Der Schatten dessen was wir waren

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Der Schatten dessen, was wir waren

Luis Sepúlveda. Rotpunktverlag, Zürich 2011, Gebundene Ausgabe, 162 Seiten, € 15,90

Rezension von: Ratte | Rezensionsdatum:

: Der Schatten dessen was wir waren

Der bekannte chilenische Autor widmet sich in seinem neuesten Buch einem vergangenen Kapitel chilenischer Geschichte und dem Leben alter Männer, die „dabei“ waren, die aus dem Exil zurückkamen und die nun, im modernen Chile, sich eigentlich nicht wirklich zu Hause fühlen. Aber einmal wollen sie es noch wissen, ihr Leben noch einmal in die Hand nehmen!

Inhalt

Drei Veteranen der 68er-Generation, die aktiv waren in der Unidad Popular, warten auf einen vierten. In alter Verschwörermanier haben sie sich verabredet, an einem Ort ihrer konspirativen Vergangenheit, einer alten Autowerkstatt, heute verfallen. Ähnlich sehen sich auch die Kämpfer von einst, nach 35 Jahren: dickbäuchig, graubärtig, kahlköpfig. Alle drei sind 35 Jahre nach dem Tod Allendes und Pinochets Putch am 11. September 1973 nur noch ein Schatten dessen, was sie mal waren. Cacho, Lolo und Lucho schwelgen in Erinnerungen, wollten sie doch einst die Welt verändern und mussten unter der Diktatur Pinochets um ihr Leben fürchten. Viele ihrer Freunde und Kampfgefährten sind tot, viele ins Exil geflohen.  Eigentlich sind die drei nicht nur alt geworden, sie sind auch traumatisiert durch ihre Erlebnisse und durch die lange Zeit des Exils. Aber aufgeben liegt ihnen nicht. Man hat sich nicht versammelt nur um alter Zeiten willen, die drei haben einen Plan. Sie sind hinter der Beute eines Banküberfalls her, den eine Gruppe von Anarchisten 1925 begangen hat. Die Beute ist seither verschollen. Dieser Banküberfall ist in die Geschichte eingegangen, er war der erste in Chile, auch wenn einer der Alten schmunzelnd meint, der erste Banküberfall sei doch der von Butch Cassidy und Sundance Kidd gewesen!

Doch zur Hebung des Schatzes brauchen die drei den vierten – und der kommt nicht. Der Leser weiß, warum der vierte Mann nicht mehr kommen wird. Ein Ehekrach im ersten Stock eines Hauses endete damit, dass die Ehefrau die „Schätze“ ihres Mannes aus dem Fenster wirft, darunter auch den geliebten Dual-Plattenspieler. Und dieses wertvolle Wurfgeschoss trifft mit der Kante den Kopf des alten Mannes, Pedrito, der gerade vorbeigeht, und tötet ihn. Der Ehemann erfindet abenteuerliche Erklärungen für die Polizei, die sicher bald auftauchen wird und vorsorglich meldet das Ehepaar den Diebstahl einiger Haushaltsgegenstände bei der Polizei.

Ab jetzt wird die Geschichte auch zu einem Kriminalfall, auf tritt der alte Inspector Crespo und seine blutjunge Kollegin. Crespo hat auch unter Pinochet seinen Dienst absolviert und trotzdem immer versucht anständig zu bleiben. Ein Linker ist er auch geblieben, er hört immer noch Radio Cooperativa und ein wenig beneidet er seine junge Kollegin, die unbeschadet von der düsteren Vergangenheit ihren Dienst tun kann. Als die Leiche untersucht wird, ist kein Plattenspieler mehr zu sehen, keine Bücher, die auch als Wurfgeschosse gedient hatten und auch keine Schuhe mehr an den Füßen der Leiche. Da waren andere schon schneller, die alles gebrauchen konnten. Aber Crespo findet ein inkriminierendes Teil in der Schädelwunde des Toten. Der Ehemann, Coco, war zuvor auch unter die Leichenfledderer gegangen. Er hatte die Waffe des Toten an sich genommen und das wiederum irritiert Crespo. Was wollte der gewaltlose Pedrito, Crespo kennt ihn gut von „damals“, mit einer Waffe?

Pedrito kann also nicht mehr zum Treffen kommen, dafür taucht Coco auf. Coco kennen die drei auch und eigentlich mögen sie ihn nicht, aber letztendlich machen sich die vier Alten nun doch auf zur Schatzsuche.

Fazit

Sepúlveda schreibt warmherzig die Geschichte von vier Verlierern, die einst voller Ideale waren und doch scheiterten. Ihren Glauben haben diese vier aber nie verloren, ihren leicht bissigen Humor und ihre Menschlichkeit ebensowenig – und so werden sie doch noch zu Gewinnern. Wie Coco und seine Frau mit Inspektor Crespo fertig werden, Mord ist schließlich Mord, was es mit der Waffe auf sich hat und ob das Team alter Männer tatsächlich die Beute aus dem Bankraub von 1925  findet, soll hier nicht verraten werden. Mit 156 Seiten ist das Buch schließlich schnell gelesen.

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