Der Klang der Fremde

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Der Klang der Fremde

Andrea Alvermann (Übersetzer). Kunstmann, A 2010, Taschenbuch, 160 Seiten, € 14,90

Rezension von: Ratte | Rezensionsdatum:

: Der Klang der Fremde
Kim Thúy schreibt, dass der Alltag von Immigranten nicht immer schrecklich sei, manchmal gebe es auch Freundlichkeit und Komik. Davon erzählt die Vietnamesin auch, aber auch Schrecken und Tragik kommen in dem kleinen Meisterwerk reichlich vor.

Inhalt
Kim Thúy stammt aus einem großbürgerlichen Haus in Saigon, so großbürgerlich, dass es immer Dienstboten und Kindermädchen gab und die Mutter niemals in ihrem Leben einen Besen auch nur anfasste. Das ändert sich nach 1975, nach dem Sieg der Kommunisten, radikal. Familie Kim verliert alles, landet als boat people auf einem Seelenverkäufer. Im Bauch des Schiffes liegen die Flüchtlinge aneinandergepresst und angstgepeinigt, die Geschichte eines Mädchens, das auf Deck herumrannte und von einer Welle auf Nimmerwiedersehen über Bord gespült wurde, macht die Runde. Am Ende der schauderhaften Flucht steht ein Flüchtlingslager in Malaysia mit einer löchrigen Hütte Marke Eigenbau, die bei Regen im Schlamm zu versinken droht, mit Krankheit und Hunger.

Am Ende der langen Flucht kommt die Aufnahme der Familie in Kanada und weitere Herausforderungen, die es zu meistern gilt. Thúy, das zehnjährige Mädchen, versteht nichts und verstummt erst einmal, auch wenn ihre bildungsbessesene Mutter alles daran setzt, das zu ändern. Frau Kim muss als Putzfrau arbeiten, Thúy lernt Toast zum Frühstück zu essen.

Das zahnfleischrosa Plastikarmband der Tochter, in dem die Familie Diamanten versteckt hat, wird gestohlen, obwohl niemand von den Diamanten wusste und Thúy überlegt, was wohl in ferner Zukunft Archäologen denken werden, wenn sie einen Ring von kleinen Diamanten in der Erde finden, perfekt rund, denn das umgebende Plastikarmband, wahrscheinlich einfach weggeworfen von den Dieben, wird irgendwann vergangen sein.

Zum Buch
Die Geschichte vom Fliehen und Ankommen ist nicht geradlinig erzählt, es sind kurze kleine, pointiert geschriebene Momentaufnahmen, die die Story langsam zusammensetzen. Wenn man keine Worte hat, dann sind Fühlen, Riechen, Schmecken, Sehen wichtig im Aufnehmen und Verstehen des Anderen. An Klängen, Farben, Gerüchen entfalten sich deshalb die Erinnerungsbilder, an denen Kim Thúy dreißig Jahre später der Spur ihres Lebens nachgeht. Thúy beschreibt den Anblick des ersten Schnees in Quebec, den Lärm, den fremde Stimmen machen, wenn man sie nicht versteht, auch wenn sie freundlich sind. Manche dieser Erlebnisse sind voller Komik, manche machen wehmütig. Dreißig Jahre später stellt sich die Odyssee dieser Familie, die Tanten und Onkel der Einfachheit halber durchnummeriert, als beendet heraus. Familie Kim ist angekommen,  die Kinder haben eine gute Ausbildung und gute Berufe. Mir als deutscher Leserin fällt dabei auf, wie viel Hilfe die Vietnamesen in ihrer Anfangszeit bekommen – und auch dringend benötigen – und es stellt sich mir die Frage, wie wir in Deutschland das so halten mit Einwanderern, die durch furchtbare Erlebnisse traumatisiert sind.

Fazit
Ein kleines Buch voller kurzer Kapitel, schnell zu lesen, aber wunderbar geschrieben, voller Sätze, über die man nachdenken kann. Und eine Geschichte über Flucht und Ankommen, übers Fremd sein und weniger fremd bleiben. Ein wichtiges Buch.

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