Der silberne Hengst

Autorenwertung
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  • Geschichte
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  • Realismus
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  • Übersetzungsqualität
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  • Authentizität
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  • Gesamt
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Der silberne Hengst

Günther Butkus (Herausgeber). Pendragon 2001, Gebundene Ausgabe, 272 Seiten, € 19,90

Rezension von: Ratte | Rezensionsdatum:

: Der silberne Hengst
Ahn Jung-Kyo befasst sich in seinem Buch Der silberne Hengst mit den Auswirkungen des Koreakrieges auf die Menschen eines kleinen, abgeschiedenen Dorfes. Der Verfall ihrer Welt trifft die Dörfler völlig unvorbereitet und wenn auch der Krieg nur jenseits des Flusses stattfindet und in Kum-san nur ein einziger Schuss abgefeuert wird, stehen sie am Ende doch vor einem Scherbenhaufen.

Inhalt
In Kum-san ist der alte Hwang die oberste Autorität, die konfuzianische Weltordnung noch kaum angetastet. Die verwitwete Ol-le, die mit ihren beiden Kindern etwas abseits im „Kastanienhaus“ lebt, ist gänzlich von kleinen Gelegenheitsarbeiten für die Familie Hwang abhängig. Gut ist es Ol-le, dem etwa 10jährigen Man-sik und der kleinen An-hi noch nie gegangen, aber sie sind ins Dorfleben integriert. Man-sik gehört zu einer Bande von fünf Jungen, die sich Faustkämpfe mit anderen Banden liefern und allerlei Unsinn anstellen. Sie beobachten das Bombardement der nahegelegenen Kreisstadt – und sind auch die ersten, die die alliierten Soldaten heranmarschieren sehen.

Der alte Hwang hatte gehofft, dass Kum-san jenseits des breiten Flusses sicher sei, aber Flüsse sind keine Hindernisse für die Armee der Langnasen, auf der großen Insel im Fluss bauen sie ein Lager auf. Bereits in der ersten Nacht suchen zwei amerikanische Soldaten das Dorf heim, sie schlagen Man-sik nieder und vergewaltigen Ol-le. War dem alten Hwang schon die Begrüßung der alliierten Armee gründlich missglückt, weiß er erst recht nicht mit dieser neuen Situation umzugehen. Obwohl Ol-le ein unschuldiges Opfer ist, ist sie doch unrein geworden, die Dorfbewohner meiden sie und auch der alte Hwang setzt nicht das Zeichen, auf das Ol-le verzweifelt wartet. Er zeigt keinerlei Mitleid.

Dafür kommen zwei seltsame Frauen ins Dorf, sie wollen eine Hütte kaufen. Als der alte Hwang begreift, dass sie Huren im Gefolge der Amerikaner sind, weist er sie empört aus dem Ort. Sie sind jedoch die einzigen, die mit Ol-le reden. Deren Nahrung wird knapp und es bleibt ihr keine andere Wahl, als das Angebot der einen Frau anzunehmen und ihre Partnerin im Sexgeschäft zu werden. Boa bringt ihr bei, was sie wissen muss. Ol-le versucht, ihre neue Tätigkeit vor den Dörflern und besonders vor ihrem Sohn zu verheimlichen. Man-sik ist genauso isoliert wie seine Mutter und hasst sie dafür. Seine Bande will ihn nicht mehr bei ihren Unternehmungen dabei haben. Die sehen jetzt ganz anders aus.

Die Jungs sind jeden Tag bei den Amerikanern, beobachten sie und wühlen deren Abfallgrube nach Brauchbaren durch. Besonders haben sie es auf Esswaren abgesehen, um ihre eintönige und immer knappe Ernährung zu ergänzen. Aber auch alles andere ist interessant, besonders eine defekte Pistole, an der sie herumbasteln. Auch die Kämpfe mit den Jungs vom Nachbarort sind erheblich brutaler geworden. Dafür wird Man-sik noch einmal gebraucht, danach aber wieder abserviert wie zuvor. Als der tief verletzte Junge dann noch erfahren muss, dass seine ehemaligen Freunde nachts seine Mutter beim Sex beobachten, kommt es zum Eklat.

Zuletzt reihen sich Ol-le, Man-sik und An-hi in den großen Flüchtlingsstrom nach Süden ein, die Dorfgemeinschaft ist zerbrochen und mit ihr die alte Ordnung. Der sagenhafte General auf dem silbernen Hengst, der vor Hunderten von Jahren das Land gegen die Mongolen verteidigt hatte, kommt nicht mehr aus seinem Berg hervor, um sein Volk zu verteidigen.

Fazit
Ein Großteil der Geschichte wird von Man-sik erzählt. Aber die harmlose Suche nach der Höhle des sagenhaften Generals wird nach und nach durch gefährlichere Spiele ersetzt, die Jungs stehlen sich fort in die Kreisstadt, um den Krieg zu sehen „bevor er vorbei ist“. Kum-san verändert sich nicht über Nacht, aber der Wandel geschieht so schnell und so gründlich, als wäre er über Nacht geschehen. Ol-le verwandelt sich aus der unterwürfigen Witwe des Knechtes zu einer Frau, die voller Wut und Verzweiflung das gesamte Dorf mit dessen Unfähigkeit konfrontiert, der alte Hwang wird vom geehrten Dorfchef zu einem alten Mann ohne Macht und Einfluss, der den Niedergang seiner Familie mit ansehen muss, Man-sik riskiert sein Leben und erlangt ein neues Verhältnis zu seiner Mutter.

Alles ist geradlinig, unmittelbar und realistisch erzählt, in einer Sprache, in der manches Mal ungewohnte poetische Vergleiche aufblitzen, der Rauch der explodierenden Flakgeschosse gleicht in den Augen der Kinder gepufftem Mais, ein anderes mal blüht der Rauch wie Wattebäusche auf. Der Roman weist in seiner Aussage, wie Krieg die Menschen verändert und verroht, über die eigentliche Geschichte Kum-sans hinaus, fast könnte man ihn als Parabel lesen.

Der Autor
Ahn Jung-Kyo wurde 1941 in Seoul geboren, er war acht Jahre alt, als der Koreakrieg ausbrach, lernte Not und Flucht am eigenen Leibe kennen. Mutter und Großmutter kochten in einer Kaserne für die Soldaten und ernährten mit den Resten die Familie. Nach Studium und Militärdienst ging Ahn Jung-Kyo als Kriegsberichterstatter nach Vietnam.

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