Drachenläufer. Graphic Novel

Autorenwertung
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  • Dramatik
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  • Einband
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  • Lesbarkeit
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  • Gesamt
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Drachenläufer

Fabio Celoni (Illustrator). Bloomsbury Berlin 2011, Gebundene Ausgabe, 144 Seiten, € 16,00

Rezension von: Ratte | Rezensionsdatum:

: Drachenläufer. Graphic Novel mit Illustrationen von Fabio Celoni und Mirka Andolfo

2003 war der Roman von Khaled Hosseini ein Bestseller, weltweit mehr als 21 Millionen Mal verkauft und auch verfilmt. Kaum ein Roman hat dem westlichen Leser die Welt Afghanistans näher gebracht als diese Geschichte um Freundschaft und Verrat. Jetzt hat der Bloomsbury Verlag Berlin die Geschichte als graphic novel neu herausgebracht.

Inhalt

Amir und Hassan, zwei Jungen in Kabul in den 70er Jahren, wachsen zusammen auf. Amir ist der Sohn eines großbürgerlichen Paschtunen, der führenden Ethnie Afghanistans. Hassan ist der Sohn eines Hausangestellten und gehört der verachteten Ethnie der Hazara an. Beide Jungen lieben den nationalen Volkssport Drachensteigen, der aber anders als in Europa ein Sport ist, in dem gekämpft wird und den der Geschickteste gewinnt.

Als die beiden Jungen vom größeren Assef und seinen Freunden bedroht werden, kann Hassan sie mit seiner Zwille vertreiben. Assef rächt sich jedoch, als er Hassan allein erwischt, in dem er ihn brutal vergewaltigt. Amir wird heimlich Zeuge des Übergriffes, greift aber aus Angst und Scham nicht ein und verrät so seinen Freund. Nach diesem Vorfall kann er Hassan nicht mehr in seiner Nähe dulden, zu sehr erinnert der ihn an sein Versagen. Er schiebt ihm einen Diebstahl unter und obwohl Amirs Vater dem Jungen verzeiht, verlassen Hassan und sein Vater aus Stolz das Haus.

Nach dem Einmarsch der Russen in Afghanistan fliehen Hassan und sein Vater über Pakistan in die USA. Hier erreicht den erwachsenen und verheirateten Amir, der immer noch unter seinem Versagen leidet, ein Anruf. Hassans Sohn braucht Hilfe und für Amir ist dies die Möglichkeit, seine Feigheit wieder gut zu machen.

Mit diesem Anruf beginnt die Graphic novel, der Rest wird im Rückblick erzählt. In Afghanistan erfährt Amir die Gräuel der Taliban, trifft Assef wieder, der Suhrab, den Sohn Hassans, bei sich hat und ebenso zu missbrauchen gedenkt wie dessen Vater. Assef schlägt Amir zusammen und nur durch die Zwille von Suhrab, der wie sein Vater gut damit umgehen kann, wird Amir gerettet und sie können fliehen. Letztendlich nehmen die kinderlosen Amir und Soraya den kleinen Sohn Hassans als Kind an, aber erst durch das Drachensteigen schmilzt das Eis zwischen Amir und Suhrab.

Illustrationen

Die Zeichnungen sind dem Genre entsprechend expressiv und etwas übertrieben, sehr viel Gesichter erscheinen in „Großaufnahme“. Die alten Männer tragen zerfurchte Gesichter sehr hohen Alters und malerische Turbane, das Blut auf der Hose des missbrauchten Hassan ist leuchtend rot. Dagegen ist die Geschichte natürlich um einiges gekürzt, die gespaltene Lippe Hassans wird nicht gezeigt (Amirs Vater bezahlt die Operation), die Ehezeit in den USA und die Schriftstellerei Amirs kaum thematisiert. Suhrab hat, wie auch Hassan, ein nahezu mädchenhaft zartes Gesicht, es erscheint eher puppenhaft, weniger zentralasiatisch mit geschlitzten Augen, wie es eigentlich Hazara typisch wäre. Auch die Kleidung der Jungen wirkt wie Jeans und Hemd, ist das realistisch für die Jungenkleidung in Afghanistan vor dem Einmarsch der Russen?

Fazit

Eine graphic novel ist keine Alternative zum Lesen eines dickleibigen Buches, sondern eine andere Kunstform. Drachenläufer kann als Roman gelesen werden, als Film gesehen und jetzt als „Bildergeschichte“ gelesen werden. Ein interessanter Vergleich bietet sich hier an – und graphic novels sind keineswegs nur Literatur für Jugendliche (zumal die Brutalität der Geschichte mit mehrfachen Vergewaltigungen, Steinigung und brutalen Prügelorgien das nicht nahelegt). Wer graphic novels mag, ist mit Drachenläufer ganz gut bedient, allerdings gibt es durchaus bessere Illustratoren. Allerdings ist es gelungen, den Kern der Geschichte auch in der Kurzform zu erhalten.

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