Der Betrüger

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Der Betrüger

Thomas Mohr (Übersetzer). Manhattan 2009, Gebundene Ausgabe, 304 Seiten, € 5,00

Rezension von: Ratte | Rezensionsdatum:

Der Betrüger von

Inhalt
Adam Napier ist ein ziemlicher Loser, seinen Job in Johannesburg hat er an den jungen Schwarzen verloren, den er selbst ausgebildet hat, sein Haus hat nach und nach an Wert verloren, weil er den Zeitpunkt des Verkaufs verpasst hat, und ist mittlerweile so wertlos, dass er es nicht mal mehr verschenken kann. Adam muss bei seinem jüngeren Bruder Gavin in Kapstadt um Hilfe bitten. Gavin ist erfolgreich und hat eigentlich kein Ohr für Adams Lamentos. Da Adam als junger Mann Gedichte schrieb, schickt Gavin ihn in sein verlassenes Ferienhaus in der Karroo, hier könne er über sein Leben nachdenken, Gedichte schreiben und nebenbei das heruntergekommene Anwesen ein bisschen in Schuss bringen.

Die zeitlose Ödnis und Melancholie der Halbwüste Karroo lässt Adams anfänglichen Elan schnell ersterben. Auf Inspiration wartet Adam vergeblich, Langeweile und Lethargie bestimmen bald sein Leben. Der unkrautüberwucherte Garten wuchert weiter. Auch zu seinem Nachbarn, einem eigenbrötlerischen Alten im Blaumann, der entweder im Garten werkelt oder Metallarbeiten herstellt, hat er auch kaum Kontakt. Angebote des Alten, ihn zu besuchen, lehnt er ab. Das trübe Leben ändert sich jedoch, als Kenneth Canning in sein Leben tritt. Canning und er waren Schulkameraden, auch wenn Adam sich überhaupt nicht erinnern kann.

Er nennt Adam bei seinem Spitznamen aus der Internatszeit Nappy (Windel), was dieser hasst, weil es ihn an seine aus Einsamkeit und Frust entstandene Bettnässer-„Karriere“ erinnert. Er habe Adam viel zu verdanken, seine Ansichten von damals hätten seinem Leben eine andere Richtung gegeben, meint Canning und lädt Adam ein nach Gondwana, wo seine Farm steht. Gondwana ist Luxus pur, eine weitläufige Wildfarm mit grüner, geradezu tropischer Umgebung, einem Fluss, einem See und neben einem fantastischem Haus auch einer Reihe Rondavels (Rundhäuser) für zukünftige Gäste. Bald ist Adam jedes Wochenende in Gondwana, auch wegen Baby, Cannings geheimnisvoll verschlossener, bedrückend schöner schwarzer Frau.

Adam braucht ziemlich lang, bis er begreift, dass weder in Cannings Ehe noch auf der Farm alles in Ordnung ist. Canning hatte die Farm von seinem verhassten Vater geerbt und alles, was er erreichen will, ist den Traum seines Vaters zu zerstören. Er plant ein gigantisches Bauprojekt auf seinem Land und lässt sich dafür mit äußerst zwielichtigen Gestalten ein – und er sorgt dafür, dass auch der zuerst sehr ahnungslose Adam mit hineingezogen wird. Der hat allerdings zu der Zeit anderes im Kopf, er hat sich auf ein Verhältnis mit Baby eingelassen, nutzt dafür ein Rondavel, muss aber nach und nach erkennen, dass diese Frau aus ärmsten Verhältnissen für einen sozialen Aufstieg zu allem bereit ist. Irgendwann steht Adam, der Unentschiedene, der Loser, da mit einem Killer auf seinen Fersen und ohne Baby, die in einem Mafiaboss ein vielversprechendes Mittel zum Aufstieg gefunden hat.

Der Autor
Damon Galgut wurde 1963 in Pretoria geboren. Wegen einer Krebserkrankung verbrachte er als Kind lange Zeit im Krankenhaus. Seine Familie las ihm vor und begründete so seine Liebe zur Literatur, die ihn nie mehr los ließ. Mit 17 schrieb er seinen ersten Roman. Für sein bekanntestes Buch „Der gute Doktor“ wurde er 2003 für den Booker Price nominiert und erhielt 2004 den Commonwealth Writer’s Price sowie noch eine ganze Reihe weiterer Auszeichnungen. In seiner Heimat Südafrika gilt Damon Galgut, der Autor, der weder Fernsehen noch Auto besitzt, als großes Talent. Damon Galgut reist gerne, „Der Betrüger“ hat er zum Teil in Goa und in Umbrien geschrieben, und er liebt Yoga.

Fazit
Die „Geschäftswelt“, in der Canning verkehrt, ist ein Blick auf das neue Südafrika wie durch ein Mikroskop. Sehr genau sieht man die Gewinner der neuen Zeit und die Verlierer, die, die noch Apartheid-Dreck am Stecken haben wie Adams seltsamer Nachbar und solche wie Baby oder Sipho Moloi, die Chancen ergreifen, ohne sich dabei von irgendeiner Moral behindern zu lassen. Ein „Wir sind jetzt dran“ sprengt alle Bedenken hinweg. Und dann gibt es noch die vielen Facetten dazwischen – ein empfehlenswerter Roman!

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