Die Akte Rosenherz

Autorenwertung
  • Spannung
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  • Charaktere
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  • Story
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  • Realismus
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  • Authentizität
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  • Gesamt
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Die Akte Rosenherz (5 CDs)

Miroslav Nemec (Sprecher). Argon Verlag 2010, Audio CD, 5 Seiten, € 19,95

Rezension von: Andreas Kurth | Rezensionsdatum:

Die Akte Rosenherz von

Inhalt
Eine junge Prostituierte wird im Frankfurt des Sommers 1968 brutal ermordet. Ähnlich wie die Edelprostituierte Rosemarie Nitribit hatte Karin Rosenherz Zugang zu höchsten Kreisen von Politik, Wirtschaft und Gesellschaft in der Main-Metropole. Aber anders als der Fall Nitribit ein Jahrzehnt zuvor schlägt der Fall Rosenherz keine bundesweiten Wellen, wird ebenfalls nicht aufgeklärt und irgendwann vergessen.

Privates Glück für Marthaler
40 Jahre später schwebt Hauptkommissar Marthaler förmlich im siebten Himmel. Seine Lebensgefährtin, die temperamentvolle Tereza, erwartet ein Kind von ihm. Er will deshalb seine beruflichen Ambitionen deutlich zurückstecken und sich aus den aktiven Ermittlungen zurückziehen. Seine Vorgesetzten kommen ihm dabei entgegen, Marthaler darf die neue Cold-Cases-Unit in Frankfurt aufbauen, sich also mit der Aufklärung längst zu den Akten gelegter Fälle befassen. Er bleibt dabei allerdings weiterhin formeller Leiter der Ermittlungsabteilung.

Pakt mit dem Teufel
Das Glück ist jedoch nur von kurzer Dauer. Tereza wird bei einem brutalen Überfall auf einen Kunsttransport schwer verletzt, ein Wachmann wird sogar erschossen. Marthaler kocht vor Wut – muss aber zähneknirschend akzeptieren, dass er an den Ermittlungen offiziell nicht teilnehmen darf, wegen persönlicher Betroffenheit. Für den Kommissar mit Leib und Seele ein schier unerträglicher Zustand. Da bekommt er einen Anruf von einem Journalisten, mit dem er unter normalen Umständen nicht reden würde. Aber die Umstände sind nicht normal, und so geht der Kommissar den „Pakt mit dem Teufel“ ein. Er trifft sich heimlich mit Arne Grüther, denn dieser hat Informationen, die den aktuellen Kunstraub mit einem der spektakulärsten unaufgeklärten Fälle verknüpft: Mit der Ermordung der Prostituierten Karin Rosenherz.

Neue Verbündete für Marthaler
Für den Fall Rosenherz interessiert sich auch die Journalistik-Studentin Anna brennend – die Gründe hierfür werden dem Leser bzw. Hörer aber erst am Ende deutlich. Sie hat einen Internet-Alarm an ihrem PC eingestellt, und erfährt so von der Recherche des Kommissars in Sachen Rosenherz. Im Zuge einer Aufnahme-Reportage für die Henry-Nannen-Schule hat Anna in dem ungelösten Mord ermittelt – und durch eine kleine Lüge die komplette Akte Rosenherz aus dem hessischen Staatsarchiv nach Hause bekommen. Die Studentin packt ihr Zelt und die Kartons mit den Akten in ihr Auto und fährt von Hamburg nach Frankfurt. Es dauert nicht lange, und Anna und Marthaler sitzen sich gegenüber. Zunächst fliegen die Fetzen, aber nachdem die Lage geklärt ist, steht fest, dass man gemeinsame Sache macht.

Aktionen mit vollem Körpereinsatz
Durch die neuen Impulse kommen schnell ganz neue Fakten ans Licht, die den Fall in einem völlig anderen Licht erscheinen lassen. Dazu trägt Anna mit einigen Alleingängen und Aktionen mit vollem Körpereinsatz bei, die zwar nicht unbedingt nachvollziehbar, aber amüsant und spannend zu lesen sind. So findet sie beispielsweise den italienischen Kellner, der die Leiche der Karin Rosenherz damals entdeckt hat. Und Marthaler und seine Helferin, die er übrigens als seine Cousine ausgibt, bekommen Zugang zu Beteiligten, die sich lange vor der Öffentlichkeit verborgen hielten. Es gibt einen weiteren Mord, und im dramatischen Finale geraten die Ermittler selbst in Gefahr – vor allem Anna scheut keine Gefahr, um den Mörder von Karin Rosenherz zu fassen.

Fazit
Jan Seghers hat hier einen brillanten Kriminalroman mit interessanten Figuren vorgelegt. Da ist der knorrige, handfeste Kriminalkommissar Marthaler. Ein Polizist mit Leib und Seele, ein Gerechtigkeitsfanatiker, der sich allerdings oft genug selbst im Wege steht. Seine höchst menschlichen Züge machen den Ermittler äußerst sympathisch, vor allem weil er so schön aufbrausend und ungeduldig ist – wie so viele von uns. Dann ist da seine Zufallsassistentin Anna. Endlich mal ein Ermittler-Paar, das nicht gemeinsam im Bett landet.

Anna bringt eine erfrischende, höchst unkonventionelle Note in die zuweilen trockenen und stockenden Ermittlungen. Sie weiß, was sie will, und vor allem, was sie dafür zu tun bereit ist. Ihre wahren Motive dafür erfährt der Leser erst kurz vor dem Ende – wenn er es nicht vorher bereits ahnt. Und dann Arne Grüther – die Karikatur eines Journalisten. Hartnäckig, gut informiert, ungesund lebend, aber immer eine gute Story im Kopf. Anfangs vielleicht unterschätzt, liefert er seinen Part zur Lösung des Falles souverän ab. Pfiffige Dialoge, mürrische Verdächtige und hartnäckige Ermittler ergeben ein lesens-/hörenswertes Buch.

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