Das Haus Tellier und andere Erzählungen

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  • Gesamt
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Das Haus Tellier

Georg von der Vring (Übersetzer). Diogenes Verlag 2012, Taschenbuch, 224 Seiten, € 9,90

Rezension von: Ragan Tanger | Rezensionsdatum:

Guy de : Das Haus Tellier und andere Erzählungen

An einem schönen Tag im Mai

Man möchte auch so herrlich verliebt durch den Frühling schlendern, wie es Guy de Maupassant in seinen Kurzgeschichten und Erzählungen beschreibt. Raus aus dem grauen, deutschen Milleniumstrott mit Internetsucht, Dauerreizen und kapitalistischem Arbeitsplatz; rein ins freche Frankreich des 19. Jahrhundert: die ruhigen Wirbel der Seine bestaunen, die dicke, gelbe Abendsonne sich aufs Haupte strahlen lassen, die Pärchen Hand in Hand durch Parks stolzieren und – frivole Randnotiz in Maupassants Offenheit – für ein Viertelstündchen auch schon mal im Gebüsch verschwinden sehen. Ein Asket, der gar nichts dabei denkt.

Guy de Maupassant war ein rechter französischer Künstler, wie man ihn sich zu Zeit des vorstellen mag. Widersprüchlich, rastlos, freischaffend, mit anderen Künstlern gegen Regime und Bürokratie aufgestellt, für viele Liebeleien zu haben, Rauschmittelkonsument, aus einer Problemfamilie hervorgegangen und am Ende selbst zum Problemfall geworden. Mit nur 42 Jahren starb der heute zum Standard jeder französischen Schulbildung gehörende Maupassant in einer Irrenanstalt, nachdem er ein Jahr zuvor einen Selbstmordversuch unternommen hatte.

Das jetzt im -Verlag wieder aufgelegte Haus Tellier samt anderer Geschichten ist Teil des Frühwerk des Autors; 1881 war dieser Band die erst zweite Veröffentlichung seines Schaffens, obwohl er von klein auf mit dem berühmten französischen Kollegen Gustave Flaubert verbunden war und dieser ihn frühzeitig zum Schreiben animierte.

21 Geschichten zwischen 7 und 30 Seiten bieten alles, was Maupassant ausmacht, in erster Linie also Freiheit der Gefühle und der Arbeit. Wandern in freier Natur, sozialrealistische Szenen aus Paris oder der Normandie (seiner Heimat) und immer wieder: Junge trifft Mädchen und verliebt sich Hals über Kopf in sie. Bei Maupassant muss man sich manchmal wundern, ob er literarisch nicht als frühreif bezeichnet werden darf. Seinen stetigen Trieb könnte man fast pornoesk nennen, wenn da nicht diese anmutige, zärtelnde Sprache der hohen Kunst und die Verborgenheit der Rohheit wären.

Die Geschichten sind einfach zu lesen. Nicht weil sie kurz und interessant sind, sondern weil der Aufbau und die Konstruktion so naheliegend sind. Kurze Absätze, knappe Dialoge, realitätsgetreu ohne sich in Besonderheiten zu verlieren.

Fazit:

Die einzig wirkliche Besonderheit ist die Liebe, das Gefühl und der Duft, den sie mit sich bringt. Maupassant und seine Charaktere lustwandeln durch die Welt, werden am Ende zumeist so enttäuscht, wie der Autor selbst, durchleben währenddessen aber eine Glückshochzeit nach der anderen. Was blieb einem Menschen im von Technik und Rationalismus dominierten 19. Jahrhundert anderes übrig, als tief in den Herzensbereich einzutauchen?

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