditalienischer Gastarbeiter in Mülheim auf und bleibt der Stadt an der Ruhr auch in späteren Jahren eng verbunden bzw. bindet sie eng in sein kriminelles Geflecht ein. Die anfängliche Armut und Perspektivlosigkeit des jungen Giorgio entlädt sich nach und nach in zunehmenden kleineren und immer schwerwiegenderen Delikten. Als er als junger Mann wieder auf den lokalen Ndrangheta-Boss seines kalabrischen Heimatortes Corigliano Calabro  –  de Cicco – trifft, beginnt dieser ihn nicht zuletzt auch aufgrund der Tatsache, dass er der Geliebte von Giorgios Mutter ist, in die Organisation einzuführen. So arbeitet sich Giorgio Basile Jahr für Jahr höher und tiefer in die Strukturen der kalabrischen Mafiaorganisation ein. Er begeht Morde, Raubüberfälle und Einbrüche bzw. gibt solche in Auftrag, organisiert den europaweiten Drogenhandel, etabliert sich im deutschen Rotlichtmilieu, wird in Deutschland verhaftet, sitzt für einige Jahre ein und beginnt nach seiner Entlassung die Strukturen der herrschenden kalabrischen Bosse zu erschüttern, indem er kaltblütig und kalkuliert die Führung Stück für Stück an sich reißt, die aus seiner Migrantenbiografie resultierenden Brücken zwischen Deutschland und Italien nutzt, um die Ndrangheta auch jenseits des Appennin zu etablieren und letztendlich bei seiner Verhaftung 1998 im Allgäu beschließt, diese Verbindungen durch detaillierte Aussagen für immer zu kappen. Da die aufgrund seiner Angaben Inhaftierten die Verbindung zu ihm in jedem Fall erhalten möchten, um ihn als Verräter hinrichten zu können, ist er seitdem irgendwo in Italien untergebracht, versteckt, der Kontakt zu seiner Familie und eventuellen Freunden nicht mehr existent. Ob ihn letztendlich die Liebe zu seiner Frau und Tochter oder aber auch das schlechte Gewissen aufgrund seines letzten Mordes an einem langjährigen Weggefährten dazu bewegen, ein Pentito – also ein Kronzeuge zu werden und das Gesetz der Omertá, des eisernen Schweigens, zu brechen, lässt sich nicht genau sagen, fällt es doch schwer, Giorgio Basile aufgrund der vielen Verbrechen überhaupt ein Gewissen zu attestieren.

Fazit
Andreas Ulrich gibt in seinem Vorwort an, dieses Buch sei durch Tonbandaufzeichnungen von ca. 45 Stunden an Telefonaten entstanden. Dies stellt sicher keine einfache Grundlage dar, ein detailliertes Buch über eine quasi amorphe, weit verzweigte Organisation wie die Ndrangheta zu schreiben. Dabei muss man jedoch immer wieder aufpassen, aufgrund der vielen Namen und des ruhelosen Reisens zwischen Kalabrien, Toskana, Mülheim und den Niederlanden nicht den Faden zu verlieren, welcher in sich ja bereits  in gewisser Weise den Spannungsbogen trägt. Mitunter missfällt, dass man zum Ende des Buches hin bzw. in zahlreichen Passagen quasi Mitgefühl und Sympathie für Giorgio Basile und sein Handeln  entwickelt, wo er sich doch  seinerseits nach wie vor für einen Ehrenmann hält.

Mit Hinblick auf die Morde in Duisburg und deren Verstrickung  mit den Geschäften der Ndrangheta in Deutschland ist es in jedem Fall ein aktuelles Buch.

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