Die Spur des Bienenfressers

Autorenwertung
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  • Humor
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  • Authentizität
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  • Gesamt
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Die Spur des Bienenfressers

Uta Goridis (Übersetzer). Unionsverlag 2010, Taschenbuch, 244 Seiten, € 16,90

Rezension von: Ratte | Rezensionsdatum:

: Die Spur des Bienenfressers
Ein Krimi aus Afrika, spannend, anders und gut zu lesen.

Inhalt
Kayo Odamtten wäre gern Forensiker in seinem Heimatland Ghana, dafür hat er in London studiert, aber einen Gerichtsmediziner scheint man in Ghana nicht zu brauchen und Kayo vertrödelt seine Zeit als Angestellter in einem chemischen Labor eines unfähigen und korrupten Chefs. Der will ihn auch nicht freistellen, als die Polizei ihn und sein Spezialwissen auf einen Fall ansetzten will. Doch Polizeichef Donkor ist karrieregeil, in vorauseilender Initiative hat er dem Minister schon versprochen, dass der Fall so gut wie gelöst sei. Donkor ist in Zugzwang und da man die Menschenrechte nicht so ernst nimmt in Ghana, wird Kayo kurzerhand entführt und staatsfeindlicher Umtriebe beschuldigt. Ehe er sich erschießen lässt, widmet er sich dem brisanten Fall. Brisant ist er eigentlich nur, weil die Geliebte des Ministers „etwas“ gefunden hat, in einer Hütte auf der Fahrt über Land, in einem von der Zeit vergessenen Dorf. In diesem Dorf, Sonokrom,  liegt dieses etwas immer noch in der Hütte eines Kakaobauern, der verschwunden ist. Polizeichef Donkor erwartet, dass ein Mord aufgeklärt wird, gern mit internationalen Verwicklungen und dies möglichst in Rekordzeit, denn das wäre ein Quantensprung für seine Karriere.

Ist es überhaupt ein Verbrechen?
Kayo muss erst einmal klären, ob überhaupt ein Verbrechen vorliegt und so arbeitet er sich vor, wie er es gelernt hat, nimmt Proben, vermisst, arbeitet mit UV-Licht und Laptop, erstellt ein dreidimensionales Bild des Hütteninneren und weiß dabei eigentlich schon, dass die Dörfler, wenn sie nur wollten, ihm den Fall aufklären könnten. Besonders der Jäger, Opanyin Pokus, das Gedächtnis des Dorfes, könnte ihm viel erzählen. Im Gegensatz zu den Polizisten gibt Kayo nicht den arroganten Städter, sondern behandelt die Alten im Dorf mit Respekt und hält sich an die Etikette.

Das „Ding“, wie es die Dorfbewohner nennen, ist ein Fleischklumpen ohne Knochen, keine Nachgeburt, wie Kayo erst meinte und der Befall mit Fliegenlarven deutet darauf hin, dass dieses Ding noch lebte, als die Ministerfreundin es entdeckte. Was ist es nur?

Den Dorfbewohnern Wissen zu entlocken ist schwierig, auch wenn Kayo sich in beiden Welten bewegen kann, der wissenschaftlich-westlichen und der traditionell-afrikanischen. Es dauert lang, viel Palmwein muss getrunken werden und viele Geschichten gehört, bis sich die Wahrheit herausschält für Kayo und seinen cleveren Mitarbeiter. Der Jäger erzählt erst einmal eine ganz andere Geschichte, die einer Familientragödie, von häuslicher Gewalt, da liegt die Lösung des Falls.  Aber diese Wahrheit ist nichts, was den Polizeichef glücklich machen würde, also wird sie frisiert – und alle Dörfler machen mit, denn man hatte den Geruch der Gerechtigkeit gerochen, als das „Ding“ verbrannt wurde.

Für westliche Leser herrscht in diesem Krimi sehr bedenkliche Rechtsnormen und man würde sich wünschen, wenn der eine oder andere nicht nur amerikanische Fernsehserien sähe, sondern vielleicht auch ein bisschen mehr von Menschenrechten gehört hätte.

Fazit
Der Krimi ist spannend, die Geschichte und die Charaktere stimmig, es gibt unterschwelligen Humor, Witz und schräge Dialoge. Das Klischee vom Zusammenprall der Kulturen ist hier stimmig und mit einem Augenzwinkern umgesetzt: Der Chef erhält seinen Bericht in CSI-Manier, wie gewünscht, aber die Wahrheit bleibt im Dorf. Traditionelles Rechtsempfinden und korrupter Alltag der Moderne stellen hier die krassesten Gegensätze, ihr Aufeinanderprall zeigtigt viel Komik.

Das Erstlingswerk des jungen Autors, der abwechselnd in London und Accra wohnt und bisher Lyrik geschrieben hat, ist auf jeden Fall lesenswert.

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