Die Eleganz des Igels

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Die Eleganz des Igels

Gabriela Zehnder (Übersetzer). dtv Verlagsgesellschaft 2009, Taschenbuch, 384 Seiten, € 9,90

Rezension von: Ratte | Rezensionsdatum:

Die Eleganz des Igels von

Inhalt
Der zweite Roman der französischen Autorin entpuppte sich 2007 überraschend als Bestseller, wurde mehrfach ausgezeichnet und mittlerweile in 31 Sprachen übersetzt. Der Plot ist ungewöhnlich, er kommt bis fast ganz bis zum Schluss ohne dramatische Wendungen aus und ist trotzdem ein amüsantes und dabei absolut nicht anspruchsloses Lesevergnügen. Renee ist Concierge in der Rue de Grenelle 7. In diesem Haus wohnen Minister, Journalisten und Industrielle, die Wohnungen sind 400 Quadratmeter groß, man hat Katzen als bewegliche Dekorationsgegenstände, wählt sozialistisch und zahlt der Putzfrau acht Euro die Stunde.

Renee durchschaut die Verlogenheit der sogenannten urbanen Elite genau, erkennt Hohlheit hinter der Attitüde und Dummheit und Ignoranz hinter dem Geschwätz. Renee ist 54 Jahre alt, Witwe, seit 27 Jahren Concierge und hat es all die Jahre glänzend verstanden, sich dem Klischee ihres Berufsstandes anzupassen. Sie erscheint faul, hässlich, einsilbig, ungesellig und kratzbürstig wie ein Igel. In Wahrheit hat Renee jedoch ein zweites Leben, sie liest Husserl und Kant, hört Mozart und liebt japanische Filme. Der Fernseher läuft nur, um die erwartete Geräuschkulisse zu liefern, wenn einer der Hausbewohner die Halle betritt. Ihr Kater heißt Leo nach Tolstoi, ihrem erklärten Lieblingsschriftsteller und auch die Autorin spart nicht mit Anspielungen auf den Russen. Neben der intellektuellen Weiterbildung, der sich Renee ganz gezielt unterwirft, widmet sie sich auch dem Beobachten und „Sezieren“ der Hausbewohner, die sich selbst als Elite sehen, dem Anspruch aber so gar nicht gerecht werden.

Auch Paloma, ein 12-jähriges Mädchen aus dem 4. Stock, sieht das so. Für das hochintelligente Mädchen scheint es keine alternative Lebensführung zu geben als die, die alle von ihr erwarten und selbst erfüllen, das, was „im Goldfischglas“ endet. Da sie für sich keine andere Möglichkeit sieht, aber an dem verlogenen Rattenrennen nicht teilnehmen will, beschließt sie, sich an ihrem 13. Geburtstag umzubringen. Bis dahin schreibt sie „tiefgründige Gedanken“ in ihr Tagebuch. Die Fassade der Concierge bekommt Risse, als ein neuer Mieter einzieht. Er ist der erste, der sich Renee genauer ansieht und auch hört, was sie sagt. Und Renee war unvorsichtig, der kultivierte Japaner, der noch dazu den Namen ihres Lieblingsregisseurs trägt, hatte sie verwirrt. Renee wird durchschaut von Mr. Ozu, und dann auch von Paloma. Doch als man sich gerade angenähert hatte, geschieht etwas Unerwartetes.

Die Autorin
Muriel Barbery wurde 1969 in Marokko geboren, wuchs in Frankreich auf und studierte dort Philosophie. Sie arbeitete in der Provinz als Lehrerin, ist Philosophieprofessorin und lebt jetzt in Kyoto, weil der finanzielle Erfolg, besonders ihres zweiten Buches „Die Eleganz des Igels“, es ihr ermöglichte, sich beurlauben zu lassen und nach Japan zu ziehen.

Fazit
„Die Eleganz des Igels“ ist ein amüsanter Roman, die Entlarvung der Hohlheit der Reichen macht Spaß, eine Szene beim Dessouskauf ist fast Slapstick. Die genau beobachteten Charaktere sind lebendig, facettenreich und psychologisch stimmig. Man hat das Gefühl, dass Muriel Barbery beim Entwerfen ihrer Protagonisten genau so viel Freude an ihnen hatte wie der Leser des Romans. Und so ganz nebenbei lernt man eine Menge über Tolstoi, japanisches Kino, Mangas und die Kunst des Haiku. Nicht eben wenig für ein luftigleichtes Sommervergnügen.

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