Die Capitana

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Die Capitana

Stefanie Gerhold (Übersetzer). Insel Verlag 2011, Gebundene Ausgabe, 331 Seiten, € 14,90

Rezension von: Ratte | Rezensionsdatum:

, Die Capitana

Elsa Osorio erzählt aus dem Leben der Micaela Etchebéhère, eine gebürtige Argentinierin, die im spanischen Bürgerkrieg kämpfte und dabei  als einzige Frau jemals eine Einheit führte,  Capitana war. Befreundet mit fast allen revolutionären Gestalten des 20. Jahrhunderts, aktiv in vielen Kämpfen und bis zu ihrem Tod mit über 90 Jahren politisch interessiert und aktiv, ist diese wichtige Zeitzeugin heute nahezu vergessen. Osorios Roman will das ändern.

Inhalt

Micaela, kurz Mika genannt, wurde in Moises Ville in Argentinien als Tochter einer Familie jüdische-russischer Einwanderer geboren. Sie trotzt ihrer Familie die Erlaubnis ab, in Buenos Aires Zahnmedizin studieren zu dürfen. Mit nicht einmal 18 Jahren taucht sie ein in die Welt der politisch interessierten, revolutionär gesinnten Studenten, der jungen Weltverbesserer ein, wird selbst Anarchistin, steht in ihren Anschauungen Trotzki nahe.

In diesem Kreis lernt sie den Franzosen Hipólito Etchebéhère kennen, heiratet ihre große Liebe. Ihre Ziel, aktiv an den Kämpfen des sich stark verändernden jungen Jahrhunderts teilzunehmen, werden von Hippos Krankheit überschattet. Er leidet an Tuberkulose. Aus der Kommunistischen Partei werden beide wegen ihrer Nähe zu Trotzki bald wieder ausgeschlossen. In ihrer Gesinnung sind sie jedoch unerschütterlich.

Nach dem Abschluss ihrer Studien reist das Paar durch Patagonien, den rückständigen Süden Argentiniens. Mika arbeitet als Ärztin, eigentliches Ziel ist jedoch die Dokumentation eines blutig von der Reaktion niedergeschlagenen Aufstandes der Schafhirten. 1931 zieht es beide nach Europa, 1932 sind sie in Deutschland und erleben den Aufstieg der Nationalsozialisten mit, 1933 leben sie in Frankreich, 1936 in Spanien.

Beide werden Mitglied in der POUM und greifen aktiv in den Kampf gegen die Diktator Franco ein. Im bewaffneten Kampf ist Mika zuerst in der üblichen Rolle der Frau als Melderin, in der Küche und bei der Wäsche. Nach dem Tod ihres Mannes übernimmt sie trotz ihrer großen Trauer nach und nach dessen Aufgaben als Befehlshaber. Sie wird zur Capitana.

Nach dem Sieg der Faschisten flieht sie zuerst nach Frankreich und von dort zurück nach Argentinien. Nach dem Krieg wird Frankreich ihre Heimat und noch einmal sieht man die nun ältere Dame auf den Straßen, auch im Mai 1968 kann sie nicht von den Barrikaden lassen. Mit über 90 Jahren stirbt Mika in Frankreich, ohne ihrer Gesinnung und ihrem Glauben an eine bessere und gerechtere Welt jemals untreu geworden zu sein.

Fazit

Eine Zeitzeugin des an Umbrüchen und Kriegen so reichen 20sten Jahrhunderts, eine Kommunistin, eine emanzipierte Frau, eine mutige Kämpferin, Schriftstellerin, Journalistin, Freundin so vieler großer Männer und Frauen  – und doch nahezu vergessen.

Elsa Osorio erzählt – nicht chronologisch – Begebenheiten aus dem Leben dieser Frau, lässt sie selbst zu Wort kommen, zeichnet ihr Porträt aus vielen Begebenheiten und vermittelt uns so ganz nebenbei auch die geschichtlichen Fakten, die wir eigentlich wissen müssten. Kein Krimi, kein Blockbuster, nur mäßig spannend – aber durchaus ein lesenswerter biographischer Roman.

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