Der Mann, dem ein Olivenbäumchen aus dem Ohr wuchs

Autorenwertung
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Der Mann, dem ein Olivenbäumchen aus dem Ohr wuchs

Beate Esther von Schwarze (Übersetzer). Berlin Verlag 2012, Gebundene Ausgabe, 140 Seiten, € 21,90

Rezension von: Ratte | Rezensionsdatum:

: Der Mann, dem ein Olivenbäumchen aus dem Ohr wuchs

Inhalt

Nur 140 Seiten und ein ganz einfacher Plot und trotzdem ist das Buch eine punktgenaue Satire auf die Situation im Nahen Osten, die Paranoia, die Israelis und Palästinenser vom jeweils anderem nur das Schlechteste annehmen lässt und die Verbissenheit, mit der beide Gruppen um jeden Zipfel Land kämpfen, dabei wird doch das Land eines Tages sowieso von einem gigantischen Meteor verwüstet werden und weder „wir noch sie“ werden es behalten können, sagt Großvater. Weshalb kämpfen wir dann so erbittert darum, fragt nicht ganz zu Unrecht der 12jährige Ich-Erzähler.

Assaf erzählt von seiner Familie, da ist der Vater, der zu dick ist. Man könnte meinen, er trägt einen Sprengstoffgürtel um seine Mitte. Zwar meint Mutter, er sei „eher vollschlank“ aber trotzdem soll Vater nun abnehmen. Geduld ist keine Stärke dieser Familie, und so versucht er in kurzen Abständen  die unterschiedlichsten Diäten, die Gurkendiät, die Apfeldiät, die Spinat-Broccoli-Diät und zum Schluss die Olivendiät. Nur Oliven sind erlaubt: schwarze und grüne, mit und ohne Kern, gefüllt und ungefüllt, aus Marokko oder Griechenland. Am 5. Tag der Diät, einem Sabbat, isst Vater Oliven mit Kern und verschluckt sich an einem. Fast erstickt er und als er endlich wieder Luft bekommt, ist der Kern verschwunden, ausgespuckt hat er ihn nicht, verschluckt auch nicht. Wo ist der Kern hin? Vater spürt nur einen leichten Druck am Ohr. Aber diese Familie, zu der auch noch die Großeltern gehören, zeichnet sich durch grandiose Sprechkaskaden aus, jeder redet, keiner hört dem anderen zu, versucht den anderen eher vorzuführen. Das Wichtige bleibt eher ungesagt und so wird auch der verschwundene Kern nicht weiter beachtet. Die Großmutter mag nie über ihre Erfahrungen im Holocaust erzählen, vergisst auch ganz, dass sie eigentlich damals auch noch zu jung war. Großvater bricht das schweigen und meint, dass eine Atombombe auf Ahmadinedschad mehr Hitze entwickeln würde, als sich die Firma Topf und Söhne, die die Krematorien in Auschwitz gebaut hatte, vorstellen könnte.

Neun Tage nach dem Olivenkern-Zwischenfall wächst dem Vater ein zartes kleines Olivenbäumchen aus dem Ohr. Als sie das Bäumchen sieht, lässt die Mutter vor Schreck die wertvolle Meissner Prorzellanschüssel fallen. Was wird Schwiegermutter dazu sagen? Das scheint zuerst die größere Katastrophe zu sein, aber als das Bäumchen wächst, ist dies doch das Schlimmere. Ausreißen oder abschneiden kann man es nicht, den Wirt und Baum sind aufs Engste verbunden, teilen einen Blutkreislauf. Eines kann man nicht töten, ohne dem Anderen zu schaden.Das erkennt ein arabischer Olivenfachmann, den die Familie in ihrer Not und mit 1000 Ängsten und Vorbehalten aufsucht. Niemand ermordet sie im Palästinenserdorf und die Menschen dort sind – menschlich. Trotzdem nimmt die Familie teil an einer der Baumpflanzaktionen im Westjordanland: Juden pflanzen Bäume, um ihre Verbundenheit mit dem Land zu symbolisieren, palästinensische Bauern reißen sie auf ihrem Land wieder aus. Man könnte das für eine besonders skurrile Erfindung des Autors halten, aber der Olivenkrieg im Westjordanland ist ein Faktum, seit Jahren. Hier schließt die Geschichte, der Olivenbaum wächst weiter.

Fazit

Der Autor Benny Barbasch schlägt sich auf keine Seite, er zeigt das Irrwitzige, unglaublich Skurrile dieses Konfliktes, der Menschen zu Handlungen animiert, die so unfassbar sind, dass sie mit dem Verstand nicht mehr zu erklären sind. Die witzige Geschichte um ein Olivenbäumchen, dass aus einem Ohr wächst, zeigt im Kleinen die Widersprüche des Landes. Das Buch ist witzig, die Dialoge erinnern zeitweilig an Loriot, der jugendliche Erzähler ist pfiffig und respektlos, aber eigentlich ist die Thematik ernst. Und so, leicht verpackt, versteht man vielleicht sogar besser, was in Israel und Palästina gefährlich falsch läuft.

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