Der heulende Müller

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Der heulende Müller

Regine Pirschel (Übersetzer). Bastei Lübbe 2012, Taschenbuch, 222 Seiten, € 9,99

Rezension von: Ratte | Rezensionsdatum:

: Der heulende Müller

Inhalt

Da taucht in einem kleinen Dorf im hohen Norden Finnlands in den 50er Jahren des vorigen Jahrhunderts einer auf, der eine alte verfallenen Mühle kauft. Er ist arbeitsam und stark, aber auch etwas seltsam. Er tut, was ihm gerade einfällt, ohne sich groß um die Konsequenzen zu scheren, tut was er für Recht hält, und er hat eine sehr seltsame Angewohnheit. Wenn ihm das Herz überläuft, wenn er in eine seltsame Traurigkeit verfällt, dann muss er in den Wald laufen und heulen, laut und anhaltend wie ein wilder Wolf. Eigentlich sogar besser als ein wilder Wolf, sagen die Leute. Das Geheul entspanne ihn, sagt er –  der ist einfach verrückt und gehört in die geschlossene Anstalt in Oulu, sagen die Leute.

Gunnar Huttunen, so heißt der heulende Müller, setzt die Mühle wieder in Stand, zuerst die Schindelschnitzmaschine, den Schindeln zum Wiederaufbau der Häuser nach dem Krieg werden viele gebraucht. dann kümmert er sich um die Getreidemühle. Und er streicht die ganze Mühlein einem schönen Rotton an, denn er hat sich verliebt: In die Klubberaterin, die über die Dörfer radelte und die Bauern im Gemüseanbau unterrichtete und Kochrezepte verteilte. Die Bauern, so der Plan des Landwirtschaftsklubs, mussten mehr Gemüse essen, um gesund zu bleiben. Auch zu Huttunen kommt die Beraterin, und Huttunen fängt sofort Feuer. Sanelma erwidert seine Gefühle, hat nur Angst, dass der Sonderling vielleicht doch verrückt wäre und sie dann verrückte Kinder bekommen könnte.

Wenn es ihm gut geht, dann erzählt Huttunen, den man Kunnari nennt, und macht die Tiere des Waldes nach, wenn es ihm schlecht geht, dann ist er verschlossen, liefert die fertige Arbeit nicht aus und verschwindet im Wald. So kann das nicht weitergehen. Und weil es Sanelma gibt, geht Huttunen zu einem Arzt, der soll ihm Pillen verschreiben, damit er normal wird wie alle anderen. Nachts taucht er bei dem Arzt auf, denn Tageszeiten und Öffnungsstunden sind dem Sonderling egal. Zuerst ist der Arzt von Kunnari ganz angetan, findet er in ihm doch endlich einen kundigen Zuhörer seiner Jagderlebnisse, aber Huttunen übertreibt mal wieder, kennt die Grenzen nicht, merkt sich nicht, wann und wie viele Tabletten er nehmen soll und schaufelt flugs eine Handvoll ein. Kurz: Auch der Arzt hält ihn für verrückt und liefert ihn in Oulu, der geschlossenen Anstalt, ein. Natürlich findet sich der freiheitsliebende Müller mit dem Eingesperrtsein nicht ab und findet eine Möglichkeit zur Flucht. Aber wo soll er hin? Huttunen flieht in die weiten Wälder, er weiß, wie er in der Einsamkeit überleben kann und das würde ihm auch gelingen, wenn nicht das ganze Dorf  Jagd auf ihn machte. Seine Verstecke werden zerstört, seine Vorräte vernichtet und an ein friedliches Leben mit Sanelma ist gar nicht mehr zu denken. Bis man ihn wieder fängt und zurück nach Oulu schickt, aber dann wird doch alles anders.

Fazit

Paasilinna ist einer der bekanntesten Autoren Finnlands, mehr als 30 Bücher hat er geschrieben und der heulende Müller ist einer seiner ersten Texte. Der Grundkonflikt ist gut beobachtet und lässt einem beim Lesen manchmal den Atem stocken. Wie geht die menschliche Gesellschaft mit denen um, die anders sind, nicht in den engen Rahmen passen, der vorgegeben ist? Das mit der Toleranz ist wohl, und nicht nur im Norden Finnlands, ein ganz schwieriges Ding. Leichter ist es , den Anderen, Fremden auszugrenzen und in letzter Konsequenz auch wegzuschaffen. Beispiele dafür gibt es zuhauf und hier trifft es einen heulenden Müller, dem ein bisschen Glück nicht zugestanden wird.

Wie immer bei Paasilinna kann man trotz des ernsten Themas beim Lesen das Kichern und Schmunzeln kaum unterdrücken, einzig die Charakterzeichnung der Bösen ist manchmal ein wenig zu flach geraten. Das kann Paasilinna eigentlich besser. Trotzdem macht das Lesen Spaß und mal ein bisschen nachdenken über die Abgründe in uns schadet ja auch nicht.

 

 

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