Das hohe Dach

Autorenwertung
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  • Charaktere
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  • Nutzen
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  • Authentizität
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  • Gesamt
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Rezension von: Kokoro | Rezensionsdatum:

Das hohe Dach von

Inhalt
Das Buch schildert den Lebensweg der jungen Kirsten de Vries über mehrere Jahre , einer zu Beginn rund 20 jährigen Südafrikanerin auf dem Rückweg von ihren Jahren im Internat in der Schweiz und Paris zurück in ihre Heimat. Auf dem Flug lernt sie den deutlich älteren Mike kennen, der in Südafrika eine neue Stellung annimt.

Nach und nach lernt der Leser zunächst in jedem Kapitel neue Personen, die in einem Zusammenhang mit Kirsten stehen, ausführlich kennen. So beispielsweise ihre Mutter Terry, die einen 12 Jahre jüngeren Mann – Pierre Delaporte – geheiratet hat und verzweifelt jung bleiben will und dafür sogar riskiert hat, ihre Tochter zu verletzen, in dem sie sie lieber auf ein entferntes Internat gesteckt hat als sie als Konkurrenz zu ihrem jungen Mann in der Nähe zu wissen. Weitere Personen sind Helmut van Eck, ein Redakteur, Louis de Vries, ihre Cousine (die in Pierre verliebt ist), der Farbigen Bok, die eigentlich farbige Lily und andere. Mit jeder neuen Figur lernt der Leser mehr über Südafrika und das Leben ungefähr in den 50er Jahren kennen.

Kurze Zeit nach ihrer Rückkehr nach Südafrika heiraten Kirsten und Mike, sie sind sehr glücklich, auch wenn sie ab und an unterschiedlicher Meinung über die Behandlung der farbigen und schwarzen Mitarbeiter oder Lieferanten sind, da Mike als Nicht-Südafrikaner keine Erfahrung mit Apartheid hat und Farbige wie gleichwertige Menschen behandelt, was sie in Kirstens Augen aufgrund ihrer Erziehung und ihres kulturellen Hintergrundes nicht sind. Kirsten verteidigt die Apartheid als „südafrikanische Besonderheit einer „parallele(n) Enwicklung, bei der jede Rassengruppe nach ihren eigenen Maßstäben vorwärtsschreitet“ (Seite 134).

Kirsten und Mike bekommen Zwillinge – Thommy und Theresa -, wobei sich jedoch, als ihre Schwiegermutter aus den USA sie für einen Monat besucht, als diese 16 Monate alt sind, herausstellt, daß Thommy einen Augentumor hat und auf einem Auge erblindet ist.  Obwohl er zunächst erfolgreich operiert wird, wächst der Tumor weiter und der kleine Junge droht zu erblinden. Mike will sich mit dem Schicksal nicht abfinden und will einen internationalen Spezialisten in London hinzuziehen, Kirsten möchte möglichst schnell operieren in Südafrika, da sie auch mit einem blinden Kind glücklich wäre. Als der Spezialist das Kind operiert, ist es jedoch schon zu spät, und er verliert nicht nur sein Augenlicht, sondern hat auch nur noch wenige Tage zu leben. Dieser Schicksalsschlag und die unterschiedlichen Ansichten entzweien Kirsten und Mike; Kirsten bleibt mit ihrer Tochter in London und sucht sich eine Arbeit, Mike kehrt zurück nach Südafrika. Beide leiden und schließlich macht sich ihre Mutter Terry auf den Weg nach London, um ihrer Tochter ins Gewissen zu reden. In der Zwischenzeit ereignen sich dramatische Ereignisse in Kapstadt…

Hintergrundinformationen
Die Südafrikanerin Joy Packer ist Hierzulande eine unbekannte Autorin, ihre Bücher gibt es – leider – meist nur antiquarisch zu kaufen. Sie wurde 1905 in Kapstadt geboren (gestorben 1977) und schrieb ab ca. 1925 Romane, die in ihrer Heimat spielen, so wie auch das hier vorliegende Buch, das ungefähr in den 1940-50er Jahren spielt (erschienen ist der 1959). Eine genaue Aussage ist schwierig, da der kaum Hinweise darauf gibt, außer den Anhaltspunkten, daß internationale Flüge noch mit Zwischenlandungen stattfanden, es jedoch schon die Möglichkeit einer direkten (mit Einschaltung eines Operators) Telefonverbindung von privat zu privat gab. Der spielt also zu einer Zeit, als Apartheid in Südafrika noch in Reinkultur herrschte und es zwar leise Kritik aus anderen Ländern gab, diese aber von Südafrika überhaupt nicht berücksichtigt wurde. So lernt der Leser mit den Charakteren hautnah die Probleme von Farbigen und Schwarzen (noch „Neger“ genannt in der Übersetzung) kennen und den „selbstverständlichen Umgang“ der weißen gegenüber den farbigen Menschen dort. Die Argumente, die die Figuren des Romans für und gegen Apartheit nennen, sind für Leser, die Apartheid nur aus der Theorie kennen, hochinteressant und sehr spannend in den Romanverlauf eingebaut.

Der Titel „Das hohe Dach“ ist eine wörtliche Übersetzung des Originaltitels „The high roof“ und bezieht sich auf das Sprichwort, das jemand, der „hoch steigt“, auch tief fallen kann bzw. das chinesische Pendant dazu „Nichts ist ergötzlicher, als zuzusehen, wie ein Freund vom hohen Dach fällt“.

Fazit
Ein ungemein lohnendes Buch – wer die Möglichkeit hat, an eine Ausgabe antiquarisch heranzukommen, sollte sich diese spannende und gleichzeitig historisch sehr aufschlußreiche Lektüre unbedingt gönnen! Die Beschreibungen über Südafrika sind spannend, interessant, lehrreich (ohne erhobenen Zeigefinger) und das Schicksal der Personen geht einem sehr zu Herzen.

Neben der Tatsache, daß das Buch nur schwierig zu erhalten ist, ist der einzige Nachteil die eingestreuten Sätze in Afrikaans, die nicht immer komplett verständlich sind, auch wenn sie für den Fortgang der Geschichte nicht entscheidend sind.

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