Der Tod in mir

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Der Tod in mir

Frank Dabrock (Übersetzer). Heyne 2010, Taschenbuch, 463 Seiten, € 8,95

Rezension von: Marcel Riepegerste | Rezensionsdatum:

Der Tod in mir von

Inhalt

Edward Hunter war gerade neun Jahre alt, als er es in die Zeitungen des ganzen Landes schaffte, doch der Hintergrund dafür hätte viel schlimmer nicht sein können: Sein Vater wird als Serienmörder festgenommen, der für den Tod von elf Prostituierten verantwortlich ist. Die Familie zerbricht unter der Situation, dem Hass und den Anschuldigungen der Mitbürger.

Die Stimme des Dämons

Edwards Mutter greift eines Tages zur Rasierklinge und setzt ihrem Leben ein frühes Ende, seine Schwester beginnt sich zu prostituieren und stirbt letztlich an einer Überdosis Heroin. Und plötzlich ist Eddie alleine und alle – vor allem auch er selbst- stellen sich die Frage, ob auch in ihm ein Dämon, ein Monster steckt, das eines Tages wie bei seinem Vater ausbricht. Genau wie als Neunjähriger, als Eddie das erste Mal eine Stimme hörte, die ihm befahl, den nervigen Hund aus der Nachbarschaft mit einem Steak voller Reißzwecken umzubringen.

Zwanzig Jahre später führt Eddie ein beschauliches Leben als Buchhalter und wohnt mit Frau Jodie und seiner Tochter Sam in Christchurch, Neuseeland. Endlich scheint sich sein Leben zum Positiven zu wenden, hat er doch eine wunderbare Frau, die er liebt und die ihn und seine Vergangenheit akzeptiert. Als Edward dann an diesem Freitagmorgen von seinem Wecker aus dem Schlaf gerissen wird, ahnt er nicht, dass ihn nur wenige Stunden von seinem schlimmsten Albtraum trennen.

Wenn Fehler Leben kosten

Als Jodie und er in ihrer Mittagspause auf einen Gesprächstermin mit ihrem Hypothekenberater in einer Banklobby warten, betreten sechs Männer mit Schrotflinten das Gebäude. Sie bedrohen die Angestellten, verlangen das ganze Geld und erschießen grundlos den Geschäftsführer. Als sie trotz der Erfüllung ihrer Forderungen noch eine Bankangestellte als Geisel nehmen wollen, kann Eddie sich nicht mehr beherrschen und fordert die maskierten Männer auf, ohne weitere Gewalt die Bank zu verlassen. Zu spät merkt Eddie, dass er damit einen schlimmen Fehler begangen hat. Zwar rettet er das Leben der Angestellten, doch seine geliebte Jodie wird weggezerrt, grausam erschossen und verblutet in seinen Armen.  Alles wird noch schlimmer, als sich plötzlich nach zwanzig Jahren Ruhe, Eddies Vater wieder bei ihm meldet.

Fazit

Während andere Bücher erst ihren Anlauf brauchen, bis man von der Geschichte gefesselt ist, wirft Paul Cleave den Leser in seinem Prolog direkt in die Kindheit eines Mannes, der wie oben beschrieben, scheinbar Unmenschliches durchmachen musste und das Verlangen weiterzulesen ist groß.

„Einige Leute glauben, dass das, was mein Vater getan hat, genetisch bedingt ist. Einige Leute glauben, es wäre mein Schicksal ebenfalls als Mann des Blutes zu enden“, sage ich und betrachte das Blut, das von der Frau, die zusammengesunken auf dem Beifahrersitz hockt, ins Polster sickert,“ weil dasselbe Blut durch meine Adern fließt. Aber sie irren sich“, sage ich, beschleunige den Wagen auf neunzig Sachen und fahre direkt gegen die Wand.

Spätestens mit diesem Cliffhanger am Ende des Prologs packt er dann den Leser und macht klar: Wer das Buch jetzt aus der Hand legt, ist selber schuld. Denn dann beginnt Paul Cleave sieben Tage vorher mit der eigentlichen Erzählung, die erklären soll, wie es schließlich dazu kommen konnte.  Und wer weiterließt, wird in der Tat belohnt.

Ohne Tränen und Geheule

Wie in seinen drei anderen Thrillern schreibt Paul Cleave sein Buch aus der Ich-Perspektive, hier aus Sicht von Edward Hunter. So wird viel Nähe zum Hauptcharacter hergestellt und es fällt leichter, sich mit ihm zu identifizieren. Das ist auch notwendig in einem Ausnahmezustand, wie der, in dem Eddies Gefühlswelt sich nach dem Tod seiner Frau befindet. Glücklicherweise schafft es Paul Cleave diese Gefühlswelt Eddies so echt und schockierend zu beschreiben, dass es einem wirklich nahe geht. Klasse! Er verzichtet auf  Tränen und Geheule und macht deutlich, was in einer Person vorgeht, die all das durchmachen musste.  Dafür schraubt er ein bisschen Handlung zurück, weil der größte Teil davon sich in Eddies Kopf abspielt.

Nebenbei ermittelt, ebenfalls wie in Paul Cleaves anderen Thrillern, der sympatische Detective Carl Schroder, der Eddie schon seit seiner Kindheit kennt,war er doch vor Ort, als sein Vater festgenommen wurde, seine Mutter und seine Schwester gestorben sind. Und eigentlich will er nur das beste für Eddie und verhindern, dass dieser sich dem Alkohol hingibt und Dummheiten macht, wie auf eigene Faust nach den Bankräubern zu suchen. Trotz selber Ermittler sind die Geschichten aber unabhängig voneinander und man muss kein anderes Buch von Paul Cleave vorher gelesen haben, um die Story zu verstehen. Diese ist in einigen Szenen extrem blutgeil, was beim Lesen etwas gestört hat. Zudem ziehen sich einige Passagen ein wenig in die Länge, was man von Paul Cleave eigentlich nicht gewohnt ist.

Paul Cleaves einzigartiger Humor

Aber dann ist da auch noch Paul Cleaves schwarzer Humor, der sich durch alle seine Bücher zieht und sie alle – das zweite Buch „Die Stunde des Todes“ lassen wir als eine Art Ausrutscher lieber unerwähnt – zu einzigartigen Werken macht, ihnen das Besondere gibt. Er schafft es einfach selbst verzweifelste Situationen mit Komik zu verbinden und lässt auch gesellschaftlicher Kritik freien Lauf.  Dieser Humor war in den anderen Büchern aber sogar noch etwas stärker ausgeprägt und stand mehr im Vordergrund, was für dieses Buch ein bisschen schade ist. Für Fans hat Paul Cleave zudem auch wieder einige seiner alten Romanhelden in seine neueste Geschichte mit eingebracht, die in manchen Szenen auftauchen. So zum Beispiel in einer Gefängnisszene den Schlächter von Christchurch, den Serienmörder aus seinem ersten Roman.

Insgesamt ist Paul Cleave trotz einiger kleiner Mängel wieder ein spannender und schockiernder Thriller gelungen, mit dem er sich weiter im Olymp der besten Thrillerautoren festsetzt. Einziger starker Kritikpunkt: Sein letztes Buch „Die Toten schweigen nicht“ war noch einiges besser. Wir können aber in der Zukunft noch einiges von ihm erwarten.

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Ein Kommentar to “Der Tod in mir”

  1. Sven schreibt:

    Die aussagekräftige und gut strukturierte Rezension gibt einen guten Überblick über die Handlung und die Charaktere des Thrillers.
    Menschen anspruchsvoller Thriller-Literatur werden Cleaves neues Buch gern in die Hand nehmen und lesen.

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