Der Alte und die Affen

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Der Alte und die Affen

Indu Prakash Pandey (Herausgeber). Draupadi 2012, Taschenbuch, 192 Seiten, € 16,00

Rezension von: Ratte | Rezensionsdatum:

Der Alte und die Affen. Geschichten vom Altwerden im modernen Indien.

Herausgegeben und aus dem Hindi übersetzt von Indu Prakash und Heidemarie Pandey

Zehn Geschichten zum Thema Altwerden und Altsein folgen in diesem Buch einer kundigen Einleitung zum Thema. Was sie vereint, außer dem Thema, ist die Tatsache, dass alle Geschichten in der wichtigsten indischen Regionalsprache, dem Hindi, geschrieben sind. Literatur aus Indien erreicht uns im Allgemeinen über das Englische, eine ganze Reihe indischer Autoren schreiben in Englisch und müssen sich deswegen auch des Öfteren nachsagen lassen, sie würden zumindest mit einem halben Auge auf den amerikanischen oder europäischen Markt hin schielen. Die Autoren und Autorinnen, die in Regionalsprachen schreiben, werden von diesem Vorwurf verschont, müssen sich aber andererseits auch damit abfinden, dass sie außerhalb ihres Sprachraumes nur sehr selten wahrgenommen werden. Der in Heidelberg hat es sich zur Aufgabe gemacht, Literatur aus indischen Regionalsprachen in deutscher Übersetzung zu publizieren, so auch diese Anthologie zum Thema Alter.

Inhalt

Auch in Indien wird das Thema „Alter“ immer wichtiger, obwohl Indien eigentlich eine junge Bevölkerung hat. Trotzdem gibt es eine steigende Anzahl auch alter Menschen, die vor dem Problem stehen, dass das lebensideal alter Menschen in Indien immer seltener mit der Wirklichkeit zur Deckung zu bringen ist. Dem Ideal nach lebt ein alter Mensch bei einem, oder auch mehreren seiner Söhne, daher auch die besondere Wertschätzung der Söhne. Der Sohn kommt für den Lebensunterhalt auf,  Ernährung und geg. Pflege übernimmt die aufmerksame und respektvolle Schwiegertochter. Doch dieses Modell der „joint family“, mehrerer Generationen in einem Haus gehört immer mehr der Vergangenheit an. Die Wohnverhältnisse gerade in den Städten und auch der moderne Arbeitsalltag lassen diese Lebensführung immer seltener zu. Heute ist für die Alten oftmals kein Platz mehr und auch keine Zeit, sich um sie und ihre Schrullen zu kümmern. Die rasante Entwicklung besonders der letzten Jahrzehnte stellt somit die tradierte Form des Zusammenlebens immer mehr in Frage.

Das thematisieren auch die ausgesuchten Kurzgeschichten in diesem Band. Da ist der alte Mann, der sich nicht einmal zum Vertreiben der Affen gebrauchen lässt, gänzlich nutzlos zu sein scheint und dann doch in den Tagen der Abwesenheit der Familie eine ganz eigene Lösung des Affenproblems findet. Oder die Schwiegermutter, die beim jüngsten Sohn lebt, aber eigentlich alles dort besser findet, wo sie nicht ist, bei ihren anderen Söhnen im Ausland. Bis sie  einmal die Probe aufs Exempel macht. Oder die alte Frau, die in den modernen Haushalt verpflanzt, nicht recht zu unterscheiden weiß zwischen Fiktion im Fernsehen und Realität, was sich als sehr entlarvend herausstellen kann. In einer zweiten Geschichte von Suryabala sind es die zart erotischen Fantasien eines alternden Mannes, die ihm den Blick auf seine Frau verändern helfen. In „Manbodh Babu“ wird die soziale Kälte der Gesellschaft gegenüber den Alte und Hilflosen  zum Thema gemacht, allerdings mit einem Augenzwinkern und einer überraschenden Volte zum Schluss. Die letzte Geschichte widmet sich dem Schicksal alt gewordener Hausangestellter, einem eher traurigen Kapitel.

Fazit

In dieser Anthologie werden mehrere Facetten des Altwerdens in Indien  von Hindischriftstellern und -schriftstellerinnen beleuchtet,  in Einzelschicksalen literarisch verarbeitet. So erhalten wir Einblick in die Welt des Alterns in Indien: Uns sehr fern und doch auch wieder ungemein vertraut. Auf jeden Fall des Lesens wert, keineswegs nur für Betroffene – obwohl wir ja eigentlich alle betroffen sind, früher oder später.

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