Der Tanz auf dem Vulkan

Autorenwertung
  • Lesbarkeit
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  • Aufmachung
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  • Systematik
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  • Informationen
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  • Ausstattung
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  • Gesamt
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Rezension von: Ragan Tanger | Rezensionsdatum:

Al Weckert: Der Tanz auf dem Vulkan. Gewaltfreie & Neurobiologie in Konfliktsituationen. Das Training mit dem „roten Tuch“

Kreative Kommunikationskraft

Ich hör, wie drüben jemand schreit, zum letzten Atemzug bereit; die letzten Tage sind gezählt, denn der Vulkan regiert die Welt. Ganz schön düster, wie Nena in ihrem ersten Album 1983 im Stück Tanz auf dem Vulkan die Endzeitstimmung der frühen 80er Jahre auf den Punkt bringt. Vielleicht unterbewusst, weil auch er ein Kind dieser Zeit war, vielleicht auch ganz bewusst, hat sich der Kommunikationstrainer Al Weckert entschieden, sein aktuelles Buch, das im -Verlag erschienen ist, Tanz auf dem Vulkan zu nennen. Ganz konkret bezieht sich dieser Vulkan aber auf die eruptiven Gefühlsausbrüche menschlicher Kommunikation.

Wir alle kennen das: Worte wedeln wie Funken durch den Raum, die Emotionen haben längst die Macht über unser Bewusstsein an sich gerissen, es wird geschimpft, beschuldigt und geschrien. Der Gefühlsvulkan regiert und meistens fallen wir darauf rein und stürzen uns in die Lavamassen um mitzubrüllen und mitzuringen.

Gerade in Unternehmen und Organisationen ist so ein Verhalten äußerst kontraproduktiv; genau deshalb ist das Buch vom Fachmann Weckert so notwendig. Aber ganz nebenbei: wer das Buch liest, die vielen hilfreichen Übungen anwendet und die Essenz in sich aufnimmt, kann auch für sein Privatleben oder seine Familiensituation eine ganze Menge dabei rausholen.

Grundlagen für die Überlegungen sind die Gewaltfreie Kommunikation nach Marshall Rosenberg sowie die Erkenntnisse der modernen Neurobiologie, allen voran die bahnbrechenden Untersuchungen vom Freiburger Professor Joachim Bauer.

Was erstaunt: anstatt zunächst die wissenschaftlichen Grundlagen (Neurobiologie und Kommunikationswissenschaften) vorzustellen, geht Weckert den umgekehrten Weg. Er schubst den Leser direkt an den Rand des Vulkans, indem er das rote Tuch, das dem Buch beigegeben ist, ins Spiel bringt und ohne lange Vorrede in medias res geht. Wie also derjenige, der sich furchtbar aufregen will oder muss, das rote Tuch nutzen kann (indem er nämlich darauf steht), um für seine Gefühle auch den passenden Rahmen zu bekommen. Und wie die Zuhörer und Beobachter auf die Äußerungen reagieren können.

Vom Schopf her also wird das Pferd gezäumt. Weitere Übungen zum Feedback, zur Empathie und zur Gewaltfreien Kommunikation samt einleitenden Erklärungen folgen, bevor es abschließend an die neurobiologischen Grundlagen geht  und – Überraschung! – abschließend noch einmal das rote Tuch ausgepackt wird, um wunderbare und interessante Methodiken vorzustellen.

Weckert gelingt in all diesem ein angenehmer Mix aus Theorie und Praxis, die knappen Kapitel und ihre Überschriften, der Schriftsatz und das Layout sorgen alle dafür, dass der Text gut verdaulich und angenehm zu goutieren ist. Die Übungen sind bestimmt nicht neu, aber in dieser Dichte und präsenten Aufführung unheimlich gelungen und für jeden (den Profi wie den Laien) garantiert hilfreich.

Fazit:

Abgesehen von dem roten Tuch selbst, dessen stoffliche Qualität nicht dem Buch entspricht und zudem – meines Erachtens sehr verstörend – Verlag und Autorenname aufgeflockt hat, ist der Tanz auf dem Gefühlsvulkan in besonders angenehmer Weise gelungen. Aufbau, Struktur, Inhalt, die ganz tollen Übungen und auch die smarte und sympathische Art des Autors lassen keine Wünsche offen. Wer wirklich kommunizieren will, hat hier sehr gute Startchancen!

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