Die Party bei den Jacks

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Die Party bei den Jacks

Thomas Wolfe. JUMBO Neue Medien & Verlag GmbH 2012, Audio CD, 1 Seiten, € 9,90

Rezension von: Ragan Tanger | Rezensionsdatum:

: Die Party bei den Jacks

Das Feuer des Hedonismus 

Postum veröffentlicht nennt man Werke, die nach Lebzeiten des Autors auf den Markt gebracht werden. Bei dem an den großen Gatsby erinnernden Werk, Die Party bei den Jacks, liegen gut sechzig Jahre zwischen Tod des Autors und Erstveröffentlichung des Werkes.

Ein Werk, das einen großen amerikanischen Schriftsteller zeigt, der an Tuberkulose mit weniger als vierzig Jahren starb und dessen Erben sich über einen Großteil der Meriten freuen können, die der Künstler zeitlebens in diesem Maße nicht erhielt.

Aus seinem großen Fundus also stammt dieses gesellschaftskritische Meisterwerk, das nun bei als veröffentlicht wurde.

So wie das Buch anfängt, so weist es dem Hörer den Weg, den er zwar nicht zu kennen scheint, der aber deutlich und gewissenhaft skizziert werden soll. Die Morgentoilette, das räumliche Ambiente, die Kleidung, die wohlfeinen egozentrischen Gedanken der beiden Protagonisten Mr. und Mrs. Jack werden beispielslos in die Länge gezogen, werden wie ein Kaugummi (aber ein frischer, ein feiner, ein edler) in die Länge gezogen.

Wie die Zahnbürste mit ihren Borsten das Zahnfleisch massiert, wie der wohlfeile Geruch des Rasierwassers sich auf der Haut von Mr. Jack niederwirft, Details über Details einer Lebensweise, die das zwanzigste Jahrhundert in ihren Grundfesten erschüttern ließen und es zu dem machten, was das 21. Jahrhundert – zwar ungewollt und scheinbar konterkarierend – zementiert.

Der Hedonismus der geschäftigen Ökonomie, die Lebensweise der besseren Gesellschaft.

So geht das nicht nur ein paar Einstiegszeilen, sondern in Hörbuchform einhundert (!) Minuten lang. Nur ein einzelner Morgen mit vierzig Anzügen zum Auswählen, Haushälterinnen und einer typisch biederen Konversation zwischen Hausherr und –dame.

Nichts weiter als die Zeit vor der Party, diese selbst und das am Ende resultierende Chaos in Form eines Feuers werden minutiös beschrieben. Eine Form bürgerlichen Realismus, weitab seiner deutschen Pendants, vielmehr gespickt mit scharfzüngigem Witz und beißender Satire. 

Der Akribie sprachlich auf der Spur ist Sprecher Matthias Brandt, den man trotz seiner schauspielerischen Meriten zunächst mal als Sohn des früheren Bundeskanzlers Willy Brandt deklarieren muss.

Doch schicke Namen alleine reichen nicht aus, um sich mit dem deutschen Hörbuchpreis schmücken zu dürfen, den Brandt 2010 erhalten hat und dessen Fähigkeiten folgerichtig als erstklassig eingestuft werden und nach dem Hörerlebnis dieses Buches auch als solche verifiziert werden können.

Fazit:

Vier CDs, ein kleines Booklet und das Vermächtnis eines Autors, der als letztes von acht Kindern in bescheidenen Verhältnissen aufwuchs und es rein metaphorisch vom Tellerwäscher zum Millionär brachte, hätte sein frühes Ableben nicht dazu geführt, dass der just bekannt gewordene Schriftsteller ein jähes Ende fand.

Doch immerhin hatte er es da längst zum Dozenten an der Harvard-Universität gebracht und eine große Anzahl wegweisender und poetisch zartschmelzender Romane verfasst.

Viele davon erschienen erst nach seinem Tod, die Party bei den Jacks ist das vielleicht eindringlichste, künstlerisch wertvollste und dichteste Vermächtnis eines gewieften Beobachters seiner Zeit.

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