Donna Leon: Reiches Erbe

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Reiches Erbe

Werner Schmitz (Übersetzer). Diogenes 2012, Gebundene Ausgabe, 320 Seiten, € 0,90

Rezension von: AndreasRuedig | Rezensionsdatum:

: Reiches Erbe Commissario Brunettis zwanzigster Fall

Das Buch ist im Jahre 2012 im Verlag, Zürich, in seiner deutschsprachigen Übersetzung erschienen. Es ist 317 Seiten dick.

Die Inhaltsangabe

Am Campo San Giacomo dellÒrio wird eine alte Frau tot in ihrer Wohnung aufgefunden. Sie stirbt an Herzversagen, wie der penible Pathologe Rizzarde schnell bei der Obduktion herausfindet. Vordergründig liegt hier also kein Fall für den Polizeikommissar Brunetti vor. Oder? Getreu dem Grundsatz „Wer suchet der findet“ kommt Brunetti einigen moralisch nicht ganz sauberen Maschenschaften auf die Sport.

Die Buchbesprechung

Da es mit den 19 Fällen zuvor viele Vergleichsmöglichkeiten gibt, läßt sich viel zu dem vorliegenden Werk sagen.

Das Buch ist mehr Gesellschafsroman denn Kriminalroman. Hier müssen keine ausgedehnten Ermittlungen angestellt werden; die Untaten sind längst verjährt und damit nicht mehr justitiabel. Guido Brunetti muß schon sehr tricksen, um überhaupt an einen Fall zu kommen. Hat er sonst nichts zu tun?

Familie und Arbeitskollegen treten deutlich in den Hintergrund; menschliche Schwäche und der menschliche Charakter werden stärker zum Gegenstand der Betrachtung.

Donna Leon wendet auch einen anderen literarischen Kunstgriff an. Sie läßt mehrere Handlungsstränge nacheinander ablaufen, Handlungsstränge, die nun wirklich nichts miteinander zu tun haben. Zuerst geht es um den Tod der alten Dame, dann ihr soziales Engagement und zu guter Letzt um die dubiosen Machenschaften bei einer lange zurückliegenden Erbschaft. Unter literarischen Gesichtspunkten könnte man ruhig ein Drittel des Textes streichen, ohne daß es zu inhaltlichen Einbußen kommen würde.

Was auch daran liegen mag, daß Leon viel zu deutlich über moralische Gesichtspunkte nachdenkt. Wie ist dieses Verhalten einzuordnen? Was soll man von diesem Benehmen denken? Überschreitet jemand seine beruflichen Kompetenzen, wenn er etwas tut? So, wie Leon in der vorliegenden Form darüber nachdenkt, stört es reichlich. Es gibt Kritiken zu diesem Buch, die viel zu nachsichtig darüber hinweggehen und es stattdessen noch loben.

Das Buch mag als Gesellschafts- und Charakterstudie in Ordnung sein. Als Krimi ist es durchaus ausbaufähig. Eine Frage sei dabei erlaubt. Von Leon ist bekannt, daß sie in ihren Krimis auf Themen eingeht, die in ihrer italienischen Wahlheimat auf den Nägeln brennen. Umweltverschmutzung sei hier genauso als Beispiel genannt wie Kirche, Zuwanderung, Prostitution und die Vergangenheit Venedigs. Das große Thema dieses Buches tritt nicht so ganz offen zu Tage. Gewalt gegen Frauen? Erbschleicherei? Kleinkriminalität? Es hätte ruhig deutlicher herausgearbeitet werden können.

Das Fazit

Hier liegt Leons unpersönlichster Krimi vor. Er vernachlässigt die Randfiguren im Kosmos von Brunetti viel zu sehr.

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