Die verblödete Republik

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Rezension von: Wolfi | Rezensionsdatum:

 : Die verblödete Republik. Wie uns Medien, Wirtschaft und Politik für dumm verkaufen

Der „Wutbürger“ könnte das Wort des Jahres werden, obwohl er nicht im Duden steht. Es hat sich etwas angestaut in dieser Republik. Immer häufiger macht sich der Bürger Luft, so etwa bei den Querelen um das Großprojekt „Stuttgart 21“.

Doch wo liegt der Kern der Unzufriedenheit, welche Fehlentwicklungen gibt es, wo liegen Lösungsmöglichkeiten? Thomas Wieczorek sieht ein ganzes Konglomerat an Faktoren und Akteuren, die miteinander dafür verantwortlich sind, dass die Grundwerte und -ideen der Bundesrepublik nicht mehr im erforderlichen Umfang zum Tragen kommen. Er zeichnet das Gegenbild zum „mündigen Bürger“ und teilt in viele Richtungen aus.

„Superstars“ und „Topmodels“ statt politischer Bildung ?
Wieczorek nähert sich dem Thema analytisch und polemisch zugleich. Bereits der Titel ist provokativ, von einer „verblödeten Republik“ ist da die Rede, und davon „wie uns Medien, Wirtschaft und Politik für dumm verkaufen“. Zunächst möchte Wieczorek mit dem „Mythos“ des politisch mündigen Bürgers aufräumen. Seiner Ansicht nach ist nämlich das genaue Gegenteil der Fall. Die Medienwelt sieht er geprägt durch „Superstars“ und „Topmodels“. Videospiele, Telenovelas und Groschenromane sorgen demnach für eine „Flucht in die Scheinwelt“. Seine Folgerung: Wahlen werden nur noch durch Bauchgefühl entschieden, nicht etwa durch politische Bildung. Bitter konstatiert er: „Medienwirksame Heldeninszenierung schlägt sachliche Diskussion.“

Sozialstaat und Leistungsgerechtigkeit
Doch auch Wieczorek selbst arbeitet nicht mit Sachlichkeit, er spitzt vielmehr zu, er ist populistisch. Wobei jedoch immer auch ein Kern Wahrheit in seinen Thesen und Überzeugungen zu finden ist. Genau das lässt sein Buch als Diskussionsgrundlage durchaus geeignet werden. Eine analytische, wissenschaftliche Arbeit legt Wieczorek nicht vor. Vielmehr handelt es sich um eine Streitschrift, ein Infragestellen von liebgewordenen Denkschablonen.

Nicht nur die Medien sind dabei sein Thema, sondern auch der Sozialstaat. Eigene Aussagen tätigt er dabei nur selten. Er lässt vielmehr Experten sprechen, die seine eigene Ansichten ausformulieren, wie etwa die Argumentation, dass von „wirklicher Leistungsgerechtigkeit“ keine Rede sein könne. Es folgt ein wahres Sammelsurium an Zitaten und Quellen, das aber durchaus kurzweilig ist und durch seine Schlagwortartigkeit dem Buch eine ganz eigene Dynamik verleiht. Ihm gelingt es, scheinbar schwere politische Themen unterhaltsam und bissig aufzubereiten. „Politikverdrossenheit“ kanalisiert er in sarkastische Zustandsbeschreibungen, die die Zustimmung der meisten Leser haben dürfte. Er bedient damit eine Gegenöffentlichkeit, die sich in Diskussionen zahlreicher Talkshows nicht mehr wiederfinden kann. Nur Änderungsvorschläge gibt es wenige, doch vielleicht war das auch gar nicht die Absicht vo Wieczorek.

Fazit
Das im Schlusswort propagierte Motto „Kampf gegen die Verblödung“ kann Wieczorek zwar selber nicht immer erfüllen, doch wenn man das Buch mit seinen ganzen ironischen Untertönen liest, und auch das Augenzwinkern nicht vergisst, dann ist es sowohl unterhaltsam als auch lesenswert.

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