Der Bildermacher

Autorenwertung
  • Dramatik
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  • Emotionen
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  • Dialoge
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  • Verstrickungen
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  • Authentizität
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  • Gesamt
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Rezension von: Andreas Kurth | Rezensionsdatum:

Der Bildermacher von

Inhalt
Es ist ein Leichenfund, der ungewöhnlicher kaum sein könnte. Wie ein Kunstwerk sitzt das Mordopfer auf einem Stuhl, von oben bis unten knall-gelb angemalt. Es handelt sich um den in der Szene durchaus bekannten Künstler Emanuel Broski. Für die junge Kommissarin Carmen Henning, die zu nachtschlafener Zeit aus dem Bett ihres neuen Lovers geholt wird, ist es der erste große Fall, den sie verantwortlich bearbeiten soll. Doch ausgerechnet der ihr menschlich verhasste Kollege Albert Schneider wird ihr als gleichberechtigter Leiter der Sonderkommission zugeteilt.

Das in herzlicher Abneigung vereinte Duo beginnt sich in der Künstler- und Schauspielerszene zu orientieren, in der sich Broski offenbar bewegt hat. Da ist die verzweifelte Galeristin, die sich sorgt, was sie der Presse wegen des Ausfalls der Vernissage sagen soll. Da sind die junge Schauspielerin Frederike Hochmut und ihre Kollegen Martin Stock, Kay Filsbinger und Vanessa Springer.

Frederike hatte ein Verhältnis mit Broski, gab es dann jedoch wütend und vor allem aus Eifersucht auf, um sich Michael Bloom an den Hals zu werfen. Aber auch das hielt nicht lange, und sie kehrte zu Broski zurück. Bis es wieder knallte und sie einen Selbstmordversuch unternahm. Da wusste sie allerdings noch nichts von der Ermordung ihres Angebeteten.

Die zweite Leiche ist grün lackiert
Während Henning und Schneider versuchen, den Kreis der Verdächtigen einzugrenzen und sich mit diversen Bildhauern, Schauspielern und Galeristen herumschlagen, taucht die zweite Leiche auf. Diesmal ist sie von Kopf bis Fuß grün lackiert. Allerdings liefern die Gerichtsmediziner bemerkenswerte Erkenntnisse zu diesem Mordopfer. Michael Bloom wurde nicht so professionell lackiert wie Emanuel Broski. Und er ist schon seit einer Woche tot, war also die erste Leiche. Beide wurden mit einem seltenen Gift umgebracht, das die Opfer lange leiden lässt.

Menschliche Verwicklungen gehen weiter
Schneider geht Carmen Henning mit seinen zweifelhaften Ermittlungsmethoden auf die Nerven. Und wegen ihres neuen Lovers hat sie ohnehin eher andere Dinge im Kopf. Die Polizisten drehen sich lange im Kreis, ermitteln scheinbar ziel- und sinnlos weiter. Es findet sich kein brauchbares Motiv. Derweil gehen die menschlichen Verwicklungen in der Schauspieler- und Künstlerszene munter weiter. Martin Stock und Vanessa Springer kannten Broski aus Kursen an der Kunsthochschule. Die beiden haben sich außerdem bereits mehrfach getrennt und wieder zusammen gerauft, Frederike Hochmut diente für Martin jeweils als Kummerkasten. Nach ihrem Selbstmordversuch und ihren eigenen, gescheiterten Männergeschichten hat sie allerdings die Nase gestrichen voll.

Vanessa Springer wird rot lackiert
Nach einem erneuten Zerwürfnis von Stock und Springer findet die Polizei endlich Indizien, die auf Martin Stock als möglichen Täter deuten. Vanessa und Martin sind jedoch unauffindbar. Durch ein Video, auf dem auch Thomas Beil zu sehen ist, findet die Kommissarin heraus, dass ihr Liebhaber irgendwie in die Mordgeschichte verwickelt sein muss.

Durch die Fairness ihres Kollegen Schneider entgeht sie der Suspendierung – und die beiden finden schließlich auch die rot-lackierte Leiche von Vanessa Springer. Die gesamte Geschichte endet in einem furiosen Finale. Das dramatische Ende ist nichts für schwache Nerven, es gibt weitere Leichen und höchst überraschende Enthüllungen.

Fazit
„Der Bildermacher“ ist der Auftakt einer neuen Krimiserie um das ungleiche Ermittlerpaar Carmen Henning und Albert Schneider. Die beiden ermitteln mit ihren Kollegen im Umkreis von Baden-Baden, Pforzheim und Karlsruhe. Das Buch ist aus vielerlei Gründen lesenswert. Da ist zunächst das Ermittlerduo. Die beiden können sich anfangs „nicht aufs Fell schauen“, aber während der Arbeit am Fall des rätselhaften Serienmörders entwickeln Schneider und Henning zunächst professionellen Respekt füreinander. Als sie zunehmend merken, dass sie sich hervorragend ergänzen, bilden sie schließlich ein kongeniales Duo. Sie spielen die Rollen „guter Polizist – böser Polizist“ auf natürliche Weise perfekt.

Erfrischend ist die Sprache in der Schauspieler- und Künstlerszene, die Susanne Graf in witzigen, aber auch nachdenklichen Dialogen umgesetzt hat. Da geht es um existenzielle Ängste der jungen Schauspieler in der Provinz, um menschliche Pannen und Unzulänglichkeiten. Reden, trinken, rauchen, sich streiten und wieder versöhnen – es zeigt sich ein ganzer Mikrokosmos an menschlichen Charakterfacetten.

Gänsehaut gibt es, wenn die Autorin den Mörder mit seinen teilweise kruden Gedanken zu Wort kommen lässt. Michael Seeboth, der insgesamt als Sprecher glänzt, spricht diese Stellen derart eindringlich, dass es den Hörer schaudert. Die Geschichte beginnt wie viele Kriminalromane, legt dann aber erheblich an Tempo zu. Die zahlreichen Wendungen, die Sackgassen für die Ermittler, das private Leben von Carmen Henning, die Verwicklungen in der Künstlerszene – insgesamt eine gute Mixtur, um die Spannung langsam, aber stetig zu steigern und den Leser / Hörer zu fesseln. Am Ende freut man sich auf die nächste Geschichte mit Albert Schneider und Carmen Henning.

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