Die Stunde nach Mitternacht

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Rezension von: Ratte | Rezensionsdatum:

: Die Stunde nach Mitternacht

Einem Pseudonym haftet immer ein bisschen der Geruch von Feigheit an, warum verschweigt der- oder diejenige seinen oder ihren wahren Namen? Salma, so ist auch in einem Film über Schriftstellerinnnen aus dem südindischen Tamil Nadu eindringlich beschrieben, hatte einen äußerst trifftigen Grund, ihren Namen geheim zu halten.

In Deutschland ist es weitgehend unbekannt, dass auch im Süden Indiens muslimische Gemeinschaften leben, die, gerade wegen ihres isolierten Minderheitenstatus, besonders den Traditionen verhaftet sind und ihre Religion besonders streng leben. Salma stammt aus einer dieser Familien. Bereits sehr jung, wird sie ungefragt und ungewollt verheiratet und ihre Schwiegerfamilie toleriert ihre Liebe zur Literatur und ihr Schreiben überhaupt nicht. Sie liest und schreibt heimlich und muss fürchten, sollte ihr Tun bekannt werden, mit massiven Konsequenzen rechnen zu müssen. Unter dem Pseudonym Salma veröffentlicht sie Kurzgeschichten, Gedichte und Rezensionen.  1998 erschien sie zu einer offiziellen Buchvorstellung,  eine fingierte Krankheit hatte ihr die Möglichkeit gegeben, das Haus zu verlassen. Salma, wie die Frauen ihrer Gemeinschaft, lebte im Haus und in der Gemeinschaft des Wohnviertels, sie war so wenig an ein öffentliches Auftreten gewohnt, dass sogar die Menschen auf den Straßen sie unsicher machten.

Geändert hat sich Salmas Situation erst, als auch ihre Familie eine politische Karriere unterstützte (der indische Staat  reserviert eine gewisse Anzahl Posten für Benachteiligte, Niedrigkastige, Minderheiten und Frauen), die der Familie nützte. Damit wurden ihr öffentliche Auftritte möglich und weitestgehende Freiheiten. Inzwischen hat Salma zwei Söhne, ist einer Partei beigetreten und auch unter ihrem richtigen Namen als Schriftstellerin berühmt geworden. 2001 schrieb sie den vorliegenden Roman, den sie erst 2004 veröffentlichen konnte und der ihr auch eine Reihe massiver Anfeindungen eintrug.

Inhalt

Salma beschreibt in „Die Stunde nach Mitternacht“ das Leben einer Gruppe von Frauen in einer muslimischen Gemeinschaft nicht weit von Madurai in Tamil Nadu. Das Leben der Frauen wird von Regeln, Traditionen, Bräuchen, religiösen Zwängen und – von den Männern bestimmt. Eine Vielzahl von Frauen, meist miteinander verwandt, stellt uns Salma mit viel innerer Beteiligung und großer Empathie, aber auch mit viel psychologischem Feingefühl vor. Da gibt es Animositäten, Kämpfe um kleinste Vorteile, liebevolles Miteinander, Missverständnisse, kleine Revolten und große Dramen, Träume und Niederlagen. Die Übersicht über die vielen Protagonistinnen ist anfänglich etwas schwierig. Einige der Frauen werden jedoch herausgehoben, in dem Salma ihre Stellung einnimmt und aus ihrer Sicht die Geschichten weitererzählt. Da ist die 12jährige Rabia, die – noch als Kind einige Freiheiten genießt – über deren Hochzeit aber bereits gesprochen wird. Da ist ihre Cousine Wahida, die ihren 20 Jahre älteren Cousin heiraten und ihre Träume begraben muss.  Und da ist Firdaus, die ihre Konsequenz und ihre Liebe mit dem Leben bezahlt.

Fazit

Salmas Buch ist keineswegs nur eine Anklage, auch die Männer der Gemeinschaft werden differenziert und psychologisch einfühlsam geschildert. Salma hat sehr präzise beobachtet und genau reflektiert. Eine uns fremde Welt mit einer Vielzahl von Bräuchen und Lebensregeln entfaltet sich detailreich beobachtet vor uns. Diese differenzierte Sicht macht das umfangreiche Buch zu einem Lesevergnügen.

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