Dom Casmurro

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Dom Casmurro

Marianne Gareis (Übersetzer). Manesse Verlag 2013, Kindle Edition, 450 Seiten,

Rezension von: Ragan Tanger | Rezensionsdatum:

Joaquim Maria Machado de Assis: Dom Casmurro

Aktuelles aus dem

Nicht nur ein besonders auffälliger Name ist dem brasilianischen Literaturtausendsassa Joaquim Maria Machado de Assis zu Eigen, sondern auch eine besondere Begabung bei allem, was mit der Verschriftlichung der Weltwahrnehmung zu tun hat, Erfolg zu haben und Menschen zu bewegen. Machado de Assis – das der offizielle Nachname – hat, obwohl aus ganz ärmlichen Verhältnissen in Rio de Janeiro stammend, es vom kleinen Gedichtschreiber zum Präsidenten der Brasilianischen Akademie für Literatur gebracht und auf dem Weg als Setzer, Redakteur, Essayist, Romancier und sogar als Staatsminister seinen Weg gemacht. Das alles war im 19. Jahrhundert (konkret: 1839-1908) und seitdem gilt er als DER Klassiker der brasilianischen Literatur und der ermöglicht es nun, einen seiner wichtigsten Romane in edler Neuausgabe kennenzulernen.

Erst in den letzten zehn Jahren sind einige wenige Romane des brasilianischen Übervaters ins Deutsche übersetzt worden, der erste war eben jener Dom Casmurro, der nun bei Manesse reüssiert. Der Züricher Verlag begeistert schon seit einiger Zeit mit der Bergung von literarischen Schätzen, die das stilbildende Werk der Moderne nicht überdauert haben; die im allgemeinen Kontext des aufgeklärten, weißen Mitteleuropäers keinen Platz gefunden haben. Und die es dennoch definitiv würdig sind, gelesen zu werden.

Der Inhalt ist klar und, wenn man so will, Realismus pur. Emotionale Oszillationen, Jugendliebe, Seminaristenisolation, später dann Eheprobleme und Sozialkonflikte; das Ganze eingebettet in den Umbruch, dem man auch in als Moderne (historisch sprechen manche sogar schon von Postmoderne) im Verlauf des 19. Jahrhunderts gegenübertritt. Bentinho – der Ich-Erzähler – und Capitu, seine jugendliche Freundin, begehren sich und zugleich gegen die Wünsche ihrer Familien auf, wehren sich, müssen warten, lange warten, um dann schlussendlich nicht zu sterben (das waren Romeo und Julia), sondern zu heiraten und irgendwann auch mal Kinder zu bekommen. Und dann sieht plötzlich der Sohn dem besten Freund des Mannes auffällig ähnlich. Eifersucht brandet auf und wir sind mitten drin im Sozialdrama, das so nicht nur in , sondern überall auf der Welt stattfand und stattfindet.

Was neben dem spannenden kulturellen Hintergrund, den man sonst so nicht geboten bekommt, begeistert, ist die wirklich frische, lebendige und häufig lustvolle und lustige Sprache, obwohl der Titel ja ganz was anderes verheißt (Casmurro heißt stur, eigenbrötlerisch). Machado de Assis ist unglaublich leichtfertig und spielerisch, lässt Pflanzen und Tiere in Erklärungen mitsprechen, hat herrliche sprachliche Pointen (Ich dachte an sie, zwar nicht durchgehend, aber ausschließlich) und versteht es den Dingen des Lebens mit der richtigen Beschreibung unheimlich viel Witz und Wirklichkeit zu geben (Tote studieren Geologie in vivo).  Man muss sagen: eine allein schon sprachlich sehr gelungene Entdeckung!

Fazit:

Neben dem Inhalt weiß der Manesse-Verlag auch äußerlich auf den Schick seiner Werke hinzuweisen. Gerade einmal im Kleinformat DIN-A-6 mit zartem Umschlag und Lesebändchen wartet dieses Schmuckstück auf edle Augen und Lippen, die an ihm hängen bleiben. Vor allen Dingen bedingt durch die federleichte, herrlich ironische und trotzdem klar beschreibende Sprache des Autors ein großer Wurf.

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