Der unsichtbare Apfel

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Der unsichtbare Apfel

Robert Gwisdek. KiWi-Taschenbuch 2014, Gebundene Ausgabe, 368 Seiten, € 12,99

Rezension von: Ragan Tanger | Rezensionsdatum:

Robert Gwisdek: Der unsichtbare Apfel

Hellsichtig in dunklen Welten

Es geht weniger um den Inhalt oder den Plot der Geschichte, als um das Wesen, das sich in Sprache und Hinwendung des Autors ausdrückt. Der unsichtbare Apfel ist ein Paradebeispiel für luzides Erkennen, ein Roman, der weit hinter die Möglichkeiten einer mittlerweile arg beschränkten und zerstörten Gesellschaft greift. Wer dieses Werk, wie es in manchen Besprechungen schon geschehen ist, als die Lebensbeschreibung des halbautistischen Igors – der Hauptperson – bezeichnet, verkennt die Psychologie der eigenen Unfähigkeit. Dieses Buch ist eine Offenbarung, der es sich anzunähern lohnt.

Robert Gwisdek ist das, was man ein Multitalent nennen könnte. Ein von der Muse in vielerlei Hinsicht geküsster. Hip-Hop-Star, Schauspieler und seit neuestem eben auch Schriftsteller. Zunächst muss man feststellen, dass die Fähigkeit, die deutsche Sprache gewissenhaft, zärtlich und klar auf den Punkt zu bringen, ihm in den meisten Fällen gelingt. Der Stil ist flüssig und formidabel, braucht sich hinter angeblich großen Literaten nicht zu verstecken. Viel überragender ist das, was transportiert werden will: nämlich die Erkenntnisfähigkeit des Menschen und seine modernen Beschränkungen.

Die Hauptperson Igor wird zu Beginn mit einer Schnellbiographie der Kinder- und Jugendzeit eingeführt, bevor es im jungen Erwachsenenalter nun an die Herausforderungen der Welt geht. Wenn jener Igor schon in der Schule die hellsichtige Chuzpe besitzt, seinen Direktor darüber zu informieren, dass der Unterricht, dem er,  dem jeder deutsche Schüler beiwohnt, den Tastsinn, das Gehör und den Geruch nicht trainiere, dann ist das eben nicht halbautistisch, sondern hervorragend und ehrlich. Und notwendig.

Konsequent also nur, dass Igor mit 23 Jahren, unverstanden und verständnislos gegenüber seiner Umwelt, ein wahnwitziges Projekt unternimmt. Hundert Tage Dunkelheit, um zu erfahren, was dann noch erfahrbar ist. Noch mal: das sind keine Spinnereien, sondern im Grunde praktische Übungsanleitungen zahlreicher schmanistischer, religiöser oder auch psychomotorischer Ratgeber, die Gwisdek entweder studiert hat oder aber er ist unabhängig davon zu eben jenen elementaren Fähigkeiten gelangt.

Dass die Menschen aus Igors Sicht unmündig, unvernünftig und unverantwortlich sind, ist keine bloße Metapher, sondern Realbeschreibung seiner, unserer Gesellschaft. Von daher wird dieses Buch wahrscheinlich deshalb nicht von allen verstanden, weil diese hellsichtige Fähigkeit nicht einfach so vom Himmel fällt. Mit diesem Werk hier hat man definitiv die Möglichkeit, Dinge aus der wirklichen Welt zu erfahren.

Fazit:

Wer Dinge einfach des Tun willens macht, lebt wie ein Krieger. Igor darf in dieser Hinsicht als Vorbild dienen. Er darf als leuchtendes Vorbild dienen, weil so viel Unzweckmäßigkeit seinen Taten innewohnt. Am Ende kann man sich noch nicht mal sicher sein, ob dem Autor eigentlich bewusst ist, welch Grandezza an Bewusstseinsschulung er in diesem Roman anbietet. So lange es den Lesern bewusst wird – und diese Möglichkeit besteht hier exemplarisch – ist vieles gewonnen. Ein starkes Stück Wirklichkeit!

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