Die Ermordung einer Butterblume: Gesammelte Erzählungen

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Die Ermordung einer Butterblume

Heinz Drügh (Nachwort). FISCHER Taschenbuch 2013, Taschenbuch, 656 Seiten, € 10,99

Rezension von: Ragan Tanger | Rezensionsdatum:

Alfred : Die Ermordung einer Butterblume: Gesammelte Erzählungen

Ein großes Wurf expressionistischer Literatur

Die Religionszugehörigkeit einer berühmten Persönlichkeit hat im aufgeklärten Abendland heutzutage nicht mehr diese große Bedeutung; noch wenigen Jahrzehnten führte sie hingegen zum Verbot vieler Ehen. Wenn man heutzutage nicht gerade Tom Cruise heißt und für verrückte Sekten propagiert, ist das kalter Kaffee von gestern. In jenen Zeiten aber sorgte die Konversion des jüdischen Schriftstellers Alfred Döblin zum Katholizismus 1941 für Missstimmung und ist – laut Expertenmeinung – einer der möglichen Gründe für die Missachtung dieses hochtalentierten Künstlers in der Literaturszene.

Allenfalls sein Jahrhundertroman Berlin, Alexanderplatz findet seit jeher wohlwollenden Anklang bei Kritikern und Publikum, seine weiteren Schriften lagen und liegen größtenteils in der Vergessenheit. Denn wenn sich ein politisch linker Jude auf die Seite der Erzkonservativen schlägt, kostet das schon eine Menge Sympathiepunkte. Stellvertretend dafür Bertolt Brechts Reaktion auf Döblins Konversion: ein Gedicht mit dem Titel Peinlicher Vorfall.

Nun sollte als aber genug sein mit derart eigensinnigen Ansichten, Döblin darf und soll endlich dem breiten Publikum wieder vorgestellt werden. Der Fischer-Verlag, der gleichzeitig schon zwischen 1914 und 1933 seine literarische Heimat gewesen ist, bietet einem seiner renommiertesten Künstler nun ein goldenes Forum in Form zahlreicher Neuauflagen.

Die Ermordung der Butterblume und andere Erzählungen der gleichen Zeit gehören zu Döblins Frühwerk und zählen gleichzeitig zu den Anfängen des literarischen in Deutschland. Ein ausuferndes Attribut, das sich am ehesten dadurch charakterisieren lässt, dass Sprachstil und Konstruktion des Inhalts, nun ja, eben den Bedingungen der Moderne entsprechen. In Döblins Fall heißt das: Montage statt Erzählkunst und darin verbaute Dauer-Kritik an der bürgerlichen Gesellschaft.

In Döblins jungen Jahren – seinem persönlichen Sturm und Drang – bringt sich in den meisten seiner Erzählungen nun alles und jeder um, wer irgendwie als Protagonist in Erscheinung tritt. Nicht als morbide Suizidveranstaltung, sondern vielmehr als Kapitulation von den Bedingungen des 20. Jahrhunderts. Die Geschichten sind dementsprechend nervenaufreibend, pathologisch, radikal und vor allen Dingen emotional berührend.

Dem Fischer-Verlag ist es gelungen neben dem ursprünglichen Erzählband sämtliche zu Lebzeiten veröffentlichten Erzählungen mit einzupacken sowie einige bislang aus dem Nachlass noch gar nicht veröffentlichte Geschichten. Das Ganze ergibt dann ein Rundum-Glücklich-Paket mit über 650 Seiten konzentrierter Schreibkunst. Obendrein ein sehr lesenswertes Nachwort und eine Biographie.

Fazit:

Döblin war vielseitig: Studierter Nervenarzt, Drehbuchautor in Hollywood, Gründer literarischer Zeitschriften und Gesprächskreise sowie literarischer Ausdrucksmeister. Seine Erzählungen sind hochexplosiv, historisch wertvoll und zeitlos bedeutend. Auch wenn ihm zu Lebzeiten die Anerkennung größtenteils versagt geblieben ist, heißt das nicht, ihn posthum neu oder wieder zu entdecken. Die Neuauflagen im Fischer-Verlag sind der beste Start ins neue Döblin-Zeitalter. Unbedingt empfehlenswert!

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Ein Kommentar to “Die Ermordung einer Butterblume: Gesammelte Erzählungen”

  1. Sandra schreibt:

    Ich finde dass die Art und weise wie er schreibt sehr schwer zu lesen ist. Berlin Alexanderplatz ist noch schlimmer.

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