Die Legenden der Väter: Eine Suche.

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Die Legenden der Väter

Kolja Mensing. Aufbau Verlag 2011, Gebundene Ausgabe, 234 Seiten, € 18,99

Rezension von: Kowalska | Rezensionsdatum:

Die Legenden der Väter: Eine Suche von

Der junge Berliner Autor Kolja Mensing, Jahrgang 1971, hat ein gut lesbares, interessantes Buch geschrieben.
Es passt thematisch in das „Grenzgänger“-Programm der Robert-Bosch-Stiftung, die Forschungsreisen nach Mittel-, Ost- und Südosteuropa unterstützt. So konnte er seine Recherchen in Polen fortsetzen, um seinem lange verschwiegenen und geheimnisumwitterten Großvater auf die Spur zu kommen.

Unter der alten Adresse, die jener Józef Kozlik auf einem längst vergilbten Briefumschlag angegeben hatte, den sein Enkel nun sorgsam verwahrt in des Vaters Zigarrenkiste mit sich führt – nebst einem Vermächtnis von Kindheitserinnerungen aus den fünfziger Jahren, das zunehmend fragwürdige blinde Flecken aufweist, begegnet er Anna, der noch lebenden jüngeren Schwester des Großvater-Phantoms.
Mit ihrer Hilfe gelingt es ihm, zu den Ursprüngen und Motiven der Legendenbildung um den früh abwesenden Vater seines Vaters zurückzukehren.

Im Schatten des Großvaters

Im Kern handelt dieses Buch von dem Verhältnis zwischen Deutschen und Polen und spannt den Bogen von der Teilung Oberschlesiens 1921 über die Zeit des Zweiten Weltkriegs und der Besatzungsmächte bis hin zur Gegenwart.
Dieses spannungsreiche Verhältnis wirft lange Schatten und führt in der Generation der Enkel zu offen gebliebenen Fragen, die eigene Identität betreffend, den Versuch, sich selbst zu verorten. Denn überliefert wurde auch das Schweigen über Tabuthemen. Heldenmythen wurden konstruiert, in Mensings Erzählung schrittweise wieder demontiert.
Er zeigt sich dem Leser als Suchender, der manchmal über der Vergangenheit die Gegenwart zu vergessen droht.
Erleichtert kehrt man dann mit ihm zurück. Der Krieg ist vorbei. Wir sitzen mit am Tisch in Lubliniec, wenn Anna mit dem Bleistift eine Landkarte ins Notizbuch zeichnet, die Niederlande und Deutschland und einen stilisierten Fallschirmspringer, der bei Arnheim hinter den feindlichen Linien abspringt, auf das Strichmännchen deutet und erklärt: „Das ist Józef.“

Über den Autor und sein Werk

Weitere Veröffentlichungen von Kolja Mensing sind im Verbrecher Verlag erschienen: „Minibar“ (Erzählungen  Berlin 2007) und (zusammen mit Robert Thalheim) „Moschee DE“ (Berlin 2011)  sowie bei Kiepenheuer & Witsch: „Wie komme ich hier raus? Aufwachsen in der Provinz“ (Köln 2002).
Ausführliche Informationen über Leben und Werk des Autors findet man auf seiner Homepage www.koljamensing.de, mehr über den Hintergrund des Grenzgänger-Programms unter www.bosch-stiftung.de/grenzgaenger.

Fazit

Aus der Verbindung von persönlichem authentischen Material, geschichtswissenschaftlichem Fachwissen und der Recherche
vor Ort ist es dem Autor gelungen, Personen, die nicht mehr leben, lebendig werden zu lassen an Orten, die es nicht mehr gibt.
Das Buch ist empfehlenswert für Leser, die sich für Lebensgeschichten von Menschen in Grenzgebieten interessieren, wobei man themenbedingt mit längeren Passagen über militärische Handlungen und Kriegsgerät rechnen muss, die auch sprachlich etwas schwer verdaulich wirken. Dann erleichtert gerade noch rechtzeitig der Perspektivwechsel, etwa der Sprung in die BRD 1973.

Ich werde es ein zweites Mal lesen.

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