Der Verleumdete

Autorenwertung
  • Geschichte
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  • Realismus
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  • Aufmachung
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  • Anspruch
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  • Gesamt
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Der Verleumdete

Bernd Kaufmann. BKP Verlag 2009, Gebundene Ausgabe, 360 Seiten, € 16,90

Rezension von: kewin | Rezensionsdatum:

Der Verleumdete: Die Geschichte des Landgrafen Albrecht II. von Thüringen von

Inhalt
Dieses Buch ist die Geschichte des aus dem Hause der Wettiner stammenden Landgrafen Albrecht II. und dessen Verbindung zu Margaretha, der Tochter des letzten „Stauferkaisers“, Friedrich II., die Albrecht II. ehelicht, als er nach unseren heutigen Vorstellungen noch ein Jugendlicher war. Es ist aber auch und vor allem die Geschichte des Landes Thüringen, das lange Zeit von Krieg geplagt, erst unter Albrecht II. eine Phase des Friedens und Wohlstands – nicht nur für die Herrschenden – erlebt.

„Angeführt von Margaretha von Hohenstaufen, blendend schöner Tochter des toten Stauferkaisers, zog die farbenprächtige Hochzeitsabordnung aus dem Königreich Sizilien, dem Regno die Sicilia, in ihrer zuvor nie gesehenen Einzigartigkeit von fulminanter Pracht das am Wegesrand versammelte Volk in staunende Bewunderung versetzend, an der Stadt Eisenach vorbei hinauf zur neu erworbenen prachtvollen Burg der nunmehr wettinischen Landgrafen von Thüringen. (…)Albrecht war überwältigt, als er Margaretha ansichtig wurde. Landgraf Heinrich betrachtete das Verhalten seines Sohnes genau und sah jetzt zum ersten Mal in ihm den Mann. Galant, wie er es dem Junker nicht zugetraut hätte, begrüßte der seine künftige Gemahlin und zog gekonnt auch seinen Vater mit ins Gespräch, als er dessen kluge Entscheidung lobte, ihn schon in sehr jungen Jahren mit der Tochter des von ihm hochverehrten Kaisers verbunden zu haben“.

Schon mit dieser ersten Begegnung entsteht zwischen den beiden „Versprochenen“ eine Beziehung, die ein ständiger Quell wechselseitiger Liebe und Achtung bleibt. Selbst die nach langem Thüringer Winter an Melancholie leidende Sizilianerin vermag Albrecht aufzuheitern, wenn er den ersten Sonnenstrahl im kalten Thüringer Winter für einen Ausritt mit ihr nutzt.

Der Autor
Bernd Kaufmann ist 1953 in Berlin geboren und auch dort aufgewachsen. Er lebt heute als selbständiger Unternehmer in der Pfalz.

Fazit
Die wirkliche Geschichte Albrecht II., des Sprosses des Adelsgeschlechts der Wettiner ist einer der parallelen Leitfäden des Buches. Ein weiterer Leitfaden ist das Leben Margarethas von Hohenstaufen auf dem Hof des Thüringer Landgrafen. Es wäre jedoch verfehlt, hieraus zu schließen, das Buch sei ein Roman der  sich darin erschöpfte, die Geschichte der Liebe eines mittelalterlichen Herscherpaares zu beschreiben.; obwohl man zu allen anderen auch diese Essenz ziehen könnte. Der Autor gibt uns aber vielmehr einen Einblick in das Leben im 13 Jahrhundert, das er atmosphärisch vor unserem Auge entstehen lässt. Sanft zwingt uns Bernd Kaufmann dabei, die Geschichte des Landgrafen Albrecht II., der Jahrhunderte lang – wie die Quellen des Romans belegen – zu Unrecht als „der Entartete“ galt, neu zu überdenken.

Weil Margaretha auf einer Reise, die sie unternimmt, um für Ihre Kinder ihr väterliches Erbe zu sichern, in Frankfurt stirbt, wird Albrecht ohne einen Beleg hierfür ein Jahrhundert später als Gattengiftmörder dargestellt. Diesen Rufmord widerlegt „Der Verleumdete“. Der Roman korrigiert damit einen Fehler in der Thüringischen Geschichtsschreibung und rehabilitiert Albrecht II. Denn tatsächlich war Albrecht nicht nur seiner Frau bis zu deren letztem Tag in inniger Zuneigung verbunden, er war auch der Landgraf, der Thüringen einen langen Frieden und Wohlstand bescherte. Nicht ohne Grund beginnt Bernd Kaufmann seine „Historische Biographie“ mit dem Einzug Margareta von Hohenstaufen, der Tochter des letzten Stauferkaisers Friedrich II.

Bernd Kaufmann ist es auch in diesem historischen Roman wieder gelungen, die weiteren Figuren, die er in die Geschichte einbezieht, so auszuwählen, dass uns auch an Hand deren Schicksale und Lebensweisen der Alltag der Menschen im Mittelalter vor dem geistigen Auge entsteht. Wir erfahren vieles über das kirchliche, klerikale Leben, über das Leben der Bauern auf dem Land und der ersten „Handwerker“ in den Städten. Anekdoten, Situations- und Ortsbeschreibungen erwecken diese vergangene Welt zum Leben, ohne dass ein verzerrtes, auf Auflage schielendes Bild gezeichnet würde. Das ist kein Buch für Leser, die nach verfälschter, verherrlichter Zeit lechzen, denn hier werden alle Graustufen des Hochmittelalters sichtbar. Wer nach dem Lesen des Buches aufmerksam und offen durch Eisenach oder zur Wartburg wandert, dem werden die Wurzeln dieses Buches nicht verborgen bleiben.

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4 Kommentare to “Der Verleumdete”

  1. Peter Angerer schreibt:

    Super Rezension !!!!

    Besser hätte eine Empfehlung und damit Kaufentscheidung für mich gar nicht gemacht werden können !

    Sehr gut ! Weiter so !

  2. Margaretha Bacaz schreibt:

    Ausgezeichnete Rezension!
    Mit seiner ausfuehrlichen Darstellung zieht der Autor den Leser in das Milieu dieses historischen Romans, und ich kann es kaum erwarten, das Buch von Bernd Kaufmann zu lesen.
    Ich bin in der Naehe von Thueringen im Westen aufgewachsen und hatte nach dem Fall der Mauer Eisenach und die Wartburg besucht, von der ich in meiner Kindheit so viel hoerte, die uns dann jedoch unerreichbar war. Das Buch ist daher besonders interessant fuer mich, und ich bin gespannt darauf, es zu lesen.
    MB
    5. Dezember 2010

  3. Ilona schreibt:

    Mehr als eine Biographie. Eine Geschichte, die das mittelalterliche Leben der Menschen verständlich und fassbar schildert. Man lernt die historischen Abläufe zu verstehen und versteht gleichzeitig die Motivation der handelnden Personen vor dem Hintergrund und unter den Umständen ihrer Zeit. Eine großartiges Werk, das nicht nur auf Thüringen begrenzt bleibt, sondern die Geschichte des 13. Jahrhunderts des ganzen Heiligen Römischen Reichs umschließt.

  4. Steffen Löbel, Pirna schreibt:

    Beide Bände (Band 2, „Krieg der Söhne“ ist mittlerweile auch erschienen) bieten ein faszinierendes Bild des 13. jahrhunderts – sowohl aus Sicht der Herrschenden als auch aus dem Blickwinkel des einfachen Volkes (Gundula und Gotthold sind meine „Romanlieblinge“).
    Ob ein gut geschriebener Roman ausreicht, um ein historisch entstandenes Zerrbild zu korrigieren, bezweifle ich allerdings. Dennoch muss mal ein Anfang gemacht werden! Für mich war die Lektüre wieder mal Bestätigung, jedes Geschichtsbuch zu hinterfragen.

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