Die Prophetin

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Die Prophetin

Manfred Ohl (Übersetzer). Fischer 2004, Taschenbuch, 640 Seiten, € 9,99

Rezension von: Kokoro | Rezensionsdatum:

Die Prophetin von

Inhalt
Catherine Alexander, 36jährige Archäologin, findet bei ihren Ausgrabungen im Sinai sechs Schriftrollen im lange verschütteten sogenannten Mirjam-Brunnen. Auf der Suche nach Beweisen, dass im Christentum in der Vergangenheit nicht nur Männer an der Macht waren, glaubt sie, in diesen Schriftrollen wertvolle Hinweise für diese Theorie gefunden zu haben. Sofort gehen die Informationen über den Fund, weil ein Beteiligter die Sache nicht wie abgesprochen geheim hält, in die Welt hinaus und ein privater Sammler, der Multimilliardär und Computerunternehmer Miles Havers, ein ehemaliger Hippie, will die Schriftrollen unbedingt in seinen Besitz bekommen. Dafür schickt er 2 Killer los und beauftragt parallel seinen angestellten Hacker, Teddy Yamaguchi, damit, die Frau im Internet zu verfolgen.

Catherine ist nämlich, da sie aus Erfahrung weiß, dass weder die Behörden noch die Kirche Interesse daran haben, solch erheblichen weiblichen Einfluss in der Kirche „aufzudecken“ geschweige denn zu akzeptieren, vom Ausgrabungsort in die USA geflohen. Dabei hilft ihr Daniel, ihr bester Freund aus Schulzeiten, der extra zu ihr geflogen kommt. Von New York aus macht sich Catherine weiter auf den Weg nach Malibu zu Julius, ihrem Verlobten, einem Paläopathologen. Daniel, der auf getrenntem Weg ebenfalls mittlerweile in Kalifornien eingetroffen ist, merkt, dass sie in Gefahr sind und wird – während Catherine ihn gerade besucht – von zwei Männern ermordet, die sie auch schon im Sinai verfolgt haben. Catherine kann fliehen, und zwar mit Hilfe des Priesters Michael Garribaldi, den sie „zufällig“ auch schon in ihrem Hotel beim Ausgrabungsort getroffen hatte. Nach und nach stellt sich heraus, dass Michael wirklich ein Priester ist, jedoch ein sehr moderner, der auch Kampfsport kann, und beide fliehen gemeinsam durch die USA, währenddessen Catherine fieberhaft an der Übersetzung der Schriftrollen arbeitet.

So erfährt der Leser nach und nach die revolutionären Worte der Prophetin Sabina, die um die Zeit von Jesus herum gelebt hat und die offenbar die Anfänge des Christentums sowie das ewige Leben schildert. Der Roman spielt im Dezember 1999, also kurz vor dem magischen Datumswechsel zum Jahr 2000; viele Menschen rund um Catherine herum auf der ganzen Welt sind daher verunsichert, ob es einen Weltuntergang gibt oder nicht und damit auf der Suche nach dem Sinn des Lebens. Daher fällt Catherines Flucht und der Inhalt der Schriftrollen auf einen sehr fruchtbaren Boden und die Medien verfolgen diesen eigentlich sonst eher medial uninteressanten Fall besonders intensiv, was Catherine und Michael das Untertauchen schwer macht. Immer wieder müssen sie, um Hintergrundinformationen sowie Hinweise auf die fehlende siebte Schriftrolle zu finden, auf das Internet zugreifen, das jedoch Havers mit seinem Unternehmen im Griff hat. Damit leben sie in ständiger Gefahr vor der Entdeckung – nicht nur durch die beiden Killer, die ihnen stets im Nacken sitzen, sondern auch durch Teddy, der sie digital verfolgt…

Fazit
Die Geschichte als solche ist sehr spannend geschrieben, und die Verfolgungsjagd hält den Leser ständig in Atem, so dass sich die über 600 Seiten wie im Rausch lesen. Parallel erfährt der Leser – interessant verpackt – viel über das Christentum, und auch Catherines persönlicher Konflikt ihres Glaubens bzw. Vertrauens in die katholische Kirche sind sehr eindrucksvoll und nachvollziehbar geschildert.
Für alle Leser, die sich noch an die verschiedenen Szenarien, was wohl alles bei der „Jahrtausendwende“ passieren würde, erinnern, bietet das Buch zusätzlich eine interessante Komponente. Positiv zu erwähnen ist auch, dass Wood eigentlich alle losen Enden, auch Begrifflichkeiten, am Ende aufgelöst hat, was nicht bei jedem Roman der Fall ist. So versteht der Leser gut, warum das Buch den Titel „Prophetin“ trägt, und auch bspw. der Grund, warum sich Havers für einen „Tiger“ erhält, wird in einer – für den Buchfortschritt nicht unbedingt notwendigen, als Hintergrundinformation aber durchaus interessanten – Nebenepisode erläutert. Die Charaktere werden sehr gut gezeichnet, so dass man sich in alle Personen – auch die bösen – sehr gut hineinversetzen kann und mit ihnen mitfiebert!

Etwas anstrengend ist das offensichtliche Bedürfnis der Autorin, mit Wissen über das Internet und Computer aufzutrumpfen. Das Original des Buches ist 1995 erschienen, also zu einer Zeit, als das Internet schon durchaus in der Geschäftswelt (in der Wissenschaftswelt sowieso) eingesetzt wurde, aber noch lange nicht das Masseninstrument für „Jedermann“ war, wie es heute der Fall war. Aus heutiger Zeit wirken ihre angestrengte eingebundenen technischen Kommentare eher lustig bzw. überflüssig als interessant – bspw. als eine von vielen Stellen auf Seite 229: „Internal Slip Diver Com1 Baud Rate = 547600 Compression IP Buffers = 32“. Die Übersetzer des Buches bedanken sich am Ende des Buches auch explizit bei einem Technikspezialisten für die „Klärung der vielen neuen Begriffe, die Cyberspace uns allen auch in der deutschen Sprache“ beschere – allein die Wortwahl (das Auslassen des Artikels) zeigt, dass die Übersetzer im Jahr 2000 (Erscheinungsdatum der deutschen Ausgabe) mit diesem Medium noch nicht viel zu tun hatten – entsprechend holperig ist die ansonsten gute Übersetzung in diesen Bereichen leider. Wenn man schnell über diese für den Inhalt auch nicht entscheidenden Stellen hinüberliest, ist es ein wirklich empfehlenswertes spannendes Buch!

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