Die Brillenmacherin

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Die Brillenmacherin

Titus Müller. Aufbau Taschenbuch 2006, Taschenbuch, 439 Seiten, € 0,47

Rezension von: Brangaene | Rezensionsdatum:

Die Brillenmacherin von

Die Brillenmacherin
Catherine Rowe ist die Frau eines Brillenmachers, von dem sie viel über sein ungewöhnliches Handwerk gelernt hat. Nach dessen Ermordung steht sie vor den Scherben ihrer Existenz. Plötzlich allein und obdachlos versucht sie, sich ein neues Leben aufzubauen und sich am Mörder ihres geliebten Mannes zu rächen. Naiv aber mutig macht Catherine sich auf den Weg, wird vom Strudel der Ereignisse gepackt und mitgezogen.

Während die Brillenmacherin auf der Suche nach der Wahrheit ist und die Gründe für den Tod ihres Mannes wissen möchte, gerät sie in die Hände des Erzbischofs Courtenay. Dieser ist genauso wie Catherine auf einem Rachefeldzug. Sein Ziel sind die Bedeckten Ritter, eine Gruppe von Ketzern, die es im Namen der katholischen Kirche zu zerschlagen gilt.

Die Bedeckten Ritter
Die Bedeckten Ritter haben ein hehres Vorhaben. Zutiefst überzeugt vom christlichen Glauben, wollen sie die lateinische Bibel für das einfache Volk zugänglich machen und in die englische Sprache übersetzen lassen. Auf ihrer Seite ist ein Professor aus Oxford, Nicholas Hereford, der die schon durch John Wyclif begonnene Bibelübersetzung beenden möchte, dafür aber von der Kirche verfolgt wird und geschützt werden muss.

Die Bedeckten Ritter sind eine kleine Gruppe aus dem Hochadel Englands, die sich den Wyclife-Anhängern, die als Häretiker verfolgt werden, angeschlossen haben und im Verborgen an der Reformation der katholischen Kirche arbeiten. Sie sind das Hauptziel von Erzbischof Courtenay, der nichts unversucht lässt, die Bewegung zu vernichten und alle wieder in den Schoß der Heiligen Kirche zurückzuführen.

Mittendrin in diesem Konflikt zwischen Kirche und Ketzern findet sich Catherine wieder, ohne die Hintergründe zu kennen und ohne zu wissen, was die Wahrheit ist. Ahnungslos wird sie zum Spielball der Parteien und muss dennoch Entscheidungen treffen – Entscheidungen, die über ihr Leben bestimmen. Und dabei wird immer deutlicher: Die Ermordung ihres Mannes steht in direktem Zusammenhang mit den Ereignissen – dem Glaubenskrieg zwischen Courtenay und den Bedeckten Rittern.

Fazit
Einer der zurzeit typischen Historischen Romane möchte man meinen – mit einer heldenhaften und schönen jungen Frau in der Hauptrolle, die allein gegen einen übermächtigen Gegner ankommen muss. Glücklicherweise hat das Buch doch das Potenzial, sich von der Masse an ähnlichen Büchern abzuheben.

Der Kampf zwischen der Kirche und den als Ketzern verfolgten Anhängern Wyclifs (Lollarden) ist gut recherchiert und überraschend tiefsinnig und detailreich dargestellt. Die Reformbewegung ist wesentlicher Bestandteil des Buches und steht im eigentlichen Mittelpunkt. Sie ist nicht nur Hintergrund, nicht nur Legitimation für eine abenteuerliche und unterhaltende Handlung.

Catherine, die Bedeckten Ritter, Courtenay und alle anderen Figuren sind erfrischend menschlich beschrieben. Es gibt nicht die „Bösen“ und die „Guten“, kein Schwarz-Weiß. Stark und schwach, naiv und klug, loyal und verräterisch, lieben und hassen – jede der Figuren muss mit einer Vielzahl unterschiedlicher Gefühle zurechtkommen, Entscheidungen sind nie einfach und nicht selten falsch.

Das ganz große Plus des Buches ist aber die Sprache. Der Autor versteht es, den Leser mitzureißen und die Handlung genauso wie die Figuren lebendig zu gestalten. Bildlich und trotzdem nicht schnörkelhaft, klar und trotzdem nicht langweilig ist die Erzählweise. Die „Brillenmacherin“ lässt sich angenehm leicht und gleichzeitig genussvoll lesen.

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