Die Geliebte des Diktators

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Die Geliebte des Diktators

Thomas Wollermann (Übersetzer). Insel Verlag 2006, Gebundene Ausgabe, 331 Seiten, € 1,75

Rezension von: Kokoro | Rezensionsdatum:

Die Geliebte des Diktators von

Hintergrund
Das Buch ist von der recht unbekannten US-Autorin Lily Tuck (geboren 1938 als Tochter deutscher Emigranten in Frankreich, Lily Tuck hat Teile ihrer Kindheit in Peru und Uruguay verbracht) geschrieben worden. Es wurde unter dem englischen Originaltitel „The News from Paraguay“ im Jahr 2004 veröffentlicht und hat in den USA 2009 den National Book Award erhalten. In Paraguay, wo dieser historische Roman spielt, wurde es nach vielen Diskussionen und Schwierigkeiten erst Ende 2009 veröffentlicht. Da Lopez für die Paraguayer einer der wichtigsten Präsidenten war (obwohl er dem Land sehr geschadet hat), ist dies nicht sehr verwunderlich. Noch heute gibt es in jeder paraguayischen Stadt mindestens eine Straße, die „Avenida Lopez“ heißt, und auch „Madame Lynch“ ist in Asuncion eine Straße gewidmet (sie kreuzt die Prachtstraße Avenida Mariscal Lopez an einer Stelle). Für die Paraguayer ist es daher ein sehr wichtiges und sensibles Thema.

Inhalt
Das Buch beschreibt sowohl die Beziehung der irisch-französischen Dame gehobenen Stande „Eliza Alicia Lynch“ mit dem paraguayischen Politiker, Präsident und Diktator Francisco Solano Lopez im Paraguay des 19. Jahrhunderts als auch den Ursprung und Verlauf des für Paraguay fast komplett zerstörerischen Chacokriegs von 1864 bis 1870. Lynch verlässt das damalige moderne Europa, um Lopez ins rückständige Paraguay im Zentrum Südamerikas zu folgen und seine Geliebte zu werden. Das Buch ist als eine Art Tagebuch geschrieben, in dem Lynch ihre Beobachtungen niederschreibt und auch von Lopez und seinen Handlungen berichtet.

Fazit
Obwohl Lily Tuck viel Phantasie in das Buch einfließen lässt und natürlich nicht alle Handlungen und Personen so existiert haben, orientiert sie sich weitestgehend an historischen Tatsachen. Dafür hat sie sehr ausführlich recherchiert und zeichnet auf diese Weise ein sehr brutales, aber sicherlich der Wahrheit sehr nahekommendes Bild der Kriegssituation in Paraguay. So liest sich daher eine für heutige Leser eher unbekannte ferne historische Welt doch sehr spannend – kein Wunder, dass dieses Buch in zahlreiche Sprachen übersetzt wurde.

Etwas störend fand ich die – trotz der Tatsache, dass der sehr renommierte Insel Verlag sich des Buches angenommen hat – doch teilweise etwas ungenaue Übersetzung sowie die Tatsache (jedoch der Autorin „geschuldet“, da dies im amerikanischen Original genauso ist), dass im Buch Wörter und Sätze auf Französisch sowie auf Spanisch und Guarani (die zweite Sprache Paraguays) vorkommen, die weder in einem Glossar erläutert werden noch in einer Fußnote und auch im Folgetext nur selten übersetzt oder zumindest in ihrer Bedeutung zusammengefasst werden. Wenn man diese Sprachen nicht kann (was bei Guarani sicherlich bei 99 Prozent der Leser der Fall sein dürfte), kann man den Inhalt des Buches zwar dennoch problemlos verstehen, aber es gehen interessante Details verloren.

Dies ist sehr schade, da gerade eine Erläuterung der typisch paraguayischen Begriffe wie beispielsweise „Chipa“ (ein typisch paraguayisches Käsegebäck, Seite 247) oder „Lapacho“ (eine Baumart, Seite 122) dem Leser das Land Paraguay noch besser hätte näherbringen können. Alles in allem jedoch eine sehr gute, spannende und lehrreiche Lektüre für alle, die sich für Historienromane interessieren und eines der wenigen Bücher im europäischen Raum über Paraguay.

Eine ergänzende Anmerkung zum Schluß: Die Buch-Qualität des hier rezensierten Hardcover-Titels aus dem Inselverlag ist – wie immer bei diesem Verlag – wirklich gut. Die ebenfalls gesichtete amerikanische Paperbackausgabe (ISBN 0060934867, Perennial-Verlag, eine Tochter des doch sehr renommierten HarperCollins Publishers)  ist jedoch von unglaublich schlechter Qualität (dicke, stark wasserabsorbierende Seiten, weicher Papiereinband, keine wasserabweisende Hochglanzqualität und sehr schlechte Bildqualität auf dem Cover) – und das für einen Original-Ladenpreis von USD 13,95. Selbst ein einmaliges vorsichtiges Lesen schadet dem Buch sehr.

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Ein Kommentar to “Die Geliebte des Diktators”

  1. mario schreibt:

    Super und autentisch.Habe selbst meine Kindheit in Argentinien, Paraguay und Brasilien erlebt. Super!!

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