Die Kunst des Nichtdenkens

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Die Kunst des Nichtdenkens

Nora Bierich (Übersetzer). Pendo 2013, Gebundene Ausgabe, 240 Seiten, € 16,99

Rezension von: Ragan Tanger | Rezensionsdatum:

R. Koike: Die Kunst des Nichtdenkens: Durch Gelassenheit mehr Glück im Alltag

Ich denke, also leide ich

Gar nicht so leicht, wie es auf den ersten Blick erscheinen mag, ist die Vorstellung ein Buch über das Nicht-Denken zu schreiben. Denn das Schreiben, das Sammeln, Sichten, Ordnen und Klären der Gedanken ist ja gerade die Tätigkeit der Autoren; das heißt also: sie schreiben über eine Sache, die Sie gerade selber tätigen; und rufen gleichzeitig dazu auf, dass die Leser diese Sache nicht unterlassen, aber doch so gut es geht einschränken mögen. Aber irgendwie muss man es ja auch sagen: Wenn man jemanden bitten will, ruhig zu sein, muss auch das erst in Worten und Gedanken formuliert werden. Menschliche Paradoxie, was willst du mehr.

Der Japaner Ryunosuke Koike stammt aus einer alten Priesterfamilie und ist so seit jeher dem spirituellen Wissen zugeneigt und nicht den Bits und Bytes, wie im Land der untergehenden Sonne ja auch gut möglich. Nach seinem Studium ist er mittlerweile Oberpriester in einem Tempel geworden, leitet Zazen-Kurse, besitzt aber auch ein Cafe. Damit ist für den Stil seines Buches schon so einiges gesagt. Plauderton trifft Oberlehrer, gemütliches Ambiente verbindet sich mit asketischem Denken.

Das Tollste an dem Buch, das bei Pendo erschienen ist, sind sicherlich das Format, der Einband, das Cover, der Duft, die japanischen Schriftzeichen an den Seitenrändern, das Leseband, also kurz: Äußerlichkeiten, die ganz sanft und verführerisch auf den Betrachter wirken und bescheiden wie japanische Zuschauer in einem Fußballstadion, die keinen Müll hinterlassen, zum Verweilen laden.

Inhaltlich ist dieses Buch die tausendste, nein, hunderttausendste, nein, millionste… äh, geht’s noch weiter? Es ist auf jeden Fall die zigste Zusammenfassung buddhistischer, allgemein östlich spirituellen Gedankengutes und da spielt das Nicht-Denken – der geklärte Geist – nun mal eine herausragende Rolle, so auch in diesem Buch: Menschliche Verblendungen, die wirkliche Ausrichtung des Geistes, die Stärkung der Sinne, das Tun, um des Tun willens, ein paar Regeln zum Essen, Aufräumen und Erziehen. Bisweilen – typisch asiatisch – alles andere als easy going, sondern strikt und streng. Das hat der abendländische Mainstream mittlerweile übernommen und so zirkuliert sein altes christliches Gewissen am Rande von Ernährung und Ökologie; immerhin: auch hier sündigt und büßt er ohne Unterlass.

Das Tollste an dem Buch ist das abschließende Gespräch zwischen dem Autor und einem Neurobiologen, das viel entspannter und erhellender als der Rest des Textes daherkommt. Wo mal jemand ganz offen ausspricht, wie widerlich die Idee ist, die Neurobiologie als Speerspitze der modernen Medizin anzusehen und Lebenswirklichkeiten als Gehirnphänomene zu apostrophieren. Toll!

Irgendwie auch toll sind für habgierige Westmenschen so manche Anekdoten im Verlauf des Buches: wie Koike sein Fahrrad jedes Mal unabgeschlossen in seinen Garten stellt und es immer wieder geklaut wird. Verlust, Weggeben – macht doch nichts. Der erleuchtete Geist hat viel meditiert und sich von solchen Gedankenzwängen befreit.

Fazit:

Natürlich sind der Großteil der Lehren und praktischen Umsetzungsideen toll, sagenhaft toll. Und ja, es stimmt, dass Denken ist größtenteils eine Krankheit. Wer das noch nicht weiß, kaufe dieses wirklich schöne Buch! Alles andere, und derer gibt es viele, wissen das längst, setzen es nur zu selten um. Da hilft dann auch kein Buch mehr.

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