Die Serapions-Brüder

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Rezension von: Ragan Tanger | Rezensionsdatum:

E.T.A. Hoffmann: Die Serapions-Brüder: Nussknacker und Mausekönig – Die Automate – Der Baron von B. – Das Fräulein von Scuderi und weitere

Kompilation eigener Größe

Das mag  sehr subjektiv klingen, aber für manchen Hörer sind Musikbeilagen in jeder Art bei Hörspiel oder Hörbuch ein Graus. Weil sie von der narrativen auf die intuitive, von der mentalen auf die emotionale Ebene wechseln, auf dass es einem den Genuss des einen wie des anderen verleide. Der Rezensent dieser Zeilen, so gesteht er freimütig, gehört zu dieser Spezies von auditivem Rezipiententum, der partout kein Geklimper und Gesinge beim Nacherzählen höchster literarischer Genüsse vertragen kann. Warum dann doch dieses klimpernde Hörbuch, diese mächtige Inszenierung vom Bayrischen Rundfunk der Serapions-Brüder, die beim Hörverlag erschienen ist, trotz allem Klavier- und Gesangseilagen aus dem Rahmen fällt, liegt an vielerlei Dingen.

Zum Einen ist da die sehr gekonnte Umsetzung dieses Männerkreises, der sich in regelmäßigen Abständen zu gesellschaftlichen, literarischen Zirkeln trifft – einem jour de fixe, wie man in späterer Zeit wohl dazu gesagt hätte. Die Kunst ist die vom großen E.T.A. Hoffmann zwischen 1819 und 1821 kreierte Sammlung bereits veröffentlichter oder neu hinzugefügter Novellen und Erzählungen, die allesamt in einem großen Rahmen einer weiteren Geschichte, nämlich der der vielstimmigen Freunde, die sich zum Austausch ihrer phantastischen Geschichten treffen, hineingeschoben werden. Gekonnt haben hier Regie und Produktion eine dichte Atmosphäre erschaffen, die ja, auch wenn es bisweilen weh tut, den musikalischen Einfügungen, die recht häufig sind, gerecht wird.

Zum Anderen ist gerade das Oeuvre Hoffmanns gespickt mit Anspielungen und Storyelementen, die jene fabriziöse Kraft des Musikalischen hervorheben, ja zum Movens des menschlichen Ausdrucks überhaupt erheben, so dass die Gefühle, die ebenda noch fabuliert und erklärt worden sind, mit einem Mal lebendig in Herz und Seele dringen.

Und zum Dritten ist da Hoffmann selbst, dessen phantastisches, schauriges, abgrundtief melancholisches Wesen jedwede Art von, sagen wir mal, Beschneidung aushalten kann. Der Stoff mit über elf Stunden Spielzeit, in dem so große Klassiker wie das Fräulein von Scuderi, die Bergwerke zu Falun oder Nussknacker und Mäusekönig hervortreten, ist so interessant und lebendig, so prosaisch und geschmackvoll, dass die kleinen Musikeinlagen eher zur Erholung denn zur Aufregung dienen.

Wer von vorneherein nichts gegen Musik im Hörbuch hat, der kann ja mit dieser großartigen Produktion, bei der von aufmacherischer bishin zur inhaltlicher Qualität alles stimmt und stimmig ist, sowieso nichts falsch machen; die Zeilen hier richten sich an die wenigen verbleibenden Menschen, die Geklimper bisweilen als Störung des Fadens empfinden und dennoch herzlich eingeladen seien, sich diesem Wunderwerk anzunähern.

Fazit:

Allein den Reigen der Geschichten in diesen größeren Zusammenhang zu stellen, zeugt von hohem literarischem und kreativem Bewusstsein. Sein eigenes Werk für derart kraftvoll und wichtig zu erachten, dass es auch innerhalb eines großen Zyklus Form und Bestand hat. Das gelingt Hoffmann aufs Vortrefflichste und die Sprecher (unter anderem Felix von Manteuffel, Herbert Ritsch oder Bernhard Schütz) übertrumpfen sich in empathischen und kunstvollen Arrangements. In dieser Form – trotz Musikbeilagen – mit dem geschickten mp3-Format und dem ausführlichen Booklet die zigfachste Wiederentdeckung eines großen deutschen Romantikers – die unbedingte Chance, in die Sphären der anderen, der undurchdringbaren und dennoch in Worten kraftvoll anzudeutenden Welt, hineinzutreten. Hoffmann steht schon lange da, am Eingangstor voll goldenen Lichts.

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