Die Madonna im Pelzmantel

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Die Madonna im Pelzmantel

Ute Birgi (Übersetzer). Dörlemann 2008, Broschiert, 254 Seiten, € 3,33

Rezension von: Ratte | Rezensionsdatum:

Sabahattin Al: Die Madonna im Pelzmantel
2007 erschien in der „Türkischen Bibliothek” des Unionsverlages Sabahattin Alis  Istanbul-Roman Der Dämon in uns, im 2008 der zweite ins Deutsche übersetzte Roman des hierzulande leider immer noch weitgehend unbekannten Autors  Die Madonna im Pelzmantel. Auch in der Türkei gehörte Ali Jahrzehnte lang nicht zum Literaturkanon, wegen seiner abenteuerlichen, nicht konformen Lebensgeschichte.

Inhalt
Die Madonna im Pelzmantel ist ein Großstadtroman. Eingebettet wird die Liebesgeschichte zwischen dem Sonderling Raif Effendi und der deutschen Jüdin Maria Puder in eine Rahmenhandlung, einen „Büroroman“. Der Ich-Erzähler, ein arbeitslos gewordener Büroangestellter, erhält durch Protektion eine neue Arbeit in einem Büro, das er sich mit einem älteren Übersetzer teilt. Dieser Raif Effendi, von Kollegen und Vorgesetzten schikaniert, unterbezahlt und unterfordert, ist eigentlich ein begnadeter Übersetzer, aber seltsam lebensuntüchtig. Sein Büropartner beginnt sich für diesen unspektakulären Menschen zu interessieren, hinter dessen Passivität er eine Geschichte wittert, was sich bestätigt, als er dem häufig erkrankten Kollegen Material aus seinem Schreibtisch nach Hause bringt. Darunter ist zum Schluss auch ein schwarzes Heft mit Raif Effendis Liebesgeschichte.

In den 20er Jahren war dieser Raif Effendi von seinem Vater nach Berlin geschickt worden, um die Duftseifenproduktion zu erlernen. Der junge Türke, ziellos und schüchtern, wendet sich jedoch eher der Kunst zu als den profanen Dingen wie etwa der Seifenherstellung. In einer Ausstellung, die er besucht,  fasziniert ihn das Selbstportrait einer Künstlerin als Madonna im Pelzmantel. Immer wieder steht er vor dem Bild, erkennt jedoch die Künstlerin, die Jüdin Maria Puder, nicht, als sie ihn anspricht. Trotzdem kommt es zu einer Beziehung zwischen den beiden, die nicht an ihrer kulturellen Unterschiedlichkeit leidet, beide sind moderne Großstadtmenschen, sondern eher an den hohen Erwartungen an die Liebe, die der Wirklichkeit nicht standhalten, an der Schwierigkeit, die Distanz zu überwinden, an den Fragen, was Liebe eigentlich sei.

Spröde erzählte Liebesgeschichte
Die sehr spröde, trocken und zurückhaltend erzählte Liebesgeschichte birgt Sätze über die Liebe, die man sich als Leser auf rote Zettel herausschreiben möchte. „Ich hatte noch nicht begriffen, dass das wirkliche Leben nie so wunderbar sein kann wie unsere Träume”, kommentiert Raif Effendi seine Liebe, die scheitern muss an seiner Unsicherheit, seiner Einsamkeit und seiner Unfähigkeit, in dieser Welt irgendwie zuhause zu sein. Auch Maria, die stärkere von beiden, kommentiert das Scheitern ihrer Liebe nach der ersten gemeinsam verbrachten Nacht: „Ich hatte tatsächlich geglaubt, dass ich, wie von einer Zauberhand berührt, ganz und gar verändert würde, dass ich mich tief in meiner Seele unschuldig wie ein kleines Kind und gleichzeitig stark genug fühlen würde, um mein Leben zu meistern, kurz, dass ich mich heute Morgen beim Erwachen in einer völlig neuen Welt wiederfinden würde.”

Eine gemeinsame Zukunft gelingt den beiden nicht. Raif Effendi gibt sein Leben auf, in dem er sowieso nie wirklich angekommen war und ergibt sich seiner Melancholie, dem „Hüzün“, das Orhan Pamuk als Istanbuler Gefühl klassifiziert. Bei lebt Hüzün im Berlin der 20er Jahre, einer Metropole im Schatten kommenden Unheils. Die Madonna im Pelzmantel erschien zuerst 1940/41 als Fortsetzungsroman in einer Zeitung und 1943 in Buchform, das Berlin der 20er Jahre existierte da schon nicht mehr.

Fazit
Ein Roman über die Liebe, oder besser darüber, dass Liebe nicht gelingen kann, wenn man zu viel von ihr erwartet. Ein Roman über Melancholie, über das Leben im Schatten verpasster Gelegenheiten – aus der Feder eines verkannten türkischen Literaten, aber trotz so viel Negativen ein ganz wunderbarer, bitter-süßer Roman.

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