Die Schuld des Tages an die Nacht

Autorenwertung
  • Dramatik
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  • Geschichte
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  • Emotionen
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  • Übersetzungsqualität
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  • Ausstattung
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  • Gesamt
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Die Schuld des Tages an die Nacht

Regina Keil-Sagawe (Übersetzer). Ullstein 2010, Gebundene Ausgabe, 416 Seiten, € 15,49

Rezension von: B.Agada | Rezensionsdatum:

Die Schuld des Tages an die Nacht von

Inhalt
In diesem Jahr wird alles besser. Younes’ Vater hat es geschafft. Die Ernte wird gut, das Getreide steht hoch. Im Algerien der 1930er Jahre ist es nicht einfach als Bauer selbstständig zu sein. Krankheiten und die Schikane der französischen Großgrundbesitzer machen den unterdrückten Algeriern das Überleben schwer. Younes’ Vater redet nie viel, aber nun begibt er sich ins Dorf und fragt nach Erntehelfern. Doch drei Tage vor der Ernte brennen die Felder lichterloh. Neid und Verrat haben ihr Ziel erreicht. So bleibt dem Vater von Younes nichts mehr als sein Leben und das seiner Familie. So gedemütigt finden sie sich in einem dreckigen Vorort von Oran, einer alten Hafenstadt in Westalgerien wieder. Der Vater versucht vergeblich eine Arbeit zu finden, die die Familie, Younes Frau und zwei Kinder, ernährt. Ungerechtigkeit und Pech kleben an seinen Sohlen.

Younes neues Leben beginnt
Younes’ Onkel Mahi lebt schon länger in Oran. Er ist Apotheker und wohnt mit seiner Frau in einem französischen Viertel. Als die Situation immer dramatischer wird, bringt der Vater Younes zu seinem Bruder, um ihm eine Ausbildung und Zukunft zu geben, die der Vater nicht ermöglichen kann. Von seinem Onkel wird Younes warmherzig aufgenommen und für seine Tante, einer Französin, wird er zu Jonas. Von da an geht es Younes/Jonas besser, er geht zur Schule und hat ein besseres Leben als die Bewohner von Djenane Djato, dem heruntergekommenen Viertel, in dem seine Mutter und seine Schwester auf den Vater warten, der auf Arbeitssuche ist, und vergeblich auf bessere Zeiten hoffen.

Younes Onkel ist ein belesener, gelehrter Mann und neben seiner Apotheke engagiert er sich für sein Land. Als 1945 der Zweite Weltkrieg zu Ende geht, hofft die algerische Bevölkerung, nun von der französischen Kolonialherrschaft befreit zu werden. Bitter ist da die Erkenntnis, dass Frankreich „sein“ Algerien nicht aufgeben will. Am 8. Mai 1945 kommt es zu den bekannten Aufständen in Setif und anderen Orten, die auf algerischer Seite tausende Todesopfer forderten. Younes Onkel muss daraufhin im Gefängnis Verhöre unter Folter ertragen.

Das Leben in Rio Salado
Nach der Entlassung aus der Haft zieht der Onkel mit seiner Frau und Jonas nach Rio Salado, rund siebzig Kilometer westlich von Oran. Hier leben Spanier und in Algerien geborene Franzosen, die sogenannten „Pieds noir“ gemeinsam mit wenigen Algeriern vom Wein- und Obstanbau. Die Apotheke kommt in Schwung und Jonas wächst mit den Kindern des Ortes heran und lernt ebenfalls den Apothekerberuf. Die Jahre gehen dahin. Der Wein- und Obstanbau beschert Rio Salado reichliche Ernten und so geht es den Bewohnern gut, was sie mit vielen Festen und Bällen zum Ausdruck bringen.

Jonas und Emilie
Jonas erlebt seine Jugendzeit unbeschwert mit seinen Freunden, bis die Liebe in ihre Welt einbricht. Alle vier Freunde erleben mit der Liebe ihr Schicksal, erfüllt und nicht erfüllt. Jonas Liebesleben will nicht so recht in Schwung kommen, bis eines Tages eine hübsche junge Französin nach Rio Salado kommt, Emilie. Jonas Leben nimmt eine neue Wendung. Was hat das Schicksal mit ihm vor?

Zeit der Veränderungen
Eigentlich hätte die Zeit im Glück für Rio Salado so schön weitergehen können. Doch das gute Leben der Einwohner von Rio Salado wurde auf dem Rücken der berberischen und arabischen Bevölkerung gebaut. Ihnen wurde ihr Land weggenommen als 1830 die Franzosen und mit ihnen andere Europäer in Algier einfielen und sie zu ihren Dienern machen. 1954 ist es endlich so weit und die unterdrückte algerische Bevölkerung beginnt sich zu wehren und erreicht unter großen Verlusten und Leid am 5. Juli 1962 ihre Unabhängigkeit. Auch Jonas spürt die Veränderungen und weiß manchmal nicht, ob er eher seinen Freunden oder seinen Landsleuten näher steht, bis Djelloul, einer der Unabhängigkeitskämpfer, seine Hilfe braucht.

Fazit
In dem Algerier Younes und der Französin Emilie spiegelt sich das Schicksal von Algerien und der einstigen Kolonialmacht Frankreich wieder. Neben dem persönlichen Leben von Younes schildert der großartige Autor Khadra die politische Situationen Algeriens von 1930 bis 1962 und gibt am Ende einen Rückblick auf das damalige Geschehen durch einen Sprung in das Jahr 2008. Er verwebt die Figuren des Romans mit der bewegenden und oft leidvollen Geschichte Algeriens.

Ein fesselnder, brillant geschriebener Roman eines Autoren, der das Leben in Algerien und Frankreich bzw. Europa kennt. Algerische Militärangehörige wurden verpflichtet, schriftliche Veröffentlichungen der Zensurbehörde vorzulegen. Deshalb schreibt Khadra auch unter dem Namen seiner Frau, denn als Offizier der algerischen Armee konnte Mohammed Moulessehoul seine Romane nicht veröffentlichen. Schon früh wird er von seinem Vater einem militärischen Umfeld anvertraut, um ihm damit eine Karriere in der Armee zu ermöglichen. Inzwischen werden seine Bücher in 39 Sprachen übersetzt. Für den Roman „Die Schuld des Tages an die Nacht“ erhielt Moulessehoul 2008 den wichtigsten Literaturpreis Frankreichs.

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