Der letzte Fisch im Netz

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Der letzte Fisch im Netz

Franka Reinhart (Übersetzer). Karl Blessing Verlag 2010, Broschiert, 560 Seiten, € 19,92

Rezension von: Andreas Kurth | Rezensionsdatum:

Der letzte Fisch im Netz: Wie wir die wichtigste Nahrungsquelle der Welt retten können – die Meere von

Gibt es noch den ökologisch vertretbaren Fischteller?
In der Schule haben wir alle gelernt, dass die sieben Weltmeere eine schier unendliche Nahrungsquelle für die Menschheit darstellen. Da gebe es noch unerforschte Tiefen, und man habe noch gar nicht alle Lebewesen im Meer gefunden und klassifiziert. Forschungsstationen auf dem Meeresboden, Unterwasser-Farmen für die Nahrungsmittelproduktion – der Fantasie waren keine Grenzen gesetzt. Und die Realität im 21. Jahrhundert? Die sieht eher bitter aus, wie uns jetzt von Taras Grescoe schonungslos vor Augen geführt wird.

Wie kommt der Fisch auf den Tisch?
Er hat sich auf der Suche nach dem ethisch vertretbaren Fischteller auf eine Forschungsreise über die sieben Weltmeere gemacht. Von portugiesischen Sardinen über Marsailler Bouillabaisse zu Alaskaseelachs und Fischstäbchen, indischem Shrimp-Curry und Thunfisch-Sushi, ob Gourmettempel, Großmarkthalle oder Fast-Food-Filiale – der probierfreudige Autor legt dar, wie der Fisch vom Wasser auf unseren Tisch kommt. Das ist nicht immer frühstückskompatibel, und fairerweise warnt Grescoe seine Leser vor. Und schildert dann ebenso detailliert wie kenntnisreich, was bei der Fischerei alles falsch läuft. Und das ist eine ganze Menge.

Fisch essen ist eigentlich in Ordnung
Eigentlich verhält man sich mit dem Verzehr von Fisch völlig richtig, stellt der Autor zunächst fest. Denn immerhin gibt es Forschungsresultate, die zeigen, dass der Homo sapiens ohne den Konsum von Fisch und anderen Meerestieren heute nicht das wäre, was er ist. Denn nur die Zufuhr von Omega-3-basierten Fettsäuren machte das Wachstum des menschlichen Gehirns auf seine heutige Dimension möglich. Und wirkt noch heute vor allem vorbeugend gegen Alzheimer, Depressionen und etliche Alterskrankheiten. Auch sonst sei der Verzehr von Fisch gegenüber Fleisch zu bevorzugen – Grescoe outet sich als reiner Fischesser, der seit zehn Jahren Fleisch von seiner Speisekarte verbannt hat. Und zunächst hat er dabei auch ein gutes Gefühl gehabt – denn auch er glaubte an die scheinbare Unerschöpflichkeit der Meere.

Ganze Ökosysteme werden zerstört
Doch dann fing Grescoe an, den Hinweisen nachzugehen, die vor dem Konsum von Fischen und Meeresfrüchten warnen. So sollen Lachse gefährlich hohe Konzentrationen an Dioxinen und polychlorierten Biphenylen enthalten. Die schwedische Akademie der Wissenschaften hat empfohlen, eine Warnung herauszugeben, weil man bei vielen Fischarten eine hohe Quecksilberkonzentration festgestellt hat. Die zahlreichen Argumente für und gegen den Verzehr von Meeresbewohnern brachten Grescoe schließlich zu seiner Forschungsreise.

Neben eindrucksvollen Schilderungen von den durchaus noch vorhandenen Wundern der Ozeane als Lebensraum liefert er eine nachdenklich machende Reportage über die Zerstörung ganzer Ökosysteme wie auch über nachhaltig bewirtschaftete Bestände, sinnvolle Fangmethoden und andere Maßnahmen, die dabei helfen können, die Meere zu retten. Die wertvollste Nahrungsquelle des Planeten wird in einem selbst für Experten erstaunlichen Tempo ruiniert – unter anderem mit gnadenloser Überfischung. Ob Thun-, Hai- oder Schwertfisch, bis zu 80 Prozent des weltweiten Bestands an Speisefisch sind heute fast verschwunden. Für Kabeljau hat sich ein lukrativer Schwarzmarkt etabliert, und zahlreiche Küstenregionen – vom nordamerikanischen Maine bis nach Korea – erleben ihren ökologischen und finanziellen Niedergang.

Ein konkreter Forderungskatalog
„Fisch ist aus!“ An diese Ansage, so Grescoe, werden wir uns gewöhnen müssen, wenn wir unsere Gewohnheiten nicht unverzüglich ändern. Und um schließlich doch Hoffnung zu machen, stellt er am Ende einen konkreten Forderungskatalog auf. Das reicht von der Ausweisung von Meeres-Schutzgebieten, über das Verbot der Fischerei mit Grundschleppnetzen bis zum Schutz wichtiger Arten durch das Washingtoner Artenschutzübereinkommen.

Fazit
Ein wichtiges Debattenbuch, als spannende Reportage geschrieben. Man spürt bei der Lektüre, dass Grescoe hier mit viel Herzblut und Engagement recherchiert und geschrieben hat. Das Thema ist ihm wichtig, gerade weil er selbst ein bekennender Fischesser ist. Und er macht nicht einfach nur Angst, sondern verbreitet auch Hoffnung, indem er konkrete Lösungswege aufzeigt. Und dabei jedem Leser vermittelt, das er persönlich etwas für die Rettung der Meere tun kann. Die „Empfehlungen für die Auswahl von Fischwaren“ im Anhang runden das Buch gekonnt ab.

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