Die Sandelholzstrafe

Autorenwertung
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Die Sandelholzstrafe

Karin Betz (Übersetzer). Insel 2009, Gebundene Ausgabe, 651 Seiten, € 19,99

Rezension von: Ratte | Rezensionsdatum:

: Die Sandelholzstrafe

Auf 650 Seiten entfaltet Mo Yan, der Altmeister der chinesischen Literatur, ein Panorama des Jahres 1899 in der chinesischen Provinz. In diesem Jahr bauen die deutschen Kolonialherren eine Eisenbahnlinie zwischen Qingdao und Jinan und ihnen ist die Tatsache, dass dabei Bauern ihre Felder verlieren, die Schienen über Ahnengräber hinweg führen und das Fengshui der ganzen Provinz gestört wird, herzlich egal. Der Bau der Eisenbahn markiert den Untergang des alten China, hier exemplarisch an der Provinz Gaomi vorgeführt und bewusst in altmodischem Duktus, in vormodernem Rhythmus erzählt. Die Erzählweise nimmt Anleihen an der ländlichen Kunstform der Katzenoper und nicht nur das macht es für den westlichen Leser oft schwierig, dieses Buch weiter zu lesen. Auch Folter als schöne Kunst betrachtet und der Mangel an Empathie anderen Menschen gegenüber verstört den Leser oftmals sehr.

Inhalt

Die Sandelholzstrafe erzählt die Geschichten von fünf Menschen, die eng miteinander verbunden sind. Alle fünf erzählen im Wechsel mit dem Erzähler auch selbst und stellen ihre Sicht der Dinge dar. Da ist zuerst einmal Sun Meiniang, ein sehr hübsches Mädchen, deren einziger Makel ihre großen Füße sind. Nach dem Tod der Mutter wuchs das Mädchen halbwild bei ihrem Vater, dem Chef einer Schauspielertruppe auf, der es versäumte, sich um das Einbinden der Füße zu kümmern. Meiniang findet so nur schwer einen Ehemann und heiratet den einfältigen Hunde- und Schweineschlachter Zhao Xiaojia. Sie eröffnet eine Schenke, ihr süßer Wein und besonders ihr schmackhaftes Hundefleisch machen sie, neben ihrer Schönheit,  zu einer lokalen Berühmtheit.

Ihre drei Vorzüge schaffen es auch, ihr das Herz des präfekten Qian Ding zu erringen. Der Präfekt des Landkreises, gebildet, wohlhabend, verheiratet mit einer Frau aus vornehmen, altem Geschlecht und die Frau aus dem Volk, Tochter eines fahrenden Sängers. Das ruft Neider auf den Plan. Für so einen oder einen Schnorrer hält sie anfänglich auch den alten Mann, der zu Anfang des Romanes zu Besuch kommt.

Doch Zhao Jia ist ihr Schwiegervater, ein angsteinflößender Mann. Zhao Jia ist eine Legende im Reich, ausgezeichnet von der Kaiserinwitwe und dem Kaiser, der beste Henker und Folterer des Reiches. Zhao Jia betrachtet Folter als edle Kunst und achtet sehr darauf, dass alle seine Handlungen sich an alte Überlieferungen und Regeln halten. Besonders stolz ist er auf seine Kunst, die Opfer seiner perfiden Foltertechniken noch die gewünschte Zeit, auch Tage, am Leben zu erhalten. Doch eigentlich hat der Alte sich zurückgezogen aus dem aktiven Geschäft, er will seine letzten Jahre ruhig in der Heimat verbringen.

Doch als Sun Bing, der Vater von Meiniang, einen Aufstand gegen die Deutschen anzettelt, ist seine Kunst wieder gefragt. Sun Bing ist Unrecht geschehen und wie ein chinesischer Michael Kohlhaas verlangt er Gerechtigkeit und lehnt jede „goldene Brücke“, jeden Plan zur Flucht ab. An ihm soll Zhao Jia noch ein letztes Mal die Sandelholzstrafe vollziehen und den Gepfählten noch fünf Tage bis zur Einweihung der Eisenbahnstrecke am Leben erhalten. Auf dem Podest, auf dem die kunstvolle Strafe vollstreckt werden soll, bündelt sich das Schicksal der fünf Protagonisten.

Fazit

Neben der oben skizzierten Haupthandlung werden noch eine Fülle anderer Ereignisse erzählt, viele weitere Personen vorgestellt. Es ist daher durchaus sinnvoll, sich zu Anfang ein paar Namen und Fakten herauszuschreiben, um den Überblick zu behalten. Auch die minutiös beschriebenen Foltermethoden verlangen dem Leser einiges ab, ebenso, wenn auch aus anderem Grund, die Texte der Katzenoperarien, die den Kapiteln vorangestellt sind.

Ein epischer Roman, ein Blick in eine fremde, untergehende Welt, die nicht für den westlichen Leser beschrieben wird. Auch deshalb ist die Übersetzung von Karin Betz besonders verdienstvoll und sehr gelungen. Ein Schmöker, aber nicht leicht zu bewältigen. Ein Muss aber für jeden an chinesischer Literatur Interessierten.

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